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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

48.

Was wir aber hier behaupten, sind keine leeren Worte, sondern die Erfahrung selbst gibt dem das Zeugnis der Wahrheit. Komme, wer da wolle, und achte er auf den sprechenden Beweis in der Tugend der Jungfrauen Christi und der keuschheitsbeflissenen Jünglinge, anderseits in dem Glauben bei einem so großen Chor von Märtyrern. Wer das vorhin Gesagte auf seine Wahrheit prüfen will, der komme doch und mache über den Dämonenspuk, den Orakeltrug und über die Gaukeleien der Zauberkunst das Zeichen des von ihnen geschmähten Kreuzes und spreche den Namen Christi nur aus, dann wird er sehen, wie vor ihm die Dämonen fliehen, die Orakel verstummen, alle Zauberei und Beschwörung abgetan ist. Wer ist also dieser Christus und wie groß ist er, wenn er schon mit seinem Namen und seiner Gegenwart überall alles in Schatten stellt und beseitigt und allein mächtiger ist als alle und den ganzen Erdkreis mit seiner Lehre erfüllt? Sie sollen doch Rede stehen, die Heiden, die gar so sehr spotten, ohne zu erröten! Denn ist er ein Mensch, wie konnte ein Mensch die Macht aller ihrer Götter überbieten [S. 666] und deren Nichts mit seiner Kraft erweisen? Nennen sie ihn aber einen Zauberer, wie ist es möglich, daß von einem Zauberer alle Zauberei gebrochen und nicht vielmehr befestigt wird? Hätte er nur den einen und anderen menschlichen Zauberer besiegt oder nur über einen obgesiegt, dann hätten sie wohl mit Recht ihn nur den anderen dank einer größeren Geschicklichkeit überlegen gehalten. Hat aber sein Kreuz über alle Zauberei überhaupt und gar über ihren Namen den Sieg davongetragen, dann ist doch wohl offenbar der Heiland kein Zauberer, da ja auch die von anderen Zauberern angerufenen Dämonen vor ihm wie einem Herrn fliehen. Wer er nun ist, das sollen uns die Heiden sagen, die sich nur aufs Spotten verlegen. Möglich, daß sie sagen, er sei selbst auch ein Dämon gewesen und besitze deshalb solche Kraft. Doch bei solcher Ausrede werden sie für den Spott sicher nicht zu sorgen haben, und schon die obigen Beweise können sie wieder zuschanden machen. Wie kann denn der ein Dämon sein, der die Dämonen vertreibt? Hätte er einfach nur Dämonen ausgetrieben, dann hätte man ganz wohl annehmen können, daß er im obersten der Dämonen die niedrigeren seine Macht fühlen läßt, wie ja ähnlich auch die Juden ihm höhnisch vorwerfen wollten1. Wenn aber der ganze Dämonenwahn vor seinem Namen weicht und flieht, dann sind sie offenbar auch hierin im Irrtum befangen, und unser Herr und Heiland Christus ist nicht, wie sie meinen, eine dämonische Macht. Wenn also der Heiland weder ein einfacher Mensch, noch ein Zauberer, noch ein Dämon ist, wenn er vielmehr die Gebilde der Dichter, den Dämonenwahn und die Weisheit der Dichter mit seiner Gottheit überwunden und in den Schatten gestellt hat, so liegt doch wohl klar am Tage und muß von allen zugestanden werden, daß er in Wahrheit der Sohn Gottes ist als der Logos, die Weisheit und die Kraft des Vaters2. Deshalb sind auch seine Werke nicht menschlich, sondern übermenschlich. Daß sie in der Tat Gottes Werke sind, ergibt sich schon aus dem Augenschein und aus der Vergleichung mit denen der Menschen.

1: Vgl. Matth. 12, 24
2: 1 Kor. 1, 24.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger