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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Drittes Buch: Widerlegung der Religion der griechischen Weisen.

17.

[S. 148] Aus alledem geht auch hervor, daß nicht irgendwelche Materie, welche der Stoff ist, Gott zur Seite stand, so daß er aus ihr, wie die Weisen der Griechen sagen, die Geschöpfe gebildet hätte, und daß von ihr aus das Böse in die Welt eingedrungen sei, wie die Sekten sagen, welche von jenen den Anlaß genommen haben, die Materie zu vergöttern (und sie als) Gott Gott gegenüberzustellen. Auch gibt es nicht noch einen anderen Schöpfer für das Böse, wie die Magier vorgeben, daß Charaman die bösen Wesen geschaffen habe, sondern der eine Gott allein ist der Schöpfer und zwar der Guten 1, nicht der bösen Geschöpfe, und er ist ein ewiger Schöpfer. Denn schon bevor er die Geschöpfe erschaffen hatte, trug er nach seiner Allwissenheit die Ordnung für die Bildung der Geschöpfe in seinem Sinne. Es gab keine Zeit, in welcher er nicht Schöpfer gewesen wäre, deshalb, weil er in sich das Vermögen trug, das für alle zum Sein ausreichend war.

Gott hatte viele Ursachen, durch welche er dazu kam, Geschöpfe zu erschaffen 2. Zunächst war es nicht recht, das Wissen von seiner Kunstfertigkeit 3 müssig zu lassen, damit er nicht wie ein Schwacher erfunden werde, beschuldigt, das nicht machen zu können, wozu er das Verständnis durch eine vorausbestehende Wissenschaft in sich hatte. Zweitens sodann, weil er von Natur aus gütig ist, lagen keine Gründe vor, seine Wohltätigkeit ohne Segen zurückzuhalten. Und noch viele andere Gründe dieser Art lagen für Gott vor, um deren Willen er mit der Weltschöpfung begann.

Wenn jemand eine Kunst verstände, sei es z. B. die Musik oder die Heilkunde oder die Holzverarbeitungskunst, er aber in Wirklichkeit diese Kunst nie zeigen würde, so hätte er vergeblich die Anlage der Kunst empfangen, weil er weder selbst einen Nutzen davon hat, noch er anderen das Wissen seiner Kunst zeigte. Ähnlich wäre es, wenn irgend jemand wohltätig wäre; wenn [S. 149] keine Menschen da sind, die von seiner Wohltätigkeit Nutzen empfangen, für wen wäre diese Wohltätigkeit von Vorteil? Denn die Tugend der Wohltätigkeit liegt darin, daß andere von ihr Nutzen haben. Gibt es keine, die von der Wohltätigkeit Nutzen haben, was wäre da der Nutzen der Wohltätigkeit?

Ähnlich hätte es sich mit Gott verhalten, der das Verständnis aller Künste in sich hatte. Hätte er keine Geschöpfe erschaffen, so hätte man geglaubt, daß er sein Wissen umsonst besäße, da keine wären, welche aus seiner Kunst erschienen. Er hätte auch seine Wohltätigkeit nicht als Wohltätigkeit zeigen können, wenn er keine Geschöpfe erschaffen hätte, welche von seiner Wohltätigkeit Nutzen gezogen hätten. Allein er ist so wohltätig, daß er denselben nicht bloß die Gnade erwies, daß er sie schuf, sondern auch die Freude bot, das Gute zu genießen.

Ferner, wenn Gott keine Geschöpfe erschaffen hätte, dann wußte auch niemand, daß überhaupt Gott ist, dieweil dann keine vorhanden waren, welche die Fähigkeit des Wissens besäßen. Da er sie nun aber zu seiner Erkenntnis führen und zeigen wollte, daß er ist, ließ er sich also bestimmen 4, Geschöpfe zu seiner Erkenntnis hervorzubringen, damit sie von seiner Wohltätigkeit 5 Segen genössen. Und die Mächte 6 der Welt hat er des Menschen wegen gemacht, zum Dienste aller notwendigen Dinge; und den Menschen zu seiner Ehre, auf daß derselbe den Herrn preise und seine Wohltätigkeit erkenne.

Und so war Gott niemals ohne schöpferische Tätigkeit. Denn immer hatte er im Geiste geformt, was er schaffen werde. Deshalb, weil es nicht angemessen war, bloß im Willen und in Gedanken die Macht zu haben, deswegen brachte er, um seinen Willen und seine Gedanken zu offenbaren, die Geschöpfe ans Licht hervor, damit seine Macht offenbar werde und die Geschöpfe von seiner Güte Segen gewännen.

[S. 150] Allein, niemand soll die Welt für durch sich bestehend halten oder für etwas Gott zur Seite stehendes, damit er nicht die Größe seiner Macht herabmindere, sondern er hat allen Wesen, die zuvor nicht waren, das Sein geschenkt. Weshalb möchten sie seine Macht entfernen wollen und ihn allein als den kundigen Bearbeiter einer Materie betrachten und ihm nicht es zuschreiben, daß er aus dem Nichtsein ins Sein, den Körper von allem hervorbringe? Es gab kein mit Gott gleichzeitiges Wesen und keine Materie, aus welcher er (den Stoff) nahm und die Geschöpfe bildete, sondern er ist der Schöpfer aller Naturen und nicht der Mischer des Wesens der seienden Dinge, sondern der Seinsschöpfer des Seins der Dinge, die werden sollten.

So müssen die Menschen von Gott reden, solcher Erzählungen Verbreiter müssen sie sein, durch welche Gott verherrlicht wird und die Menschen keinen Schaden leiden 7.

Doch wer könnte würdiger sein, der Erzähler der Verdienste Gottes zu werden, als die Freunde Gottes, die aus Liebe zu ihm das Leben dieser Welt verachteten; selbst bis zum Tode wegen der lebendigen Hoffnung, die bei Gott ist, die sich Mühsale aufluden und selbst ihren Leib der Vernichtung preisgaben, wodurch die Rettung der Seele gewonnen wird.

Eitel waren die Bemühungen der griechischen Weisen, über Gott zu reden, deshalb, weil sie den Schöpfer und die Geschöpfe nicht voneinander zu trennen wußten. Diese hat die Nacht der Dämonen verfinstert und so irrten sie ab zur Einführung vieler und zahlloser Göttergeburten. In dieser Art hat Hesiod, einer ihrer Weisen, viele Göttergeburten angenommen. Und der eitle Schwätzer Homer folgt ihm dabei. Mit kunstvollen Worten faselt er das gleiche. Und viele andere Philosophen versprechen, mit fabelhaften Worten bestrickend, von Gott eine Darstellung zu geben. Die Gott nicht kennen und den Schöpfer von den Geschöpfen nicht zu trennen wissen, wie sollten sie es sich in den Sinn kommen lassen, über [S. 151] Gott zu reden? Am allermeisten jener, welchen sie für den allerweisesten halten, Plato, der über Gott, die Seelen und die Geschöpfe zu handeln sich angetrieben fühlte.

Und nun laßt uns gegen ihn mit unerschrockenem Worte kämpfen, der den Griechen mehr als alle Philosophen fromm erschien. Denn es zeigt sich, daß er am meisten Gott verkannte und die Geschöpflichkeit der Geschöpfe. Dann nämlich, wenn wir seine hochgeschätzten Ansichten 8 herabsetzen und ihn aus den Augen seiner betrogenen Anhänger herausnehmen 9, dann werden wir zeigen, wer Gott ist, und was seine Geschöpfe sind.

Und eines, was Plato am wenigsten glaubte aussprechen zu dürfen, das ist, daß Gott immer war und keine Geschöpfe (neben sich) hatte. Ich freue mich an seinem guten Willen, daß er über Gott forschte, aber seinen Hochmut lobe ich nicht.

1: Schmid: des Guten ... des Bösen
2: Aus Methodius s. Schmid S. 168.
3: S.: Wahrheit, K. Kunstfertigkeit, ebenso V. 1826; bei Schmid S. 109 Anm. 84 scheint eine Verwechslung vorzuliegen.
4: Das Zeitwort fehlt bei V.; bei K. arnel.
5: Nach V. K.: bnuthean = Natur.
6: Schmid: die Bedürfnisse.
7: Schluß der Entlehnungen aus Methodius.
8: Nach K. vgl. Norayr a. a. O. S. 40 Kartsisn. V. hat Karisn Neigungen, Leidenschaften, Fehler.
9: Schmid: ihn in den Augen der von ihm Betrogenen herabwürdigen.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger