Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Jungfrauen (De virginibus ad Marcellinam sororem libri tres) Drittes Buch. III. Kapitel. Die Ansprache des Papstes Liberius, II. Teil [Forts.]: Einer Jungfrau geziemt nicht häufigerer Empfang von Besuchen [9], sondern züchtige Zurückgezogenheit [10] und Schweigsamkeit, namentlich in der Kirche [11]. Selbst Heiden [12—13] und unvernünftige Tiere üben solches Schweigen [14].
14. Nach einer geläufigen Sage hat ein Priester Fröschen, die mit ihrem vielen Quaken dem Volke beim Gottesdienst die Ohren betäubten, geboten zu schweigen und vor der heiligen Gebetshandlung Ehrfurcht zu wahren. Da sei auf der Stelle der Lärm ringsum verstummt. So schweigen denn die Sümpfe: Menschen wollen nicht schweigen? Selbst das unvernünftige Tier anerkennt durch sein ehrerbietiges Verhalten, was es kraft der Natur nicht erkennt: der Menschen Unehrerbietigkeit will so groß sein, daß man vielfach dem religiösen Bedürfnis des Geistes nicht soviel Rechnung trägt wie einem Ohrenschmaus?
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