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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

12.

Genügt hätte ja schon die Gnade unserer Ebenbildlichkeit, um Gott den Logos und durch ihn den Vater zu erkennen. Da aber Gott die Ohnmacht der Menschen kannte, traf er schon zum voraus auch für deren Gleichgültigkeit Vorsorge, damit sie im Falle ihrer Lässigkeit, von sich aus Gott zu erkennen, Gelegenheit hätten, aus den Werken der Schöpfung den Schöpfer zu erkennen. Da aber die Interesselosigkeit der Menschen immer mehr zu Schlimmerem ausartete, so hatte Gott auch für diese ihre Schwäche vorgesehen und ihnen ein Gesetz gegeben und bekannte Propheten, damit sie bei ihrer Lethargie, zum Himmel aufzublicken und den Schöpfer kennen zu lernen, aus ihrer nächsten Umgebung sich die Belehrung holen könnten. Denn Menschen können leichter von ihresgleichen über höhere Probleme Aufschluß erhalten. So war es ihnen wohl möglich, im Aufblick zur Größe des Himmels und in der Betrachtung der in der Schöpfung waltenden Harmonie ihren Regenten, den Logos des Vaters, zu erkennen, der mit seiner allesumfassenden Fürsorge allen den Vater offenbart und eben deshalb allem die Bewegung gibt, damit durch ihn alle zur Erkenntnis Gottes gelangten. War aber das den Menschen beschwerlich, so konnten sie sich doch an die Heiligen wenden und durch sie Gott als den Schöpfer der Welt und den Vater Christi kennen lernen und einsehen, daß ihr Götzenkult Atheismus und aller Gottlosigkeit voll ist. Sie konnten aber dann auch bei ihrer Kenntnis des Gesetzes von jeglicher Gesetzwidrigkeit ablassen und ein tugendhaftes Leben führen. Denn nicht allein der Juden wegen war das Gesetz da, und nicht bloß ihretwegen wurden die Propheten gesandt. Sie wurden wohl zu den Juden gesandt und von den Juden verfolgt, waren aber für den ganzen Erdkreis eine heilige [S. 618] Lehranstalt für Theologie und Moral1. So groß also die Güte und Menschenliebe Gottes war, so haben die Menschen gleichwohl im Banne der augenblicklichen Lüste und der Vorspiegelungen und Trugbilder der Dämonen sich nicht zur Wahrheit bekannt, sondern sich neuen Sünden und Missetaten überantwortet, so daß sie nicht mehr vernünftig erschienen, sondern - nach ihrem Wandel zu schließen - unvernünftig waren.

1: Wörtlich: "für die Erkenntnis Gottes und das Leben der Seele".

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger