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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

20.

So haben wir denn im Vorausgehenden den Grund für seine Erscheinung im Leibe, so gut es möglich war, (wenigstens) teilweise und nach unserem geistigen Vermögen angegeben. Danach kam es keinem anderen zu, das Verwesliche in die Unverweslichkeit umzuwandeln, als nur dem Heiland selbst, der auch im Anfang alles aus nichts erschaffen hat. Kein anderer sollte die Menschen nach dem Ebenbilde wieder erneuern als das Ebenbild des Vaters, und kein anderer das Sterbliche unsterblich machen als unser Herr Jesus Christus, der das Leben selbst ist; kein anderer sollte über den Vater Aufschluß bringen und den Götzenkult beseitigen als nur der Logos, der alles regiert und allein der wahre eingeborene Sohn des Vaters ist. Weil aber die Schuld aller getilgt werden mußte - es mußten ja, wie bereits gesagt, alle sterben, weshalb er ja auch in erster Linie herabgekommen ist -, deshalb brachte er nach dem faktischen Beweis seiner Gottheit alsbald auch für alle das Opfer dar, indem er für alle seinen Tempel dem Tode preisgab, um alle für die alte Übertretung unverantwortlich und von ihr freizumachen, und um sich als den Herrn auch über den Tod zu erweisen, indem er seinen eigenen Leib in Unverweslichkeit als Erstlingsfrucht der Auferstehung aller aufwies. Wundere dich doch nicht, wenn wir so oft über denselben Gegenstand dasselbe sagen! Denn da wir von der Huld Gottes reden, deshalb erklären wir denselben Gedanken weitläufiger, daß es nicht etwa scheint, als übergingen wir etwas, oder daß uns nicht der Vorwurf trifft, als hätten wir die Sache nur notdürftig behandelt. Denn besser ist es, sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, daß man sich [S. 628] wiederhole, als den, daß man etwas Notwendiges zu schreiben unterlassen habe.

So mußte also der Leib, der auch mit allen anderen das Wesen gemeinsam hatte - denn ein menschlicher Leib war es -, wie die anderen sterben, weil eben doch auch er sterblich war trotz seiner unerhört wunderbaren Bildung aus einer bloßen Jungfrau. Aber weil der Logos in ihm sich niederließ, verfiel er nicht mehr folgend dem Gesetz seiner Natur der Verwesung, sondern blieb dank dem einwohnenden Logos Gottes vor ihr bewahrt. So geschah ganz auffallend bei einem und demselben Geschehnis etwas Doppeltes: Der über alle verhängte Tod übte sein Recht am Leibe des Herrn, und Tod und Verwesung wurden wegen des einwohnenden Logos aufgehoben. Der Tod mußte eintreten, und zwar im Interesse aller, um die allgemeine Schuld zu zahlen. Deshalb nahm, wie bereits gesagt, der Logos, der an sich nicht sterben konnte - er war ja unsterblich -, einen Leib an, der sterben konnte, um ihn als eigenen für alle zu opfern und durch sein mit dem Eintritt in den Leib bedingtes Leiden für alle "dem die Macht zu nehmen, der die Herrschaft über den Tod hatte, d.h. dem Teufel, und die zu erlösen, die im Banne der Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in der Knechtschaft standen"1.

1: Hebr. 2, 14.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger