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Hieronymus († 420) - Gegen Vigilantius (Contra Vigilantium)

9.

Über die öftere Feier der Vigilien und über die nächtlichen Zusammenkünfte in den Basiliken der Märtyrer habe ich mich in einem anderen Briefe, den ich vor etwa zwei Jahren an den heiligen Priester Riparius geschrieben habe1 , kurz ausgesprochen. Wenn du sie deshalb für verwerflich erachtest, weil wir uns sonst den Anschein geben, als hätten wir öfters Ostern, hielten aber keine feierliche Vigil nach Ablauf eines Jahres ab2 , dann darf man wohl auch am Sonntage Christo kein Opfer darbringen, damit wir nicht öfters die Erinnerung an die Auferstehung des Herrn begehen und schließlich statt eines Osterfestes mehrere haben? Sünde und Schuld junger Leute und gemeiner Frauen, wie sie allerdings öfters in der Nacht vorkommen, darf den gottesfürchtigen Menschen nicht angerechnet werden, da ja auch, wie allgemein bekannt ist, in der Ostervigil derartige Dinge sehr häufig sich ereignen, ohne daß die Schuld einiger weniger, die auch ohne Vigilfeier in ihrem oder in fremden Häusern sündigen können, der Gottesverehrung Eintracht tut. Der Verrat des Judas hat die Treue der übrigen Apostel nicht erschüttert. So werden auch unsere Vigilien nicht berührt durch die schlechten Vigilien anderer Personen. Es sollen vielmehr jene gezwungen werden, in Keuschheit zu wachen, welche in der Fleischeslust schlafen. Was gut ist, wenn es einmal getan wird, kann deshalb noch nicht schlecht werden, weil es öfter getan wird. Oder wenn es eine Schuld zu meiden gilt, dann ist die Sache nicht darum schuldbar, weil sie öfters, sondern weil sie überhaupt geschieht. Laßt uns also auch an den Ostertagen keine Vigilien feiern, damit die schon lange gehegten Gelüste der Ehebrecher keine Verwirklichung finden, damit sich der Gattin keine Gelegenheit zur Sünde biete, damit sie ins Ehegemach eingeschlossen werden könne! Glühender ist die Begierde nach dem, was nur selten zu erreichen ist.

1: Gemeint ist epistula 109 ad Riparium
2: Die Feier der Ostervigil führt Hieronymus auf den altjüdischen, durch die Apostel den Christen vermittelten Glauben, daß in der Osternacht die Ankunft Christi zu erwarten sei, zurück. Comm. in Matth. 25, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger