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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

14.

Wenn z. B. eine auf Holz gemalte Figur durch den Schmutz von außen unkenntlich geworden ist, so muß derjenige, der in der Figur dargestellt ist, wieder zugegen sein, wenn das Bild in demselben Holz erneuert werden soll; wegen des Bildes wird nämlich eben das Material selbst, auf dem gemalt worden, nicht weggeworfen, vielmehr auf ihm die Figur nachgezeichnet. Ebenso hat auch der allheilige Sohn des Vaters als Bild des Vaters an unseren Stätten sich eingefunden, um den nach ihm erschaffenen Menschen zu erneuern und ihn, der verloren war, durch die Sündennachlassung wieder zu finden, wie er ja auch selbst in den Evangelien sagt: "Ich bin gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren war"1. Daher sagte er auch zu den Juden: [S. 620] "Wenn jemand nicht wiedergeboren wird"2. Er verstand das nicht von der Geburt aus einem Weibe, wie jene vermuteten, sondern meinte die Seele, die in der Verähnlichung mit ihm eine Wiedergeburt und Erneuerung erfährt. Wenn nun der Götzenwahn und der Atheismus den Erdkreis im Banne hielt und die Erkenntnis Gottes verschwunden war, wer hätte da die Welt über den Vater belehren sollen? Ein Mensch - könnte etwa einer sagen. Doch Menschen waren nicht imstande, den ganzen Erdkreis zu durchwandern, noch hatten sie von Natur die Kraft zu solchem Laufe. Auch hätten sie nicht mit der nötigen Autorität für ihre Lehre einstehen können, noch auch hätten sie von sich aus dem Trug- und Gaukelspiel der Dämonen zu widerstehen vermocht. Wenn doch alle vom teuflischen Trug und Götzenwahn beschlagnahmt und verwirrt waren, - wie hätte da ein Mensch Herz und Sinn der Menschen umstimmen können, wo sie doch diese nicht einmal sehen konnten? Was man aber nicht sieht, wie vermag man das umzubilden? Doch vielleicht möchte einer sagen, die Schöpfung hätte dazu genügt. Doch wenn die Schöpfung genügt hätte, wären keine solche Übel eingetreten. Die Schöpfung war ja wirklich da; und doch blieben die Menschen in demselben Irrwahn über Gott befangen. Wer also hätte helfen können, außer dem Logos Gottes, der Weg und Sinn durchschaut, allen Dingen in der Schöpfung Bewegung gibt und durch sie den Vater offenbart. Denn dem, der durch seine Vorsehung und Anordnung aller Dinge über den Vater Aufschluß gibt, dem kam es auch zu, eben diese Lehre wiederaufzufrischen. Wie hätte nun dies geschehen sollen? Vielleicht möchte einer antworten, daß es eben durch die nämlichen Mittel möglich gewesen wäre, so daß also wieder durch die Werke der Schöpfung der Aufschluß über den Vater erfolgt wäre. Aber das hätte keine Sicherheit mehr geboten. Durchaus nicht! Denn eben das haben ja zuvor die Menschen unbeachtet gelassen und ihr Auge nicht mehr aufwärts, sondern abwärts gewandt. Deshalb kommt er, der den [S. 621] Menschen nützen wollte - nämlich durch die Werke des Leibes -, natürlich wie ein Mensch zu uns, nimmt einen Leib an, der dem jener gleich ist und von unten stammt, damit die, welche ihn nicht aus seiner allumfassenden Vorsehung und Herrschaft erkennen wollten, wenigstens aus den Werken seines Leibes den im Leibe befindlichen Logos Gottes erkannten und durch ihn den Vater.

1: Luk. 19, 10.
2: Joh. 3, 5.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger