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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Drittes Buch: Widerlegung der Religion der griechischen Weisen.

12.

Platon, welcher Gott, die Materie und die Idee für wesenhaft seiend hält, zeigt, daß Gott der Schöpfer der Formen ist, aber nicht der Naturen. Von ihm haben die Sekten das angenommen und reden nun ebenso davon, daß, wie Gott wesenhaft war, so auch die Materie und die Idee, welche für sich allein das Etwas von irgendeinem ist.

Wie Gott die Kunstfertigkeit eigen ist, so war der Materie der Stoff zu eigen; nur in Gestalten einführen konnte er die Materie, welche ungeordnet dahintrieb, nicht aber schuf er alles aus nichts zum Sein wie ein Allmächtiger. So fällt eine Schwäche auf Gott, sofern er es nötig hatte, von einem andern den Stoff zu erbetteln. Dadurch zeigt sich, daß er nicht mehr ist als ein Künstler, da er wie dieselben den Stoff bedarf. Und die Welt bezeichnet er als erschaffen und zerstörbar, doch mitunter faßt er und andere sie als Ewigkeitsgenossen Gottes auf.

Wenn sie erschaffen und zerstörbar wäre, wie könnte sie ein Ewigkeitsgenosse Gottes sein. Wenn sie mit ihm ewig wäre, und wie nach ihren Worten der Schatten von etwas sich niemals von diesem trennt, so auch die Welt niemals von Gott getrennt ist, denn, wenn es sich so verhielte, wäre es eitel, die Welt ein zerstörbares Geschöpf zu nennen. Sie müßten denn gerade auch die Gottlosigkeit zu sagen wagen, daß auch der, welcher die Ursache des Schattens ist, werde weggeschafft werden. Aber wenn das nicht geschieht, und es geschieht auch wirklich nicht, dann wird auch der Schatten nicht weggeschafft werden. Somit handelt es sich da um eitles Gerede.

Und wenn die Seelen, weil sie aus Gottes Wesenheit stammten, unerschaffen und unsterblich wären, woher kommt es, daß in ihnen drei Teile (zu unterscheiden) sind, das Vernünftige, das Zürnende und das Begehrende. Denn wenn auch das eine in Gott ist, denn er ist die Quelle aller Vernünftigkeit, so ist er doch erhaben über [S. 143] Zorn und Begierde und frei von ihnen. Denn das Göttliche ist nun einmal frei von Leidenschaften und ohne Teile.

Und wenn er, wie sie sagen, der Tugend wegen jungfräulich von dieser Welt ging, warum befahl er anderen, die Weiber für gemeinsam zu halten und nicht einem Weib allein sich zuzuwenden?

Und warum glaubte er, wie die Früheren, daß auch die göttlichen Wesens teilhaftigen Seelen von Körper zu Körper wanderten, bis herab zu den Schlangen und Insekten? Das ist eine Entheiligung, welche die Natur selbst betrifft, nach dem Maße ihrer Gottlosigkeit. Gleich als behielte das Göttliche die Hälfte seiner Substanz in sich selbst und quälte die andere Hälfte von sich in Schlangen und Insekten. Das aber trifft bei dem Wesen nicht zu, welches unteilbar und unermeßlich 1 und untrennbar und ohne Teile ist.

Wären noch, wie sie träumen, viele Götter aus dem einen Gott hervorgegangen, weshalb sollten nicht auch viele Welten sein und nicht viele Himmel und nicht viele Sonnen und nicht viele Erden. Oder hat er vielleicht untätige Götter aus sich hervorgebracht? Wozu aber sollten untätige Götter gut sein?

1: Nach V.: ankhanak K.: ankhag unauflösbar, unteilbar. Ebenso Norayr khunaser 1887, 10. Schmid: unabsonderlich.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger