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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

41.

Was aber die Heiden betrifft, so mag man sich höchlichst wundern, daß sie das verspotten, was doch gar nicht lächerlich ist, für ihre eigene Schmach aber blind sind, die sie, ohne es zu merken, in Holzstücken und Steinen bloßstellen. Da wir aber um Beweise für unsere Behauptung gar nicht verlegen sind, wohlan, so wollen wir auch diese Heiden mit guten Gründen zuschanden machen, vornehmlich mit Berufung darauf, was wir selber sehen. Was gäbe es denn bei uns Ungereimtes oder Lächerliches als äußersten Falles unsere Behauptung, der Logos sei im Leibe erschienen? Doch werden sie wohl auch selbst zugestehen, daß das nicht in widersinniger Weise vor sich gegangen ist, falls sie es wirklich mit der Wahrheit ernst nehmen. Wenn sie nun überhaupt das Dasein eines Logos Gottes leugnen, dann tun sie etwas Überflüssiges, wenn sie über das spotten, wovon sie nichts wissen. Geben sie aber einen Logos Gottes zu und bekennen sie, daß er der Lenker des Alls ist, daß in ihm der Vater die Schöpfung zustande gebracht hat, daß durch seine Vorsehung alles erleuchtet [S. 656] und belebt wird und besteht, und daß er über alles herrscht, so daß er selbst aus den Werken seiner Vorsehung erkannt wird und durch ihn der Vater, so sieh doch, bitte, ob sie nicht, ohne es zu wissen, sich selbst lächerlich machen. Die Welt erklären die griechischen Philosophen für einen großen Körper und sagen damit eine Wahrheit. Wir sehen ja, wie sie und ihre Teile in die Sinne fallen. Wenn also der Logos in der Welt wie in einem Körper ist, und wenn er in das Ganze und in all die Einzelteile eingegangen ist, wie soll es dann sonderbar oder ungereimt sein, wenn wir sagen, daß er auch in einen Menschen eingegangen ist? Denn wenn es ungereimt klingt, daß er überhaupt in einem Körper wohnt, so wäre es auch ungereimt, wenn er im Weltall Wohnung genommen hätte und alles durch seine Vorsehung erleuchtete und bewegte; denn ein Körper ist auch das Weltall. Wenn es aber angeht, daß er in die Welt kommt, und daß er im Ganzen sich zu erkennen gibt, so wird es auch angehen, wenn er auch in einem menschlichen Körper sich offenbart und dieser von ihm erleuchtet wird und seine Wirksamkeit erhält. Ein Teil des Ganzen ist ja auch das Menschengeschlecht. Und wenn es nicht angeht, daß ein Teil sein Medium für die Erkenntnis Gottes wird, dann geht es wohl erst recht nicht an, daß er durch die ganze Welt sich zu erkennen gibt.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger