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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Viertes Buch: Widerlegung der Sekte des Marcion.

5.

Überdies, wie hätte auch der nach ihrer Benennung Gerechte, wenn er wirklich gerecht wäre, als er nach der Teilung der Herrschaftsgebiete für sich die beiden Himmel genommen und der Materie und ihren Sprößlingen die Erde allein gelassen hatte, dazu kommen können, zugleich auch nach ihrer Erde zu verlangen und zu sagen: „Gib mir von deinem Lehm und ich werde von mir Geist geben, und wir wollen den Menschen nach unserem Ebenbild schaffen.“ Das war doch nicht die Handlungsweise eines Gerechten, daß er nach der Welt eines anderen Begierden trägt, sondern vielmehr des Ungerechten.

Oder wie konnte die Materie so betört werden, daß sie, einmal von ihm getrennt, wieder mit ihm eine Gemeinschaft schloß und sich selbst täuschte und dem Fremden Teil gab an ihrer Welt, damit er den Adam und seine Gemahlin erschaffe, welcher bald dieser, bald jenem sich anschloß.

Warum aber nennen sie auch den Gerechten allein Herrn der Geschöpfe, denn von Anfang an hat er, wie sie sagen, nichts für sich allein erschaffen, sondern sie erschufen gemeinsam, was immer sie erschufen. Zum [S. 159] zweiten erschufen sie aus einem gemeinsamen Stoff den Menschen, und beide waren gleichmäßig über ihn erfreut. Wenn, wie sie sagen, gerecht allein der Gott der Gesetze war, so ist es offenbar, daß er auch ihm die Gebote der Gerechtigkeit gab. Und wenn die Materie allein böse war, so war es notwendig, daß sie böse Ratschläge erteilte.

Wie kommt es dabei, daß beide sich an ihm freuten, da sie doch einander gegensätzliche Befehle gaben, der eine in betreff des Guten als wie gut, der andere in betreff des Bösen als wie böse? Denn der Gerechte, der von Natur aus gerecht ist, kann nichts Böses in seinen Befehlen vorschreiben, und der Böse, der von Natur böse ist, kann nicht zum Guten einen Antrieb geben.

Woher hätte es des weiteren kommen sollen, daß das Böse erfreut war, das doch immer finster und mürrisch war, oder daß der Gerechte betrog, da er doch von Natur rechtschaffen und gerechter Denkart war? Für diesen war es nicht möglich, den Menschen, das gemeinsame Geschöpf, für sich zu entziehen. Aber für den Gerechten war es nötig zu denken: Wie wir ihn gemeinsam erschaffen haben, so ist es auch geziemend, daß wir uns zusammen an ihm erfreuen. Doch nicht wie ein Gerechter, sondern wie ein verschlagenes und argwöhnisches Wesen nahm er den Menschen auf die Seite und täuschte ihm vor: „Ich bin Gott und es ist kein anderer außer mir.“ Und für Adam hätte es sich gepaßt, daß er gesagt hätte: Da du mich schaffen wolltest, war noch ein anderer Gott, als du die Erde suchtest. Wie willst du mich zu dir allein hinzuziehen, als ob du allein Gott seiest und kein anderer außer dir.

Allein vielleicht erschrak er über die Kunde vom Tode, den er doch leiden mußte, ob er wollte oder nicht. Und das wußte er nicht, daß für sein Betrügen die Materie ihn betrüge und seinen alleinigen Namen untergehen lassen werde unter den Namen vieler Götzen, die sie machte zum Fallstrick für die Menschen. Für diesen Schaden ist auch nicht der verantwortlich, welcher hintennach sündigte, sondern derjenige, welcher mit dem Betrug anfing. Hätte jener solche Künste nicht gezeigt, [S. 160] so würde die Materie sie nicht begriffen haben. Er ward aber zum Lehrer, sowohl seiner Betrügerei, als auch der Hinterlist der Materie.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger