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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)

Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

1.

1 2 [S. 83] Ehe irgend etwas war 3, sagen sie, als noch kein Himmel, keine Erde noch irgendeines der Geschöpfe war, die im Himmel und auf der Erde sind, da war ein Wesen, Zerwan mit Namen 4, was übersetzt Schicksal oder Ruhm bedeutet. Tausend Jahre brachte es ein Opfer dar, daß ihm vielleicht ein Sohn würde, dessen Name Ormizd 5, der den Himmel und die Erde und alles, was darin ist, erschaffen sollte. Nachdem es tausend Jahre das Opfer dargebracht hatte, fing ihm der Gedanke an, durch den Sinn zu gehen: Wird das Opfer, das ich darbringe, etwas nützen, und wird mir ein Sohn Ormizd beschieden sein, oder bemühe ich mich vergeblich? Und während er so dachte, wurden Ormizd und Ahriman 6 im Leib ihrer Mutter empfangen. Ormizd als Frucht des Opfers und Ahriman wegen des entstandenen Zweifels. Nachdem Zerwan das erkannt hatte, sagte er: Zwei Söhne sind da im Leibe. Wer von ihnen zuerst zu mir kommt, den will ich zum König machen. Ormizd erfuhr den Gedanken des Vaters und teilte ihn Ahriman mit, indem er sagte: Zerwan, unser Vater, beschloß in Gedanken, daß er den von uns, der zuerst zu ihm käme, zum Könige machen werde. Als Ahriman dies gehört hatte, riß er den Leib auf, ging heraus und trat vor den Vater. Zerwan sah [S. 84] ihn, aber er wußte nicht, wer er wäre. Und er fragte ihn: Wer bist du? Jener sagte zu ihm: Ich bin dein Sohn. Zerwan erwiderte: Mein Sohn ist voll Wohlgeruch und Licht, du aber bist finster und übelriechend. Während sie miteinander diese Worte wechselten, wurde zur rechten Zeit auch Ormizd geboren, licht und voll Wohlgeruch. Er kam und trat vor Zerwan. Und als Zerwan ihn sah, erkannte er, daß es Ormizd sei, sein Sohn, um dessentwillen er das Opfer gebracht hatte. Da nahm er die Barsomszweige 7, die er in den Händen hatte, und mit denen er opferte, und gab sie Ormizd und sagte: Bisher habe ich wegen deiner das Opfer gebracht, von jetzt ab wirst du meinetwegen es tun 8. Während Zerwan dem Ormizd die Barsomszweige gab und ihn segnete, trat auch Ahriman vor ihn und sprach zu ihm: Hattest du nicht gelobt, denjenigen von deinen beiden Söhnen, welcher zuerst zu dir käme, zum König zu machen? Zerwan antwortete Ahriman, um sein Gelübde nicht zu brechen: Ach! du Falscher und Böses Wirkender, es soll dir die Herrschaft neuntausend Jahre verliehen sein, und Ormizd sei als König über dich gesetzt. Und nach neuntausend Jahren wird Ormizd herrschen und, was ihm zu tun gefällt, vollführen. Da begannen Ormizd und Ahriman, Geschöpfe zu bilden. Und alles, was Ormizd machte, war gut und recht; was aber Ahriman bildete, war bös und verdorben.

1: Vgl. über das Verhältnis zwischen Armenien und Persien; Weber S. die kath. Kirche in Armenien, 1905.
2: Die ganze Überschrift fehlt bei E.
3: Das erste Kapitel ist übersetzt von Neumann in Hermes, 33. Bd., S. 202.
4: Zerwan = Zeit, Geschick.
5: Spätere Form für avest. Ahura Mazda.
6: Arm.: Arhmn = Aharman im Avesta.
7: Barecma: Zweige des Granatbaumes, der Tamariske oder der Dattel, die der opfernde oder weissagende Priester in der Hand hielt, s. Schmid S. 92.
8: Einen verwandten Bericht enthält Elische Geschichte des arm. Krieges, s. bei Schmid S. 93.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger