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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

6.

Da infolgedessen der Tod immer mächtiger wurde und das Verderben über der Menschheit lagerte, so ging das Menschengeschlecht dem Untergang entgegen, der vernünftige und nach dem Bilde Gottes erschaffene Mensch mußte verschwinden und das von Gott geschaffene Werk verloren gehen. Denn, wie vorhin gesagt, der Tod gewann jetzt über uns gesetzliche Gewalt, und es war unmöglich, dem Gesetze zu entrinnen, weil es von Gott wegen der Sünde erlassen worden war.

In der tatsächlichen Verwirklichung dessen lag aber etwas Ungereimtes und Unwürdiges zugleich. Ungereimt wäre es, Gottes Rede Lügen zu strafen, wenn nämlich der Mensch trotz der göttlichen Verfügung, er müsse im Falle der Übertretung des Gebotes des Todes sterben, nach der Sünde nicht starb, vielmehr seine Verfügung aufgehoben wurde. Dann war ja Gott nicht wahrhaftig, wenn der Mensch nicht starb trotz seines Wortes, daß wir sterben würden. Anderseits war es unziemlich, wenn die einmal erschaffenen vernünftigen und seines Logos teilhaftig gewordenen Wesen zugrunde gingen und auf dem Weg der Vernichtung wieder ins Nichts zurücksanken. Es reimte sich doch nicht mit der Güte Gottes [S. 610] zusammen, wenn die von ihm geschaffenen Wesen wegen des vom Teufel an den Menschen verübten Truges umkamen. Zudem war es ganz und gar unziemlich, daß das Kunstwerk Gottes in den Menschen durch deren Sorglosigkeit oder durch den Dämonentrug verloren ging. Da also die vernünftigen Wesen dem Verderben und solch vorzügliche Werke dem Untergang geweiht waren, was mußte da Gott in seiner Güte tun? Etwa zulassen, daß das Verderben gegen sie weiter seine Macht entfalte und der Tod über sie herrsche? Wozu dann auch ihre Schöpfung im Anfange? Sie wären dann besser nicht entstanden, als nach ihrer Entstehung der Verwahrlosung und dem Untergang anheimgefallen. Denn solche Vernachlässigung, wie die Überantwortung seines eigenen fertiggestellten Werkes an die Zerstörung, verrät deutlicher die Schwäche, nicht die Güte Gottes, als wenn er den Menschen von Anfang an nicht erschaffen hätte. Denn wenn er ihn nicht erschuf, dachte niemand an eine Schwäche. Erschuf er ihn aber und rief er ihn ins Dasein, dann war es höchst ungereimt, wenn die Werke dem Untergang verfielen - und dies gar unter den Augen des Schöpfers. So durfte er also die Menschen nicht dem Verderben überantworten, weil das unziemlich und der Güte Gottes unwürdig gewesen wäre.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger