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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

22.

Aber er hätte doch, könnte man einwenden, dem Anschlag der Juden entgehen sollen, um so seinen Leib überhaupt unsterblich zu erhalten. Doch ein solcher lasse sich sagen, daß auch das dem Herrn nicht angestanden hätte. Wie es sich für den Logos Gottes, der das Leben ist, nicht geziemt hätte, von sich aus seinen Leib dem Tode zu überantworten, so hätte es sich auch nicht gepaßt, dem von anderen ihm bereiteten zu entfliehen, sondern eher ihn zu verfolgen bis zu seiner Vernichtung. Deshalb hat er mit Recht weder selbst den Leib abgelegt noch anderseits die verfolgungssüchtigen Juden geflohen. Solches Vorgehen verriet aber nicht Schwäche des Logos, offenbarte ihn vielmehr als Heiland und Leben, weil er einerseits den Tod abwartete, um ihn zu vernichten, anderseits es ihn drängte, zur Erlösung aller sein Todeslos zu besiegeln. Und zudem kam der Heiland nicht, um seinen Tod, sondern den der Menschen zu besiegeln. Deshalb entäußerte er sich seines Leibes nicht in einem höchsteigenen Tod - als das Leben kannte er ja keinen solchen -, sondern er nahm den Tod von den Menschen herüber, um eben diesen, mit seinem Leibe in Berührung gebracht, endgültig zu beseitigen. Sodann mag auch folgendes ein solches Ende des Herrenleibes recht gut erklären. Es war dem Herrn in erster Linie um die Auferstehung des Leibes zu tun, die er bewerkstelligen wollte. Denn eben das war das Zeichen des Triumphes über den Tod, diese (Auferstehung) allen vor Augen zu stellen und allen die [S. 631] sichere Überzeugung zu verschaffen von dem durch ihn eingetretenen Ende der Verwesung und einer nunmehrigen Unverweslichkeit der Leiber, für die er gewissermaßen zum allgemein gültigen Unterpfand und Wahrzeichen einer allen beschiedenen Auferstehung seinen eigenen Leib unverweslich bewahrt hat. Wäre aber der Leib krank geworden, und hätte der Logos vor aller Augen sich wieder von ihm getrennt, so wäre es unschicklich gewesen, daß der, der die Krankheiten anderer heilte, sein eigenes Organ in Krankheit hätte verkümmern lassen. Denn wie hätte man ihm die Macht, die Schwächen anderer zu heilen, zugetraut, wenn sein eigener Tempel an ihm gebrechlich gewesen wäre? Entweder hätte man ihn verspottet, weil er nicht imstande, der Krankheit zu wehren, oder man hätte ihn, wenn er es trotz der Macht dazu nicht getan hätte, ihn für lieblos1 auch gegen die anderen gehalten.

1: Weil unbarmherzig wider sich selbst.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger