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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Drittes Buch: Widerlegung der Religion der griechischen Weisen.

11.

Und es ist nicht, wie das Haupt ihrer Philosophen Pythagoras und die Peripatetiker behaupten, eine einzige Einheit als Ursache von allem und die Vorsehung; wobei sie die Vorsehung nicht von jener herleiten, sondern als für sich bestehende Kraft betrachten. Würde er, wie er die Ursache von allem in einer Einheit angibt, auch die Vorsehung von ihr stammen lassen, so würde er trefflich und lobenswert seine Aufstellung machen. Allein, weil er die Ursache und die Vorsehung jeweils bei einem andern sucht, deshalb ist er des Tadels würdig, nicht aber der Ehre.

Ferner auch, daß er den Göttern nicht zu opfern befahl, das ist lobenswert, aber, daß er nicht offen verkündigte, daß nur ein Gott ist und nicht viele, das macht ihn sehr tadelnswert.

Lobenswert, ja sehr lobenswert ist es, daß er, um über die Leidenschaften und Begierden zu siegen, Enthaltsamkeit von Speisen übte; aber daß er eine Wanderung der Seelen von Leib zu Leib (zu glauben) gab, das ist sehr tadelnswürdig. Als ob die Seelen der verstorbenen Gerechten in andere reine Leiber wanderten, sei es in die von Menschen oder von reinen Tieren; und das geschehe ihnen zur Vergeltung der guten Werke; und die Seelen der Sünder in schmutzige Leiber wanderten, sei es in die von Menschen oder in die von Raubtieren und Insekten und Reptilien; und das ihnen zur Vergeltung der bösen Werke geschehen würde.

Und wenn er zur Bezwingung der Leidenschaften des Fleisches geboten hätte, kein Fleisch zu essen, so würde [S. 141] er gut und gerecht getan haben. Aber wenn er den Befehl gab, sich davon fernzuhalten, als wie von unreinen Geschöpfen 1, dann (befahl er) Schlimmeres. Doch die Gründe sind offenbar, derentwillen er das Fleisch beseelter Wesen zu essen verbot, nämlich gleich als wäre die Seele etwas Göttliches im Fleische und als wäre es deswegen nicht recht, das Fleisch von Lebewesen zu essen. Deshalb opfern auch zuerst die Magier und töten (erst) nachher die Tiere, damit die Seele ohne Empfindung aus den Körpern sich entfernte. Und sie beachten das nicht, daß sie mit zweifachem Tode (dabei) töten, einmal beim Opfern, das andere Mal beim Schlachten.

Desgleichen verbietet auch Pythagoras, den Götzen Tiere zu opfern, gleich als wäre es nicht recht, Götter den Göttern zu opfern. Denn er lehrt auch die Göttlichkeit der Seele in den Tieren. Und so erklärt es sich, daß er befiehlt, sie anzubeten, jedoch nicht zu opfern.

Ein sehr unwürdiges Beginnen war es, alles, was über dem Mond ist, für unsterblich zu halten. Es zeigt dies, daß er das alles für göttlich hielt; und sofern er das, was unten ist, für sterblich hielt, gab er vor, daß Feuer, Luft und Erde etwas Lebendiges sind und sterben; und doch fühlen diese weder das Leben, noch machen sie eine Wahrnehmung vom Tode. Das kommt (nur) dem Beseelten zu, nicht aber dem Unbeseelten.

Das fünfjährige Stillschweigen dann, welches er denjenigen auferlegte, welche neu 2 in die Jüngerschaft eintraten, war zwar eine Probe großer Selbstbeherrschung, da sie auch nichts fragen durften, sondern bloß hören, allein es war doch nichts sehr Nützliches. Denn wenn einer vor dem fünfjährigen Zeitraum (das Leben) vollendete, so nützte, auch wenn er vom eifrigen Hören schon weise geworden war, die Weisheit ihn nichts, da er nicht reden durfte, und anderen nichts, weil sie diese Weisheit nicht hörten.

Zuletzt noch, was eine ungeheure Torheit ist, hat er, wie sie überliefern, sich selbst Gott genannt. Dieser [S. 142] (Einfall) entstammt seinem allzugroßen Hochmut. Denn er wandelte nicht nach dem Wort des Weisen: „In dem Maße, in welchem du zur Größe gekommen bist, halte dich in der Demut“ (Sprichw. 4, 16) [= Spr. 15, 33].

1: V. s. K. Einzahl.
2: S. V. K. hat statt nor nora desselben J.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger