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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

32.

Wenn aber seine Auferstehung deshalb keinen Glauben findet, weil man ihn nicht sieht, dann müssen die Ungläubigen auch natürliche Vorgänge leugnen. Denn, wie bereits weiter oben gesagt worden, gehört es zum Wesen Gottes, nicht gesehen, wohl aber aus den Werken erkannt zu werden. Wenn nun keine Werke vorliegen, so versagen sie mit gutem Grund dem den Glauben, der sich nicht kundgibt. Wenn aber die Werke laut ihre Stimme erheben und klares Zeugnis geben, warum leugnen sie denn geflissentlich das so offenkundige Leben der Auferstehung? Wenn sie ja auch geistig verblendet sind, so könnten sie doch mit ihren äußeren Sinnen die unbestreitbare Macht und Gottheit Christi sehen. Denn auch ein Blinder, der zwar die Sonne nicht sieht, doch die von ihr ausgehende Wärme spürt, weiß, daß eine Sonne über der Erde strahlt. So sollen auch die Widerspruchsgeister, auch wenn sie, augenblicklich blind für die Wahrheit, noch im Unglauben verharren, doch wenigstens angesichts des Starkmuts der anderen, die gläubig sind, die Gottheit Christi und die von ihm [S. 643] verwirklichte Auferstehung nicht bestreiten. Es ist doch ganz klar, daß ein toter Christus die Dämonen nicht verjagte und den Götzen keine Beute abnähme; einem Toten hätten die bösen Geister nicht gehorcht. Wenn sie aber augenscheinlich schon beim Aussprechen seines Namens die Flucht ergreifen, dann ist er doch wohl offenbar nicht tot, zumal ja die bösen Geister, die auch das den Menschen Verborgene schauen, in der Lage waren, sich zu überzeugen, ob Christus tot, und ihm dann überhaupt den Gehorsam zu verweigern. Nun aber sehen die bösen Geister das, was die Gottlosen nicht glauben, daß er nämlich Gott ist, und darum fliehen sie, fallen vor ihm nieder und bezeugen, was sie schon bekannten, als er noch im Leibe war: "Wir wissen, wer Du bist; Du bist der Heilige Gottes"1, und: "Laß doch, was haben wir mit Dir zu schaffen, Sohn Gottes? Ich bitte Dich, quäle mich nicht!"2. Wenn also die bösen Geister solches Bekenntnis und tagtäglich die Werke ihr Zeugnis ablegen, so ist doch wohl offenbar - und niemand wage doch, der Wahrheit keck zu trotzen -, daß der Heiland seinen eigenen Leib auferweckt hat, und daß er der wahrhaftige Sohn Gottes ist, aus dem er als des Vaters eigener Logos, Weisheit und Kraft3, stammt, der später in der Zeit zum Heil der Welt einen Leib annahm und dem Erdkreis Aufschluß gab über den Vater, den Tod vernichtete und alle mit der Unverweslichkeit begnadigte mit der Verheißung der Auferstehung, als deren Erstlingsfrucht er seinen eigenen Leib erweckte und im Zeichen des Kreuzes das Siegeszeichen über den Tod und dessen Verwesung aufpflanzte.

1: 1 Luk. 4, 34.
2: Mark. 5, 7.
3: 1 Kor. 1,24.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger