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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Viertes Buch: Widerlegung der Sekte des Marcion.

15.

Woher dann kommt es noch, daß Marcion und Mani und andere ihrer Sorte nicht an die Auferstehung des Fleisches glauben?

Sie behaupten, der Apostel lehrt, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben und die Vergänglichkeit nicht die Unvergänglichkeit (1 Kor. 15, 50), und ferner: „Ich verlange, aus dem Leibe zu kommen und bei Christus zu sein“ (Phil. 1, 23). Dadurch wird klar, so behaupten sie, daß der Leib, weil er aus Materie ist, deshalb der Auferstehung nicht gewürdigt wird.

Und wenn der Leib, weil er aus Materie ist, des Reiches (Gottes) nicht gewürdigt würde, dann sollten auch die Seelen, weil sie vom Gerechten sind, des Reiches des Guten nicht gewürdigt werden. Doch derselbe Apostel weist diese an demselben Ort auch zurück; er weist wie mit dem Finger auf den Leib und sagt: „Es geziemt sich, daß dieses Verwesliche sich mit Unverweslichkeit umkleide und dieses Sterbliche sich umkleide mit [S. 177] Unsterblichkeit (1 Kor. 15, 33) [= 1. Kor. 15, 53]. Hier zeigt sich klar, daß er nicht die Seelen mit dem Verweslichen und Sterblichen bezeichnet, sondern die Leiber. Und im andern Briefe sagt er: „Uns allen steht bevor, zu erscheinen vor dem Richterstuhl Christi, damit ein jeder an seinem Leib empfange, was er zuvor gewirkt hat, ob Gutes oder Böses“ (2 Kor. 5, 10). Siehst du nun, daß er sagt, wir haben mit dem Leibe zu tragen das Gute und das Böse, nicht nur mit der Seele.

Doch sie behaupten: „Der Apostel hat gesagt, daß das Verwesliche die Unverweslichkeit nicht erbt.“

O Wortklauber Marcion, der das eine hört und das andere vernachlässigt! Wenn er mit rechtem Sinn dieses (Wort) gelesen hätte, daß die Verweslichkeit die Unverweslichkeit nicht erbt, dann hätte er die Wahrheit erfassen können. Denn der Apostel verbreitet sich so sehr über die Auferstehung der Leiber, daß er selbst viele Beispiele vorträgt.

Zuvörderst (bespricht er) als erstes und naturgemäßes (Beispiel) die Auferstehung Christi, daß Christus gestorben ist und nach der Schrift begraben wurde und am dritten Tage auferstanden ist (1 Kor. 15, 3-4). Dann verweilt er bei dieser Stelle und zeigt viele Arten zur Befestigung der Auferstehung, besonders jenes, was er gleichsam dem Marcion und Mani in die Ohren hinein schreit, und sagt: „Wenn die Toten nicht auferstehen, was täten jene, welche für Tote sich taufen lassen“ (1 Kor. 15, 20) [= 1. Kor. 15, 29]. Ihr behauptet, sagt er, daß die Leiber, weil sie aus Materie sind, nicht auferstehen. Wenn die sterblichen Leiber nicht auferstehen können, weshalb sollen die lebenden Seelen wegen der toten Leiber Bekenntnis ablegen. Oder weshalb sollten tote Leiber für die lebenden Seelen getauft werden, wenn, wie ihr sagt, sterbliche Leiber nicht auferstehen werden.

So ist das Wort zu verstehen und nicht wie Marcion faselt, daß an Stelle eines verstorbenen Katechumenen sein Nachbar getauft werde, damit es ihm dort angerechnet werde. Die Marcioniten tun dies auch tatsächlich. Aber das Wort des Herrn weist sie zurück, das sagt: „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird, kann er das [S. 178] Reich Gottes nicht sehen“ (Joh. 3, 3. 5) [= Joh. 3, 3]. Und wiederum: „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Geiste, kann er nicht eingehen in das Reich Gottes" (Joh. 3, 5). Daraus geht hervor, daß ein jeder selbst getauft werden muß und nicht einer für den andern.

Wiederum zeigt dann die Parabel vom Samen klar die Auferstehung der Leiber. Denn wie der Same, welchen du säest, aufgeht, nicht ein anderer für ihn, obwohl er mit vielfachem Nutzen sich umkleidet, du aber niemals Gerste gesäet und Weizen geerntet, niemals Hirse gesäet und Korn geerntet hast, wie du das erntest, was du säest, nach diesem Bilde, sagt er, wird auch der gleiche Leib, welcher hingesunken ist, auferstehen.

Das Wort des Apostels ferner, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben, und daß das Verwesliche die Unverweslichkeit nicht erben wird, ist nicht in dem Sinn zu verstehen, in dem Marcion es nimmt, als ob die Leiber, weil sie aus Materie sind, nicht auferstehen, sondern nach zwei anderen Weisen.

Die eine ist die, daß solange ein Mensch noch in fleischlichen Gedanken und Werken sich bewegt, solange ist er sinnlich, und Fleisch und Blut, und weil er nur das dem Leibe gemäß denkt und tut, ist er nicht würdig, in das Reich des Himmels einzugehen. So schreibt ja der Apostel auch in einem anderen Briefe an seine Jünger, daß die, so dem Leibe nach sind, auch die Gedanken des Leibes denken; ihr aber seid nicht nach dem Leibe, sondern nach dem Geist (Röm. 8, 5-9). Sind wohl, als er das an seine Jünger schrieb, die einen im Leibe gewesen, die andern nicht? So ist es klar, daß alle im Leibe waren, aber nicht alle in den Werken des Leibes und Geistes.

Dann ist es noch in einem anderen Sinn zu verstehen, daß nicht die Leiber aufgebläht nach Fleisch und Blut, sondern erneuert durch die Auferstehung, die Verweslichen die Unverweslichkeit erben, wie er auch hinzufügt bezüglich derselben: „Die Posaune ertönt, und die Toten, welche in Christus sind, stehen in Unverweslichkeit auf und werden erneuert" (1 Kor. 14, 52) [= 1. Kor. 15, 52].

[S. 179] Dadurch wird gezeigt, daß die Leiber durch die Auferstehung erneuert und befreit von allen Leidenschaften auferstehen. Und der Tod geht unter in seiner Niederlage, wenn die Verweslichen die Unverweslichkeit anziehen und die Sterblichen die Unsterblichkeit, und das, was in Schwachheit gesät worden war, die Kraft, und das, was in Niedrigkeit wandelte, die Herrlichkeit. Kein Leib bleibt in der Erde zurück, sondern alle Seelen werden, mit ihren Leibern bekleidet, in einem Augenblicke vor dem schrecklichen Richterstuhl stehen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu den Strafen des Gerichtes.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger