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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

27.

Daß der Tod überwunden und der Sieg über ihn im Kreuze vollendet, und daß er nun keine Gewalt mehr hat, sondern wirklich tot ist, dafür ist kein unwesentlicher Beweis und sichere Bürgschaft die Tatsache, daß er von allen Jüngern Christi verachtet wird, alle ihm trotzen und sich nicht mehr vor ihm fürchten, sondern im Zeichen des Kreuzes und im Glauben an Christus ihn wie einen Toten zu Boden treten. Dereinst vor der göttlichen Ankunft des Heilandes war der Tod selbst für die Heiligen etwas Schreckliches, und alle beweinten die Sterbenden als der Vernichtung verfallen. Seitdem aber der Heiland seinen Leib von den Toten auferweckt hat, ist der Tod nicht mehr schrecklich; vielmehr treten ihn alle, die an Christus glauben, mit Füßen, wie wenn er nichts bedeutete, und wollen lieber sterben als den Glauben an Christus verleugnen. Denn sie sind sich sicher, daß sie sterbend nicht untergehen, sondern fortleben und durch die Auferstehung unverweslich werden. Jener Teufel aber, der vormals böswillig mit dem Tode dräute, ist nach Beseitigung der Todeswehen allein wirklich tot geblieben. Beweisend hierfür ist, daß die Menschen, ehe sie an Christus glauben, den Tod als schrecklich ansehen und ihn fürchten. Sobald sie aber zum Glauben an ihn und seine Lehre übergetreten sind, machen sie sich so wenig aus dem Tode, daß sie sogar hochgemut ihm entgegengehen und Zeugen der Auferstehung werden, die der Heiland im Kampfe gegen ihn errungen hat. Ja selbst solche, die im zarten Kindesalter stehen, eilen in den Tod, und nicht nur Männer, sondern auch Frauen üben sich im [S. 637] Kampf gegen ihn. So ohnmächtig ist er geworden, daß selbst das von ihm zuvor getäuschte Frauengeschlecht seiner wie eines Toten und Verblichenen spottet. Denn wie nach einem Sieg des rechtmäßigen Königs über einen Tyrannen und nach dessen Fesselung an Händen und Füßen nunmehr alle, die vorübergehen, ihn verhöhnen, schlagen und an ihm herumzerren, da sie ja seine Wut und Grausamkeit nach dem Siege des Königs nicht mehr zu fürchten haben, so treten auch nach Überwindung des Todes, seiner Bloßstellung im Kreuze des Heilandes und seiner Fesselung an Händen und Füßen auf ihn alle, die in Christus vorübergehen, und sie spotten zum Zeugnis für Christus des Todes und höhnen ihn mit den oben zitierten Worten der Schrift: "Tod, wo ist dein Sieg? Hölle, wo ist dein Stachel?"1

1: 1 Kor. 15, 55.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger