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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Drittes Buch: Widerlegung der Religion der griechischen Weisen.

16.

Warum aber, sagen sie, verzögerte sich die Ankunft Christi und gingen so viele Geschlechter ohne den Dienst Gottes zugrunde?

Wenn (Gott) nicht Verkündiger des Dienstes Gottes in allen Jahrhunderten gesandt hätte, dann wäre für solche Worte vielleicht Anlaß, da er aber nie aufhörte, Zeugnis zu geben, so sollen jene, die nicht glaubten, sich selbst die Schuld geben und nicht Gott.

Christus kam nicht im Kindesalter der Welt, weil die Kinder der Milch bedürfen und nicht fester Speise (Hebr. 5, 12); er kam nicht im stürmischen Jugendalter, währenddessen der Irrtum des Dämonendienstes [S. 146] eintrat und groß wurde, sondern er unterrichtete (die Menschen) zuerst durch Prediger und Propheten wie mit Milch und dann kam er, die vollkommene Belehrung zu erteilen wie feste Speise. Denn auch dem Kinde gibt man nicht feste Speise, noch verkündigt man ihm große Geheimnisse, noch spricht man zu ihm erhabene Worte, bevor es zum Maß des reifen Alters gekommen ist.

In diesem Geiste spricht der Apostel, an sich die Rolle der ganzen Menschheit darstellend: „Solange ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, aber als ich zum Manne geworden war, streifte ich von mir die Kindheit“ (1 Kor. 13, 11). Er wollte damit zeigen, daß die Welt 1 im reifen Alter zum vollendeten Wissen gelangte, wie es in dieser Welt überhaupt nur möglich ist, zum Wissen zu kommen. Doch zum Genuß des vollendeten Wissens lud er sich und andere ins Jenseits ein mit den Worten: „Jetzt wissen wir Stückwerk 2, aber wenn die Vollendung kommt, dann schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“

Daraus geht hervor, daß Gott allmächtig ist und zu allem genügend. Er wäre imstande gewesen, auch schon am Morgengrauen der frühesten Ewigkeit die Welt zu erschaffen. Aber er wollte so (sie schaffen), daß er sie nicht gar zu früh und auch nicht allzu spät machte, sondern, wann es passend und geeignet wäre. Es sollten die Geschöpfe nicht Schaden nehmen, indem er sie gar früh erschuf und sie zur Meinung kämen, als wären sie gleich ewig mit ihm, und wiederum auch nicht, indem er sie spät erschuf, und der Verdacht der Schwäche entstünde, und 3 der ersten und mittleren und letzten Gedanken.

Er schuf den Menschen, welchen er zum Erben von allem machen wollte (Hebr. 1, 2), nicht früher, als das Erbe, sondern zuerst Himmel und Erde, Wasser, Feuer, Luft, Keime und Pflanzen, Wild und Haustiere und Vögel. Zuerst das Haus, dann den Hausherrn, zuerst den Besitz und dann den Besitzer, zuerst die Knechte, dann [S. 147] den Herrn, damit nicht, wenn jene später wären, über die der Mensch Herr ist, er schädliche Einbildung in sich fasse, als wären es seine Geschöpfe. Wenn er aber sieht, daß jene zuvor erschaffen wurden, da sollte er erkennen und im Herzen die Wahrheit behalten, daß es eine Macht gibt, welche jene geschaffen und seiner Herrschaft unterworfen hat. Nicht für sich sollte er die Ehre und Verherrlichung in Anspruch nehmen wollen, sondern sie seinem Herrn und Schöpfer erweisen, der ihm dieses freigebig geschenkt hat.

In ähnlicher Weise hat er auch die Ankunft seines Sohnes auf diese Zeit gefügt, in welcher er wußte, daß sie Segen bringen werde. Und wenn der Arzt 4 nach Maßgabe der verschiedenen Krankheiten, den Leidenden Heilmittel mancherlei Art darbietet, so zwar, daß sie, was im Anfang des Leidens geeignet ist, am Anfang reichen, was inmitten paßt, in der Mitte, und was beim Altwerden des Leidens paßt, endlich hernach, wieviel mehr tut der Allmächtige zur rechten Zeit, was er macht, er, von dem alle Arten der Kunst verteilt werden. Nicht vom ersten zum mittleren und letzten Gedanken fortschreitend, sondern zumal nach seinem Willen vollführt er das Werk seiner Taten. Bei ihm folgt nicht der Wille hintennach, sondern als Allwissender weiß er alles, ehe es war, und wie es zu machen ist, zu welcher Zeit und für welche Bedürfnisse. Nicht in Unordnung schafft er etwas, so daß er es nachher bereute und sein Werk zerstörte. Auch bedarf er keines Dinges, so daß er, um etwas zu machen, ausschauen müßte, von was und von wem er es machen solle, sondern er besitzt ganz in sich selbst alle Macht, alles zu machen und zu schaffen und es unerschütterlich zu bewahren. Noch hat er jemand zum Teilhaber wie einen Bruder oder einen Gefährten oder einen fremden Mithelfer, als allein seine Macht und Weisheit, die aus seinem Wesen stammen und gleichewig mit ihm sind, und den Geist seiner Natur, der aus ihm hervorgeht und immer bei ihm ist, untrennbar und ohne Teilung.

1: Schmid: daß er .... in die Welt.
2: Wörtlich: Weniges von vielem od.: in Teilen.
3: Schmid: über; arm.: ew und.
4: K.: Mehrzahl.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger