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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

15.

Wie nämlich ein guter Lehrer, dem etwas an seinen Schülern liegt, für die, die dem höheren Lehrgang nicht mit Nutzen folgen können, sicher zu einem leichter faßlichen sich herabläßt und sie so unterrichtet, so hält es auch der Logos Gottes, wie auch Paulus sagt: ,,Weil die Welt mit ihrer Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, hat es Gott gefallen, durch die Torheit der Predigt diejenigen selig zu machen, welche glauben"1. Da sich nämlich die Menschen von der Betrachtung Gottes abgekehrt hatten und, wie im Abgrund versunken, ihre Augen abwärts kehrten und Gott in der Natur und den sinnlichen Dingen aufsuchten und (schließlich) sterbliche Menschen und Dämonen als Götter sich vorstellten2, deshalb nimmt der menschenfreundliche und allen gemeinsame Erlöser, der Logos Gottes, einen Leib an und verkehrt wie ein Mensch unter Menschen, nimmt die Empfindungen aller Menschen an, damit die, die Gott in körperlichen Gestalten wähnen, aus den Werken, die der Herr durch die Werke des Leibes vollbringt, die Wahrheit einsehen und durch ihn den Vater erkennen möchten. Denn da sie als Menschen auch nur an Menschliches dachten, so sahen sie sich von all dem angezogen, worauf ihre Sinne fielen, und von allen Seiten über die Wahrheit belehrt. Mochten sie die Schöpfung anstaunen, sie sahen in ihr ein Bekenntnis an Christus den Herrn. Mochten ihre Gedanken für Menschen eingenommen sein, so daß sie diese gar für Götter hielten, so erwies sich aus den Werken des Heilandes, verglichen mit denen jener, nur einer [S. 622] unter den Menschen als Sohn Gottes, der Heiland, da ja jene nichts Ähnliches aufzuweisen haben, was seitens des Logos Gottes geschehen ist. Waren sie aber den Dämonen zugetan, so mußten sie doch, wenn sie diese vor dem Herrn fliehen sahen, zur Erkenntnis kommen, daß dieser allein der Logos Gottes ist, und nicht auch die Dämonen Götter sind. Stand aber gar ihr Geist im Banne des Totenkultes, so daß sie die Heroen und die bei den Dichtern vorkommenden Götter verehrten, so mußten sie angesichts der Auferstehung des Heilandes zugeben, daß jene Truggestalten sind und der wahre Herr allein der Logos des Vaters ist, da er auch der Herr ist über den Tod. Darum ward er auch geboren, erschien als Mensch, starb, stand wieder auf, und mit seinen eigenen Werken stellte er die Taten aller Menschen aller Zeiten in den Hintergrund und in den Schatten, um die Menschen aus jedweder Verbohrtheit herauszuführen und sie seinen wahren Vater kennen zu lehren, wie er auch selbst sagt: "Ich bin gekommen, zu retten und zu suchen, was verloren war"3.

1: 1 Kor. 1, 21.
2: Darüber des Näheren in contra gentes c. 3 f.
3: Luk. 19, 10.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger