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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

25.

Soviel den Außenstehenden, die auf solche Spitzfindigkeiten ausgehen. Wenn aber jemand aus unserer Mitte nicht aus Streitsucht, sondern aus Wißbegier darüber nachforscht, warum er nicht anders als am Kreuze starb, so lasse auch er sich sagen, daß es nur so für uns ersprießlich war, und daß der Herr dieses Sterben unsertwegen aus gutem Grunde auf sich nahm. Denn wenn er gekommen ist, den über uns ergangenen Fluch zu tragen, wie anders wäre die Verfluchung Wirklichkeit geworden als eben dadurch, daß er den im Fluche verhängten Tod auf sich nahm? Dieser aber ist das Kreuz, So steht auch geschrieben: "Verflucht, wer an dem Holze hängt!"1 Ferner, wenn der Tod des Herrn der Lösepreis für alle ist, und durch seinen Tod die trennende Scheidewand niedergerissen wird und die Berufung der Heidenvölker erfolgt, wie hätte er uns denn berufen, wenn er nicht gekreuzigt worden wäre? [S. 634] Denn nur am Kreuze stirbt man mit ausgespannten Armen. Daher mußte der Herr gerade diesen Tod erdulden und die Arme ausspannen, um mit dem einen das alte Volk, mit dem anderen die Berufenen aus der Heidenwelt an sich zu ziehen und beide Teile in sich zu verbinden. Das hat er ja auch selbst gesagt, da er andeutete, durch welchen Tod alle erlöst werden sollten: "Wenn ich erhöhet sein werde", sagt er, "werde ich alle an mich ziehen"2. Wenn sodann der Feind unseres Geschlechtes, der Teufel, aus dem Himmel verstoßen, in dieser unteren Luft umherirrt und hier seinen gleich ihm ungehorsamen Genossen gebietet, mit Blendwerken auf die Phantasie (der Menschen) einwirkt und die aufwärts Strebenden zurückzuhalten sucht - hierüber bemerkt ja auch der Apostel: "Unter dem Einfluß des Fürsten, der Macht hat in dieser Luft, des Geistes, der jetzt wirkt in den Söhnen des Ungehorsams"3, - wenn sodann der Herr gekommen ist, den Teufel zu stürzen, die Luft zu reinigen und uns den Weg zum Himmel zu bahnen, wie der Apostel gesagt hat, "durch den Vorhang, d.i. sein Fleisch"4, und wenn dies durch den Tod geschehen mußte, durch welch anderen Tod wäre das geschehen als durch den in der Luft, durch den am Kreuze? Denn nur dann stirbt einer in der Luft, wenn er sein Leben am Kreuze beschließt. Darum hat auch mit Recht der Herr diesen Tod erduldet. Doch so erhöht, reinigte er die Luft von der Nachstellung des Teufels und jedem Anschlag der bösen Geister, wie er selber sagt: "Ich sah Satan wie einen Blitz niederfallen"5. Und er eröffnete uns wieder den Weg zum Himmel, wie er wieder sagt: "Erhebet eure Tore, ihr Fürsten, erhebet euch, ihr ewigen Tore!"6 Der Logos selber hatte nicht nötig, daß ihm die Tore geöffnet wurden, da er der Herr aller Dinge ist; auch gibt es kein geschaffenes Ding, das dem Schöpfer verschlossen wäre. Wohl aber bedurften wir solcher Öffnung, die er mit seinem eigenen Leibe [S. 635] emportrug. Wie er nämlich diesen für alle dem Tode überantwortete, so bahnte er wieder durch ihn uns den Weg zum Himmel.

1: Gal. 3, 13.
2: Joh. 12, 82.
3: Eph. 2, 2.
4: Hebr. 10, 20
5: Luk. 10, 18.
6: Ps 23,7..

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger