Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Jungfrauen (De virginibus ad Marcellinam sororem libri tres) Zweites Buch. V. Kapitel. Größeres Lob als den Pythagoreern Damon und Pythias gebührt der antiochenischen Märtyr-Jungfrau und deren Befreier [34—35]. Die Ohnmacht der Götzen gegen frevle Entehrung durch Menschenhand und -wort [36— 37]; die Macht des strafenden und erbarmenden Gottes gegenüber dem ruchlosen, bezw. reuigen Sünder [38].
34. Doch auch die Philosophenschulen erheben die Pythagoreer Damon und Pythias zum Himmel. Der eine von ihnen erbat sich, da er zum Tode verurteilt war, eine Frist zur Ordnung seiner Angelegenheiten. Der Tyrann aber verlangte, daß er einen Bürgen stelle, der statt seiner, falls er mit der Rückkehr zögerte, dem Tode geweiht würde. Er rechnete nämlich in seiner Verschlagenheit darauf, daß sich keiner finden ließe. Was von beiden nun bewunderungswürdiger ist, weiß ich nicht; beides verdient Bewunderung: der eine fand den Bürgen, der andere bot sich hierzu an. Da nun der Verurteilte den Zeitpunkt für die Hinrichtung versäumte, wahrte der Bürge ruhige Miene sträubte sich nicht gegen den Tod. Als man ihn abführte, kam der Freund zurück, bot sein Haupt dar, hielt seinen Nacken hin. Da ergriff Staunen den Tyrannen, daß den Philosophen die Freundschaft über das Leben ging. Er bat, daß er selbst von ihnen, die er verurteilt hatte, in den Freundschaftsbund aufgenommen werde: so überwältigend sei ihrer Tugend Schönheit, daß sie selbst einen Tyrannen bezwinge.
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