Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

17.

Er war ja nicht im Körper eingeschlossen und war auch nicht nur in einem Leibe und nirgends anderswo. Auch gab er ihm nicht die Bewegung, indes das All seiner Wirksamkeit und Fürsorge entraten mußte, sondern als Logos war er - ganz auffallend - von keinem Ding eingeschlossen, schloß vielmehr alles in sich ein. Und wie er sich in der ganzen Schöpfung befindet, außerhalb des Alls mit seiner Wesenheit, in allem aber vermöge seiner Wirksamkeit, alles anordnend, alles in allem mit seiner Fürsorge durchwaltend, das Einzelne wie das Ganze zugleich belebend, alles umschließend, ohne selbst umschlossen zu werden, nur in seinem Vater voll und ganz ruhend, so belebte er, auch im menschlichen Leibe weilend und ihn selbst belebend, natürlich auch alles. Und so war er in allem und doch außerhalb des Alls. Und wie er an den mit dem Körper vollbrachten Werken erkennbar war, so offenbarte er sich auch in seiner Tätigkeit im Weltall.

Es liegt nun zwar auch im Wirkungskreise der Seele, auch das außerhalb des Leibes Liegende zu betrachten und zu überdenken, aber nicht auch außerhalb des eigenen Leibes eine Wirksamkeit zu entfalten oder das, was ihm fernliegt, durch ihre Gegenwart in Schwingung zu setzen. Nie vermag ein Mensch den fernabliegenden Gegenstand seines Denkens nun schon auch zu [S. 624] bewegen und zu versetzen. Wenn jemand in seinem Hause sitzt und über die Himmelserscheinungen sich seine Gedanken macht, so bewegt er damit nicht auch schon die Sonne und dreht er nicht auch schon den Himmel. Vielmehr sieht er bloß die Bewegungen und Vorgänge, vermag aber nicht auf sie einzuwirken. Nicht so also war der Logos im Menschen. Denn er war nicht an den Leib gefesselt, sondern er war Meister über ihn, so daß er sowohl in diesem als auch in allen anderen war und sogar außerhalb der Dinge und im Vater allein ruhte. Und das Wunderbare daran war das, daß er wie ein Mensch lebte und als Logos alles belebte und als Sohn mit dem Vater war. Deshalb litt er auch nicht unter der Geburt der Jungfrau und wurde nicht befleckt, da er im Leibe war, vielmehr heiligte er den Leib. Auch nimmt er nicht an allem Anteil, obschon er in allem ist; vielmehr wird alles von ihm belebt und ernährt. Denn wenn schon die Sonne, die von ihm erschaffen ist und von uns gesehen wird, bei ihrem Kreislauf am Himmel durch ihre Berührung mit irdischen Körpern nicht beschmutzt wird und durch die Finsternis nicht unsichtbar wird, vielmehr selbst die Körper beleuchtet und reinigt, so wurde noch weit weniger der allheilige Logos Gottes, der Schöpfer und Herr der Sonne, durch seine Offenbarungen im Leibe befleckt. Nein, weil selbst unverweslich, belebte und reinigte er vielmehr den sterblichen Leib. "Denn der keine Sünde beging", heißt es, "und in dessen Mund keine Arglist gefunden ward"1.

1: 1 Petr. 2, 22.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . 23.
. . 24.
. . 25.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger