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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

11.

Als Gott, der über alles die Macht hat, das Menschengeschlecht durch seinen eigenen Logos erschuf, da wußte er alsobald auch um die Ohnmacht seiner Natur und daß diese nicht imstande wäre, von sich aus den Schöpfer zu erkennen noch überhaupt von Gott eine Erkenntnis zu gewinnen, da er ja unerschaffen, sie aber aus dem Nichts hervorgegangen ist, er unkörperlich, die Menschen aber irgendwo hienieden mit einem Leib gebildet worden sind und überhaupt den geschöpflichen Wesen ein großer Mangel anhaftet, um den Schöpfer zu begreifen und zu erkennen. So erbarmte er sich wieder in seiner Güte des Menschengeschlechtes und wollte den [S. 616] Menschen nicht die Erkenntnis seiner vorenthalten, damit sie nicht ein Dasein führten, ohne einen Gewinn davon zu haben. Was haben denn die Geschöpfe für einen Gewinn davon, wenn sie ihren Schöpfer nicht erkennen? Oder wie wären sie vernünftig, wenn sie den Logos des Vaters nicht erkannten, in dem sie doch entstanden sind? Denn zwischen ihnen und den vernunftlosen Wesen wäre gar kein Unterschied, wenn sie weiter nichts als irdische Dinge wahrnähmen. Wozu hätte sie Gott auch erschaffen, wenn er von ihnen nicht erkannt sein wollte? Eben um dieses zu verhüten, teilt er ihnen in seiner Güte sein eigen Bild, unseren Herrn Jesum Christum, mit und macht sie seinem Bild und seiner Ähnlichkeit gleichförmig, damit sie durch diese das Abbild erkannten, nämlich den Logos des Vaters, und durch ihn eine Vorstellung vom Vater gewinnen könnten und in der Erkenntnis des Schöpfers ein glückliches und wahrhaft seliges Leben führten. Doch die also angebotene Gnade mißachteten ihrerseits die Menschen im Unverstand und kamen so weit von Gott ab und befleckten so sehr ihre Seele, daß sie nicht nur die Vorstellung von Gott vergaßen, sondern auch andere Dinge um Dinge sich einbildeten. Götzenbilder schufen sie sich an Stelle der Wahrheit, das Nichtseiende stellten sie höher als den wahrhaftigen Gott und huldigten der Schöpfung anstatt dem Schöpfer. Und das Schlimmste war noch, daß sie auf Holzstücke und Steine, auf alle möglichen Stoffe und auf Menschen die Gott schuldige Ehre übertrugen und noch mehr dergleichen sich leisteten, wie bereits früher gesagt worden. Ja, so gottlos wurden sie, daß sie nunmehr gar Dämonen verehrten und als Götter ansprachen und deren Wünsche erfüllten. Opfer von vernunftlosen Wesen und Menschenopfer brachten sie ihnen, wie früher erwähnt worden, als schuldigen Tribut dar und ließen sich durch deren Lockungen immer mehr in Fesseln schlagen. Deshalb wurden bei ihnen auch magische Künste gelehrt, und Orakelsprüche da und dort täuschten die Menschen, und alle schrieben die Ursachen ihrer Geburt und ihres Lebens den Sternen zu und allen Erscheinungen am Himmel, ohne an etwas anderes zu denken als an das [S. 617] Sichtbare. Überhaupt war alles voll Gottlosigkeit und Sünde, und nur der eine Gott und sein Logos wurden nicht erkannt, obschon er sich den Menschen nicht unbezeugt ließ und ihnen auch nicht nur eine primitive Erkenntnis seiner gab, sondern sie ihnen auch mannigfach und in vielen Offenbarungen erläuterte.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger