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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

37.

[S. 649] Wo liest man in der Schrift von einem bezeugt, daß er an Händen und Füßen durchbohrt worden, oder daß er überhaupt am Holze gehangen und am Kreuze zum Heile aller verstorben sei? Abraham starb an Naturnachlaß im Bette; auch Isaak und Jakob streckten ihre Füße und verschieden im Bette. Moses und Aaron starben auf dem Berge, David zu Hause, ohne einem Anschlag der Völker zum Opfer gefallen zu sein. Denn obschon Saul ihm nach dem Leben trachtete, entrann er doch mit heiler Haut. Isaias ward zwar zersägt, aber er hing nicht am Holze; Jeremias wurde mit Schmach überhäuft, starb aber nicht auf einen Richterspruch hin. Ezechiel mußte leiden, aber nicht für das Volk, sondern weil er ungünstige Prophezeiungen über das Volk machte. Sodann waren alle diese Leidensheroen Menschen wie alle anderen - vermöge ihrer gleichen Natur. Der aber in den Schriften als Dulder für alle gemeint ist, wird nicht einfach Mensch, sondern Leben aller genannt, auch wenn er der Natur nach den Menschen ähnlich war. "Denn ihr werdet", heißt es, "euer Leben vor euren Augen hängen sehen"1, und: "Wer wird seinen Stammbaum verfolgen?"2 Bei allen Heiligen kann man nämlich den Stammbaum erfahren und ihn zurück bis zum Ursprung verfolgen. Bei dem aber, der das Leben ist, läßt sich laut den göttlichen Aussprüchen der Stammbaum nicht angeben. Wer ist es nun, von dem die göttlichen Schriften solches berichten? Oder wer ist so erhaben, daß auch die Propheten über ihn so Großes vorhersagen? Ja fürwahr, kein anderer läßt sich ausfindig machen in den Schriften als der gemeinsame Heiland aller, Gott der Logos, unser Herr Jesus Christus. Er ist es ja, der aus einer Jungfrau hervorgegangen und als Mensch auf Erden erschienen ist, und dessen fleischliche Geburt sich nicht verfolgen läßt. Niemand kann nämlich seinen leiblichen Vater nennen, da sein Leib nicht von einem Mann, sondern nur von einer Jungfrau stammt. So also, wie man ein Stammregister von David, Moses und all den [S. 650] Patriarchen aufstellen kann, läßt sich die fleischliche Abstammung des Heilands aus einem Mann nicht verfolgen. Er ist es auch, der die Geburt seines Leibes durch einen Stern anzeigen ließ. Es mußte doch der Logos, der vom Himmel herabkam, auch vom Himmel her ein Zeichen geben; es mußte der König in dem Augenblick, da er hervortrat, von der ganzen Schöpfung deutlich erkannt werden. Gewiß ward er in Judäa geboren, und aus Persien kamen sie, um ihn anzubeten. Er ist es, der auch schon vor seiner Erscheinung im Leibe den Sieg über seine Widersacher, die Dämonen, errang und über den Götzendienst triumphierte. So schwören denn auch überall alle Völker der Vätersitte und der Gottlosigkeit des Götzendienstes ab und setzen nunmehr ihre Hoffnung auf Christus und verschreiben sich ihm, wie man solches mit eigenen Augen sehen kann. Denn erst damals hat die Gottlosigkeit der Ägypter ein Ende genommen, als der Herr aller Dinge wie auf einer Wolke schwebend im Leibe dorthin kam, den Götzenwahn aufhob und alle zu sich und durch sich zum Vater bekehrte. Er ist es, der gekreuzigt worden im Angesichte der Sonne, der Schöpfung und derer, die an ihm das Todesurteil vollstreckten. Und durch seinen Tod ist für alle das Heil gekommen und ist die ganze Natur erlöst worden. Er ist das Leben aller, der wie ein Schaf zum Heile aller seinen Leib als Entgelt dem Tode überantwortete, mögen auch die Juden es nicht glauben.

1: Deut. 28, 66.
2: Is. 53, 8.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger