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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

28.

Ist das etwa ein geringfügiger Beleg für die Ohnmacht des Todes? Oder ist es ein schwacher Beweis für den Sieg des Heilandes über ihn, wenn die christlichen Knaben und Mädchen das Leben hienieden nicht achten und zum Sterben sich rüsten? Von Natur aus fürchtet ja der Mensch den Tod und die Auflösung des Leibes. Daher ist es sogar auffallend, daß der, welcher den Glauben an das Kreuz angenommen hat, um Christi willen die Natur nicht achtet und den Tod nicht scheut. Wenn z. B. jemand bei der Tatsache, daß zum Wesen des Feuers die Brennkraft gehört, sagte, es gebe etwas, was seine Flamme nicht fürchte, sondern eher deren Unvermögen beweise, wie man dies z. B. vom indischen Amiant1 behauptet, und daraufhin dann ein Ungläubiger die Probe mit der Sache machen wollte, den unverbrennlichen Stoff anzöge und ihn dem Feuer nahebrächte, so gewänne er daraufhin sicher die Überzeugung von der Ohnmacht des Feuers. Oder wenn einer [S. 638] den gefesselten Tyrannen sehen wollte, dann begäbe er sich ins Land und Reich des Siegers, und sähe nun den für andere so Furchtbaren in seiner Ohnmacht. Geradeso mag der, der auch nach so vielen Ereignissen und auf so viele christliche Martyrien hin und trotz tagtäglich sich wiederholender Geringschätzung des Todes von seiten der glorreichen Streiter in Christus, gleichwohl noch ungläubig ist und Zweifel hegt in seinem Herzen, ob der Tod wirklich beseitigt und am Ende angekommen sei, ja, so mag er ganz wohl staunen ob solch großen Geschehnisses. Doch möge er nicht im Unglauben sich verhärten und gegen so einleuchtende Wahrheiten nicht unverschämt sein! Wie vielmehr der, welcher mit dem Amiant den Versuch gemacht hat, erkennt, daß das Feuer ihm gegenüber keine Brennkraft besitzt, und der, welcher den Tyrannen in Fesseln sehen will, in das Reich des Siegers sich begibt, so soll auch der, welcher den Sieg über den Tod bezweifelt, den Glauben an Christus annehmen und in seinen Unterricht übergehen; dann wird er die Ohnmacht des Todes und den Sieg über ihn zu schauen bekommen. Denn viele, die zuvor ungläubig waren und spotteten, haben später, gläubig geworden, den Tod so wenig geachtet, daß sie sogar Märtyrer für Christus wurden.

1: Amiant ist ein dem Aktinolith gleich zusammengesetzter Hornblendeasbest und kommt besonders in Hornblendegesteinen, in Kalk- und Chloritschiefer vor. Die sehr biegsamen Aggregate haben schon die Alten zu allerlei Geweben verarbeitet, die dem Feuer widerstanden (Pauly, Realencyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft I, 1830).

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger