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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

18.

Wenn also die Gottesgelehrten, die hiervon handeln, behaupten, daß er aß, trank, geboren ward, so wisse, daß zwar der Leib als Leib geboren und mit den entsprechenden Speisen genährt wurde, daß aber Gott der Logos selbst, der mit dem Leibe zusammen war, dadurch, daß er alles anordnete und durch die Werke, die er im Leibe vollbrachte, sich nicht als Mensch, sondern als Gott-Logos offenbarte. Wohl sagt man diese Zuständlichkeit von ihm aus, weil eben auch der Leib, der aß, geboren ward und litt, nicht einem anderen, sondern [S. 625] dem Herrn gehörte, und weil man nach seiner Menschwerdung dieses von ihm wie von einem Menschen mit Fug und Recht sagte, damit er in Wirklichkeit und nicht in der Einbildung mit einem Leibe erscheine1. Doch wie man hieraus auf seine leibliche Gegenwart schloß, so gab er sich durch die Werke, die er durch seinen Leib vollbrachte, als Gottes Sohn zu erkennen. Deshalb rief er auch den ungläubigen Juden die Worte zu: "Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht! Tue ich sie aber, so glaubt, wenn ihr mir auch nicht glauben wollt, meinen Werken, damit ihr erkennet und wisset, daß der Vater in mir ist und ich in dem Vater"2. Denn wie er, an sich unsichtbar, aus den Werken der Schöpfung erkannt wird, so sollte, nachdem er Mensch geworden und in einem Leibe verborgen ist, aus den Werken erkannt werden, daß es nicht ein Mensch, sondern Gottes Kraft und Logos ist, der dies vollbringt. Denn wenn er Teufeln gebietet und sie austreibt, so ist das kein menschliches, sondern ein göttliches Werk. Und wenn man ihn Krankheiten heilen sieht, an denen das Menschengeschlecht leidet, wer möchte ihn da noch für einen Menschen und nicht für Gott halten? Denn er heilte Aussätzige, machte Lahme gehen, öffnete Tauben das Gehör, machte Blinde sehen und verscheuchte einfach alle Krankheiten und Gebrechen von den Menschen, woraus ein jeder seine Gottheit erkennen konnte. Wer würde denn angesichts der Tatsache, daß er die Mängel der Geburt ersetzt und die Augen eines Blindgeborenen öffnet, nicht auf den Gedanken kommen, daß die Geburt der Menschen seiner Macht untersteht und daß er ihr Begründer und Schöpfer ist? Wer nämlich etwas verleiht, was der Mensch von Geburt auf nicht besaß, der muß doch offenbar auch über die Geburt der Menschen Herr sein. Deshalb bildete er sich auch, wie er im Anfang zu uns herabkam, seinen Leib aus einer Jungfrau, um allen einen nicht unwesentlichen Beweis seiner Gottheit zu geben, insofern der, welcher diesen geschaffen, auch der Schöpfer der [S. 626] übrigen (Leiber) ist. Wer müßte denn angesichts der Tatsache, daß ein Leib ohne Beteiligung eines Mannes aus einer Jungfrau allein hervorgeht, sich nicht sagen, daß der, welcher in diesem Leibe erscheint, auch Schöpfer und Herr der übrigen Leiber ist? Oder wenn einer auch die Substanz des Wassers verändert und in Wein verwandelt sieht, sollte der nicht einsehen, daß der, welcher das zuwege brachte, der Herr und Schöpfer der Substanz aller Wasser ist? Deshalb betrat er auch wie ein Herr das Meer und wandelte darauf wie auf festem Lande und gab damit den Augenzeugen einen Beweis seiner Herrschaft über alles. Wenn er dann mit Wenigem eine so große Menge speiste, und wenn er aus dem Mangel Überfluß schuf, so daß mit fünf Broten Fünftausend gesättigt wurden und noch so viel übrig blieb, so offenbarte er sich damit doch als nichts anderes denn als den Herrn, der für alles sorgt.

1: Wie die Doketen behaupteten.
2: Joh. 10, 87.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger