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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

38.

Wenn ihnen aber das nicht ausreichend scheint, so mögen sie sich mit anderen Weissagungen, die sie auch selbst wieder kennen, überzeugen lassen. Von wem sagen denn die Propheten: "Offenbar ward ich jenen, die mich nicht suchten; ich ward gefunden von jenen, die nach mir nicht fragten. Ich sprach: Siehe, hier bin ich - zu einem Volke, das meinen Namen nicht anrief; ich streckte aus meine Hände nach einem unfolgsamen, widerspenstigen Volke"1. Wer ist nun der, der sichtbar geworden ist? könnte man die Juden fragen. Ist es nämlich der Prophet, dann sollen sie sagen, wann er [S. 651] sich verborgen hat, um später zu erscheinen. Was ist aber das für ein Prophet, der aus der Verborgenheit an die Öffentlichkeit getreten ist und am Kreuze seine Arme ausgespannt hat? Gewiß keiner von den Gerechten, allein nur der Logos, der, von Natur unkörperlich, unsertwegen im Leibe erschienen ist und für alle gelitten hat. Genügt ihnen auch das nicht, so mögen sie noch durch andere Stellen beschämt werden, wenn sie sich denn so klar widerlegt sehen. Denn so sagt die Schrift: "Werdet stark, ihr ermatteten Hände und ihr geschwächten Kniee! Seid getrost, ihr Kleingläubigen; fasset Mut, fürchtet euch nicht! Seht, unser Gott vergilt das Gericht; er selbst wird kommen und uns erretten. Dann werden sich öffnen die Augen der Blinden, und die Ohren der Tauben werden hören. Dann wird springen wie ein Hirsch der Lahme, und deutlich wird werden die Zunge der Stammelnden"2. Was vermögen sie nun hierüber zu sagen, oder wie mögen sie überhaupt demgegenüber ihr Auge erheben? Denn die Prophetie kündigt das Kommen Gottes an; die Zeichen geben aber auch die Zeit seiner Ankunft an. Denn das Sehen der Blinden, das Gehen der Lahmen, das Hören der Tauben, das Lösen der Zunge bei den Stammelnden, das sagen sie für die Zeit der göttlichen Ankunft vorher. Wann nun sind solche Zeichen in Israel geschehen? Oder wo ist so etwas in Judäa geschehen? Sie sollen doch antworten! Ein Aussätziger Naaman wurde gereinigt; doch kein Tauber erhielt das Gehör noch konnte ein Lahmer gehen. Einen Toten erweckten Elias und Elisäus; aber nicht erlangte ein Blindgeborener das Gesicht. Freilich ist es auch um eine Totenerweckung etwas wahrhaft Großes; aber es ist eben doch nicht ein solches Wunder, wie es vom Heiland erwartet wurde. Denn wenn die Schrift den Vorgang vom Aussätzigen und dem toten Sohn der Witwe nicht verschwiegen hat, dann hätte sie auch einen wirklichen Vorfall einer Lahmen- oder Blindenheilung sicher nicht übergangen. Da aber die Schriften sich hierüber ausschweigen, so ist offenbar etwas Derartiges früher nicht vorgekommen. Wann wäre nun das vorgekommen, wenn nicht damals, als der Logos Gottes selbst im Leibe erschienen ist? Wann aber ist er erschienen, wenn nicht damals, als die Lahmen umhergingen, die Stammelnden verständlich redeten, die Tauben hörten und die Blindgeborenen sahen? Eben darum sprachen damals auch die Juden, die Dinge mitansahen, wovon sie zuvor nie gehört hatten: "Solange die Welt steht, hat man noch nie gehört, daß einer einem Blindgeborenen die Augen geöffnet hat. Wenn also dieser nicht von Gott wäre, könnte er solche Dinge nicht tun"3.

1: Is. 65, 1-2.
2: Is. 35, 3-6.
3: Joh. 9, 32-33.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger