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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

30.

Daß also dem Tod seine Macht genommen und das Kreuz des Herrn das Zeichen des Sieges über ihn ist, dafür ist das oben Gesagte ein nicht geringer Beweis. Daß aber die nunmehrige unsterbliche Auferstehung des Leibes von Christus, dem gemeinsamen Weltheiland und [S. 640] Leben, bewirkt worden, dafür spricht denen, die noch einen offenen, ungetrübten Blick haben, der Augenschein deutlicher, als es Worte vermögen. Denn wenn der Tod, wie die Erörterung gezeigt hat, vernichtet ist, und um Christi willen ihn alle mit Füßen treten, so hat doch noch weit eher zuerst er selbst ihn mit seinem Leibe niedergetreten und ihm die Macht genommen. Wenn aber der Tod von ihm getötet war, was anders hätte dann geschehen sollen, als daß der Leib auferstand und als Zeichen des Sieges über ihn sich offenbarte? Oder wie wäre die Vernichtung des Todes offenbar geworden, wenn nicht der Leib des Herrn auferstanden wäre? Wenn aber einem dieser Beweis für seine Auferstehung nicht hinreichend scheint, so glaube er dem Gesagten wenigstens auf den Augenschein hin. Denn wenn ein Verstorbener nichts mehr wirken kann, vielmehr die Gunst ihn nur bis ans Grab geleitet und dann aufhört - denn nur den Lebenden sind Handlungen eigen und ein Bestimmungsvermögen auf die Menschen, - dann soll der nächste Beste zusehen und auf den Augenschein hin urteilen und dann die Wahrheit bekennen. Wenn nämlich der Heiland unter den Menschen so Großes vollbringt und tagtäglich von allen Seiten, im Lande der Griechen wie der Barbaren, eine solche Menge unbemerkt für seinen Glauben gewinnt und alle seiner Lehre gefügig macht, kann man da noch zweifeln in seinem Herzen, ob die Auferstehung des Heilandes wirklich erfolgt sei und ob Christus lebe oder vielmehr das Leben selbst sei? Könnte etwa ein Toter die Herzen der Menschen erschüttern, daß sie den Satzungen ihrer Väter abschwören und dafür der Lehre Christi huldigen? Oder wie, wenn er selbst untätig ist - das ist ja beim Toten der Fall, - könnte er der Wirksamkeit der Tätigen und Lebenden wehren, so daß der Ehebrecher die Ehe nicht mehr bricht, der Mörder nicht mehr mordet, der Ungerechte nicht mehr der Habsucht frönt, der Gottlose fortan gottesfürchtig ist? Wie kann er auch, wenn er nicht auferstand, sondern noch tot ist, die falschen Götter, die von den Ungläubigen für lebend ausgegeben werden, und die bösen Geister, die sie verehren, austreiben, verfolgen und vernichten? Denn wo [S. 641] Christus und der Glaube an ihn bekannt wird, da schwindet aller Götzendienst, aller Trug der bösen Geister kommt ans Licht, ja kein Dämon verträgt seinen Namen, sondern flieht in alle Weite, wenn er diesen nur hört. Das ist aber nicht das Werk eines Toten, sondern eines Lebenden und vorab Gottes. Übrigens wäre es lächerlich, von den Dämonen, die von ihm verfolgt, und den Götzen, die von ihm vernichtet wurden, zu behaupten, sie hätten ein Leben, von dem aber, der sie vertrieb und in seiner Macht sie auf Nimmerwiederkehr verstieß, ja der sogar von diesen selbst als Sohn Gottes bekannt wurde, zu sagen, er sei tot.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger