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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

51.

Wo wäre auch der Mensch, der nach seinem Tode oder schon zu Lebzeiten die Jungfräulichkeit gelehrt und diese Tugend unter Menschen für wohl möglich gefunden hätte? Aber Christus, unser Heiland und König aller Dinge, fand mit seiner diesbezüglichen Lehre solchen Anklang, daß selbst Kinder, die das gesetzliche Alter noch nicht erreicht haben, die über das Gebot hinausgehende Jungfräulichkeit geloben1. Welcher Sterbliche vermochte je solche Strecken zu durchqueren, zu den Skythen, Äthiopiern, Persern, Armeniern, Gothen oder zu den Völkern, die man jenseits des Ozeans loziert, oder die über Hyrkanien hinauswohnen, oder überhaupt (auch nur) zu den Ägyptern und Chaldäern zu gelangen, die der Magie zugetan und außergewöhnlich abergläubisch und sittenroh sind, und dort von Tugend und Keuschheit und gegen den Götzenkult zu predigen, wie der Herr aller, die Kraft Gottes, unser Herr Jesus Christus getan hat? Er hat diesen nicht nur durch seine Jünger gepredigt, sondern sie auch so weit gebracht, daß sie ihre Sittenroheit ablegten und jetzt nicht mehr die Götter ihrer Väter verehren, sondern zur Erkenntnis seiner gelangen und durch ihn den Vater anbeten. Denn vor Zeiten, da die Griechen und Barbaren noch den Götzen dienten, lagen sie im Krieg gegeneinander und waren gegen eigene Stammesgenossen grausam. Es war überhaupt nicht möglich, über Land oder Meer zu reisen, ohne seine Hand zu bewaffnen - eben wegen ihrer unaufhörlichen gegenseitigen Befehdung. Ja, ihr ganzer Lebenslauf war ein Waffengang; das Schwert war ihr Stock und ihre einzige [S. 670] Rettung. Doch, wie vorhin gesagt, mochten sie auch ihren Götzen dienen und ihren Dämonen Opfer bringen, der teuflische Götzenwahn ließ bei ihnen, die in solcher Verfassung waren, natürlich keine sittliche Umwandlung zu. Als sie aber zur Lehre Christi übertraten, da ließen sie auffallend, tief im Herzen gerührt, von der mordlustigen Grausamkeit ab und denken jetzt nimmer an Krieg; vielmehr hegen sie jetzt nur mehr Gesinnungen des Friedens und der Freundschaft.

1: τὴν ὑπὲρ τὸν ωόμον ἐπαγγέλλεσθαι παρθενίαν. Hier lesen wir die ausdrückliche Lehre von der freiwilligen Jungfräulichkeit als eines opus supererogatorium.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger