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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

40.

Demnach fabeln die Juden, wenn sie den bereits eingetretenen Zeitpunkt in die Zukunft verlegen. Wann verschwand denn Prophet und Gesicht aus Israel, wenn nicht damals, als Christus, der Heilige der Heiligen, kam? Ein Zeichen und ein ganz wichtiger Beweis für die Ankunft Gottes des Logos ist doch die Tatsache, daß Jerusalem nicht mehr besteht, kein Prophet mehr erweckt, noch auch solchen ein Gesicht zuteil wird - und ganz mit Recht. Wenn ja der Angekündigte da ist, wozu dann noch solche, die ihn anzeigen? Und wenn die Wahrheit da ist, wozu dann noch der Schatten? Eben deshalb prophezeiten sie ja auch, bis der kam, der die Gerechtigkeit selber ist und die Sünden aller tilgt. Deshalb stand auch Jerusalem so lange, damit sie dort zuvor die Typen der Wahrheit studieren könnten. Als dann der Heilige der Heiligen ankam, da wurde dann mit Recht auch Gesicht und Prophetie besiegelt und nahm die Herrschaft Jerusalems ein Ende. Denn nur so lange wurden bei ihnen Könige gesalbt, bis der Heilige der Heiligen gesalbt wurde. Auch Jakob weissagt, daß das Königtum der Juden bis auf ihn bestehen bleibe, wenn er sagt: "Nicht wird der Herrscher aus Juda weichen und der Führer aus seinen Lenden, bis kommen wird, was ihm hinterlegt ist; und er ist die Erwartung der Völker"1. Daher hat auch der Heiland [S. 654] selbst laut verkündet: "Das Gesetz und die Propheten bis auf Johannes haben geweissagt"2. Wenn es nun bei den Juden jetzt noch einen König oder einen Propheten oder ein Gesicht gibt, dann leugnen sie mit Recht die Ankunft Christi. Gibt es aber keinen König, kein Gesicht mehr, ist vielmehr jetzt jegliche Prophetie besiegelt und Stadt und Tempel erobert, warum sind sie dann so gottlos und sündigen so schwer, daß sie trotz der Geschehnisse, die sie vor Augen sehen, den leugnen, der sie verwirklicht hat, Christum? Wenn sie sehen, wie sogar die Heiden ihre Götzen verlassen und durch Christus ihre Hoffnung auf den Gott Israels setzen, wie mögen sie da noch Christum leugnen, der aus der Wurzel Jesse stammt dem Fleische nach und nunmehr die Herrschaft hat? Wenn die Heidenvölker einen anderen Gott verehrten als den Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs und Mosis, dann könnten sie wenigstens wieder mit Recht mit der Ausrede kommen, Gott sei nicht gekommen. Wenn sie aber den Gott verehren, der dem Moses das Gesetz gegeben und dem Abraham die Verheißung gegeben hat, und dessen Logos die Juden schmählich verunehren, die Heiden aber verehren, warum sollen sie nicht zur Einsicht kommen, oder vielmehr warum wollen sie es geflissentlich übersehen, daß der von den Schriften geweissagte Herr den Erdkreis erleuchtet hat und ihm leiblich erschienen ist? So hat ja die Schrift gesagt: "Gott der Herr ist uns erschienen"3, und wiederum: "Er sandte seinen Logos und heilte sie"4, und abermals: "Nicht ein Bote, nicht ein Engel, sondern der Herr selbst hat sie errettet"5. Es geht ihnen aber ähnlich wie einem geistig Verrückten, der die von der Sonne beleuchtete Erde sieht, die sie erhellende Sonne aber wegstreitet. Was hätte denn auch der, den sie erwarten, nach seiner Ankunft noch mehr zu tun? Die Heidenvölker berufen? Doch sie sind schon berufen. Oder dem Propheten, dem König und dem Gesicht ein [S. 655] Ende setzen? Auch das ist schon geschehen. Oder die Gottlosigkeit des Götzenkultes bloßstellen? Sie ist aber bereits widerlegt und gerichtet. Aber den Tod ohnmächtig machen? Das ist aber bereits geschehen. Was ist also noch nicht geschehen, was Christus tun mußte? Oder was bleibt noch übrig und ist noch nicht in Erfüllung gegangen, daß die Juden sich darob erfreuen und im Unglauben verharren könnten? Denn wenn sie, wie wir sehen, weder einen König, noch einen Propheten, noch ein Jerusalem, noch ein Opfer, noch ein Gesicht haben, vielmehr der ganze Erdkreis von der Erkenntnis Gottes angefüllt ist und auch die Heiden von ihrer Gottlosigkeit weg zum Gott Abrahams sich bekehren durch den Logos, unseren Herrn Jesum Christum, so muß es selbst den Ausgeschämtesten klar sein, daß Christus bereits gekommen ist, daß er alle ohne Ausnahme mit seinem Lichte erleuchtet und die wahre und göttliche Lehre über seinen Vater gebracht hat. So kann man damit und mit noch weiteren Beweisen aus den göttlichen Schriften die Juden schlagend widerlegen.

1: Gen. 49, 10.
2: Matth. 11, 13.
3: Ps. 117, 27.
4: Ebd. 106,20
5: Is. 63, 9.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger