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Hieronymus († 420) - Gegen Vigilantius (Contra Vigilantium)

10.

Ich kann nicht alles durchgehen, was in dem Briefe der heiligen Presbyter steht1 , will mich vielmehr begnügen, einiges aus des Vigilantius Schriften hervorzuheben. Er nimmt auch Stellung gegen die Zeichen und Wunder, die in den Basiliken der Märtyrer geschehen, indem er meint, sie nützen nur den Ungläubigen, nicht aber den Gläubigen, als ob es sich darum handele, in wessen Interesse sie geschehen, und nicht vielmehr darum, auf wessen Macht sie zurückzuführen sind. Gut, ich will einmal zugeben, es seien Wunder zum Nutzen der Ungläubigen, die, weil sie der Predigt und der Lehre nicht glauben wollen, durch Wunder zum Glauben gebracht werden sollen2 . Auch der Herr hat Wunder für die Ungläubigen gewirkt. Trotzdem darf man deshalb die Wunder des Herrn nicht schmähen, weil die Zeugen ungläubig waren. Im Gegenteil, sie fordern in höherem Maße unser Erstaunen heraus, weil sie so mächtig wirkten, daß sie selbst über die härtesten Gemüter Gewalt bekamen und sie zum Glauben zwangen. Komme mir deshalb nicht damit, die Wunder seien für Ungläubige! Gib mir lieber Aufschluß darüber, wie in dem wertlosen Staub und in, ich weiß nicht was für einer Asche, solche Wunderkraft vorhanden sein kann! Ich weiß, ich weiß, was dich schmerzt, was du fürchtest, o Unglückseligster der Sterblichen! Jener unreine Geist, der dich antrieb, dies zu schreiben, ist oft von diesem wertlosen Staub gequält worden und wird heute noch von ihm gepeinigt. Vor dir schweigt er über die Schläge, die er vor anderen eingesteht, es wäre denn, daß du nach Art der Heiden und der Gottlosen, des Porphyrius3 und des Eunomius, hierin nur Blendwerk der Dämonen sähest und leugnetest, daß die Teufel wirklich schreien, daß sie ihre Qualen nur heuchelten. Ich gebe dir einen Rat: "Besuche die Märtyrerbasiliken, und du wirst endlich auch einmal gereinigt werden!" Dort kannst du viele deiner Genossen finden. Nicht durch die Kerzen der Märtyrer, die dir mißfallen, sondern durch unsichtbare Flammen wirst du entzündet werden. Dann wirst du zugeben, was du jetzt leugnest; dann wirst du, der du jetzt als Vigilantius sprichst, deinen wahren Namen offen bekennen. Du wirst zugeben, daß du Merkur seist wegen deiner Geldsucht, oder Nocturnus, mit dessen Gattin Alcmena, während er schlief, Jupiter Ehebruch trieb, indem er zwei Nächte zu einer einzigen verband, wie Plautus es in seinem Amphitryon schildert4 , damit der starke Held Herkules erzeugt werden könne, Du wirst zugestehen, daß du wegen deiner Trunkenheit und des von der Schulter herabhängenden Humpens, wegen deines stets geröteten Gesichtes, deiner schäumenden Lippen und deiner zügellosen Schmähreden der Vater Bacchus bist.

1: Desiderius und Riparius, die Hieronymus das Material geliefert haben.
2: Die Deutung, welche Hieronymus diesem Einwand des Vigilantius gibt, scheint mir nicht richtig. Dieser leugnet die Wunder an den Gräbern der Märtyrer. Von seinem Standpunkt aus dürfte er wohl sagen wollen, man gäbe mit solchon Berichten, die der Wahrheit nicht entsprächen, den Ungläubigen nur willkommene Waffen gegen die Kirche und ihre Lehre in die Hand.
3: Porphyrius [gest. 304], ein neuplatonischer Philosoph, gehörte zu den einflußreichsten Bekämpfern des Christentums.
4: Plautus, Amphitryo 113. 546-550; Ovid, Amores I, 13, 45 f. Nach Apollodorus II, 4, 8 wurde die Nacht verdreifacht. Alcmenes Gatte ist Amphitryon.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger