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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

45.

So hat also der Logos Gottes folgerichtig einen Leib angenommen und sich eines menschlichen Werkzeuges bedient, um auch den Leib zu beleben und um in gleicher Weise, wie er in der Schöpfung durch die Werke sich offenbart, auch im Menschen sich zu betätigen und sich überall zu zeigen, ohne auch nur eine Stätte gegen seine Gottheit und Erkenntnis abzumessen. Ich sage hier noch einmal, woran ich schon früher erinnert habe: Der Heiland hat dies getan, um, wie er alles ringsum mit seiner Gegenwart erfüllt, so auch alles [S. 662] mit seiner Erkenntnis zu erfüllen, wie auch die göttliche Schrift sagt: "Die ganze Welt ward erfüllt mit der Erkenntnis des Herrn"1. Denn mag man zum Himmel aufschauen, man sieht dessen Ordnung; oder man mag, wenn das nicht möglich, nur auf den Menschen sein Augenmerk richten, so gewahrt man aus den Werken seine übermenschliche Macht und erkennt, daß er allein unter den Menschen der Logos Gottes ist. Oder wer sich in die Dämonenwelt verirrt hat und für sie eingenommen ist, der sieht, wie er diese verjagt, und erkennt ihn daraus als ihren Herrn. Oder wer in das Element des Wassers sich versenkt hat und dieses für Gott hält, wie die Ägypter, die das Wasser verehren, der sieht, wie dieses von ihm verwandelt wird und folgert daraus, daß der Herr sein Schöpfer ist. Ja, stiege einer gar in die Unterwelt hinab, und staunte er die Heroen, die dorthin hinabgestiegen sind, als Götter an, so sieht er auch da seine Auferstehung und seinen Sieg über den Tod und schließt daraus, daß auch unter ihnen Christus allein wahrer Herr und Gott ist. Alle Teile der Schöpfung hat ja der Herr berührt, und aller Kreatur die Erlösung und Überzeugung von allem Trug gebracht, wie Paulus sagt: "Er hat die Herrschaften und Gewalten entwaffnet und über sie triumphiert am Kreuz"2, damit niemand mehr betrogen werden könnte, vielmehr jeder überall den wahren Logos Gottes fände. Denn wenn so überall ringsumschlossen der Mensch die Gottheit des Logos überall, d. h. im Himmel, in der Unterwelt, im Menschen, auf der Erde walten sieht, so kann er sich nicht mehr über Gott täuschen, betet nur ihn an und erkennt durch ihn recht gut den Vater. Damit werden hoffentlich auch die Heiden sich von uns geschlagen wissen, und zwar mit guten Gründen. Wenn sie aber die Gründe zu ihrer Beschämung nicht hinreichend finden, so mögen sie aus dem, was vor aller Welt sich abspielt, sich vom Gesagten überzeugen lassen.

1: Is. 11, 9.
2: Kol. 2, 15.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger