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Hieronymus († 420) - Gegen Vigilantius (Contra Vigilantium)

14.

Du wirst zur Antwort geben, dies könne ein jeder in seinem Vaterlande tun. Es werde nie an Armen fehlen, die aus den Kirchengütern zu unterhalten seien. Ich leugne nicht, daß man, falls die Umstände es erlauben, allen Armen, selbst den Juden und Samaritanern Almosen spenden soll. Aber der Apostel lehrt, daß man zwar alle unterstützen soll, jedoch an erster Stelle die Glaubensgenossen1 . Über diesen Punkt läßt sich auch der Erlöser im Evangelium aus mit den Worten: "Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie euch in die ewigen Wohnungen aufnehmen!"2 Können denn jene Armen, in denen trotz Lumpen und schmutzigem Körper die Begierlichkeit ständig auflodert, ewige Wohnungen haben, sie, die weder in der Gegenwart noch in der Zukunft Wohnungen besitzen? Nicht die Armen schlechtweg, sondern die Armen im Geiste werden selig genannt3 . Von ihnen gilt das Sprichwort: "Selig, wer Einsicht übt gegenüber den Armen und Dürftigen. Am Unglückstage wird der Herr ihn erretten"4 . Bei der Unterstützung der Armen aus dem gemeinen Volke bedarf es keineswegs der Einsicht, sondern des Almosens. Bei den heiligen Armen besteht die Seligkeit in der Erkenntnis, daß man einem Armen mitteilt, der nur errötend die Gabe annimmt und, nachdem er sie angenommen hat, schmerzlich davon berührt wird, daß er Fleischliches erntet, obwohl er Geistiges gesät hat. Aber auf des Vigilantius Behauptung, jene, welche die Nutznießung ihres Eigentums beibehalten und allmählich den Ertrag ihrer Besitztümer unter die Armen austeilen, handeln besser als die anderen, die das Ihrige verkaufen und alles auf einmal verschenken, gebe nicht ich die Antwort, sondern der Herr, der spricht: "Willst da vollkommen sein, dann gehe hin, verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen, und dann komme, und folge mir nach!"5 Er wendet sich an den, der vollkommen sein will, der mit den Aposteln Vater, Schifflein und Netze verläßt. Was du rühmend erwähnst, das ist erst der zweite oder dritte Grad, den auch ich gelten lasse, aber unter dem Vorbehalte, daß der erste vor dem zweiten oder dritten den Vorzug hat.

1: Gal. 6, 10.
2: Luk. 16, 9.
3: Matth. 5, 3.
4: Ps. 40, 2.
5: Matth. 19, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger