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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

50.

[S. 668] Der Könige und Beherrscher der Erde hat es vor ihm viele gegeben; von vielen Weisen und Magiern bei den Chaldäern, Ägyptern und Indern weiß die Geschichte zu berichten. Welcher von diesen hat nun je - ich sage nicht: nach dem Tode, sondern noch bei Lebzeiten - eine solche Macht entfaltet, daß er die ganze Erde mit seiner Lehre erfüllte und eine solche Menge vom teuflischen Götzenwahn abbrachte, wie unser Heiland von den Götzen weg zu sich bekehrte? Die heidnischen Philosophen haben vieles mit überzeugender Kraft und in kunstvoller Darstellung geschrieben. Vermochten sie einen Erfolg aufzuweisen wie das Kreuz Christi? Bis zu ihrem Lebensende fanden ihre Sophismen Glauben. Nein, noch zu ihren Lebzeiten wurde das, was ihnen sicher schien, Gegenstand wechselseitiger Kontroverse, und sie verlegten sich auf eine gegenseitige Bekämpfung. Aber ganz auffallend lehrte der Logos Gottes in einer mehr als einfachen Sprache und stellte doch damit die ersten Sophisten in Schatten, verdrängte ihre Lehren, zog alle an sich und füllte seine Kirchen. Und es ist gewiß wunderbar, daß er die Großsprecherei der Weisen über die Götzen damit zum Verstummen brachte, daß er als Mensch in den Tod ging. Wessen Tod vertrieb denn je die Dämonen? Oder wessen Tod fürchteten denn die Dämonen je so wie den Tod Christi? Wo immer der Name des Heilandes genannt wird, da weicht auch jeglicher böse Geist. Wer hat die Menschen von den Leidenschaften des Herzens so freigemacht, daß die Unkeuschen jetzt keusch leben, die Mörder nicht mehr zum Mordstahl greifen, und die männlich stark werden, die zuvor im Banne feiger Furcht standen? Und wer hat überhaupt die Barbaren- und Heidenvölker überall so weit gebracht, daß sie ihre Wildheit ablegten und friedliche Gesinnung annahmen, wenn nicht der Glaube an Christus und das Zeichen des Kreuzes? Wer anders hat die Menschen im Glauben an die Unsterblichkeit so sehr bestärkt wie das Kreuz Christi und die Auferstehung seines Leibes? Denn obschon die Heiden alle möglichen Lügen fertigbrachten, so konnten sie eine Auferstehung ihrer Götzen sich doch nicht einbilden, da sie überhaupt nicht mit der Möglichkeit [S. 669] rechneten, daß der Leib nach dem Tod noch fortbestehen könne. Und hierin möchte man ihnen am ehesten rechtgeben, insofern sie in einer solchen Schlußfolgerung die Ohnmacht ihres Götzenkultes bewiesen, dagegen Christus die Macht zugestanden, so daß alle auch daraufhin ihn als Gottes Sohn erkennen könnten.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger