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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

10.

Eine ganz unglaubliche Torheit wiederum ist ihre folgende Überlieferung: als Ormizd 1 starb, habe er seinen Samen in eine Quelle geworfen und nahe am Ende soll von diesem Samen eine Jungfrau gebären; es soll von ihr ein Sohn hervorgehen und dieser werde viele von den Kriegsheeren des Ahriman schlagen. Zwei andere, die auf dieselbe Weise entstehen sollen, würden seine Heere niederschlagen und vernichten 2.

Zunächst werden sie dadurch widerlegt, daß das Wasser den Samen nicht bewahren kann, sondern ihn [S. 99] vernichtet. Dann werden sie noch durch ein anderes zurückgewiesen. Warum vermochte (Ormizd) er, statt der Quelle seinen Samen zu geben, ihn lebendig zu erhalten, nicht sich selbst lebendig zu erhalten, sondern warum wurde der Sohn eines so guten Gottes vom Sohne des bösen Gottes hingerafft? Auch ist offenbar, daß diejenigen, welche im Zustand des Niederganges über den guten (Gott) 3 und seinen Sohn obgesiegt hatten, auch am Ende über sie die Gewalt behaupten werden, deren Scharen sie für so unermeßlich halten 4.

Wenn ferner die Götter derselben sterblich sind, wie sollen sie selbst auf eine Auferstehung hoffen und insbesondere auf eine dreiteilige(?) 5 Auferstehung 6, welche man gar nicht für eine Auferstehung halten darf, sondern für eine Nicht-Auferstehung. Wenn aber wirklich, wie sie sagen, der Sohn starb, dann war es auch mit Bezug auf Ormizd und seinen andern Sohn Choraschet nicht recht, zu zweifeln, daß sie nicht sterben, da ja der Stamm ihrer Götter ein Geschlecht von sich Verheiratenden und Sterblichen ist.

Und Götter dieser Art sind gar nicht für Götter zu halten, sondern für Ungötter. Denn, der wahrhaft Gott ist, hat sein Alles von Ewigkeit, wie das Wesen, so auch ewiges Leben und den ewigen Besitz des Sohnes bei sich, ohne irgendwelche Gelegenheitsursachen und ohne Mittelding, und die Schöpfung nicht von Erfindungen, sondern von freier, ihrem Willen dienstbarer Kraft. Er hat auch keinen Widerpart zur Seite, so daß er der Schöpfer des Guten und jener der Schöpfer des Bösen wäre, wie sie die guten Geschöpfe von Ormizd herleiten, die bösen von Ahriman. Sie können auch, wenn sie genau zusehen, [S. 100] gar kein Geschöpf aufzeigen, welches von Natur böse wäre, nicht den Ahriman und nicht die Dämonen, welche sie für seine Geschöpfe halten. Wir haben das vielmals und an reichlichen Beispielen in der ersten Abhandlung zu zeigen nicht versäumt.

Wenn Ahriman ihnen böse erscheint, weil er den Namen Charaman 7 an sich trägt, von dem Umstand, daß er die Sonnenverehrer von der Sonne geworfen, woher er den Namen Charaman erhielt, so ist ähnlich auch Satan nicht Bezeichnung der Natur, sondern des Charakters, wie von der Güte jemand gut, von der Bosheit böse genannt wird. Und das geschieht, weil der Charakter nicht von Natur angeboren ist, sondern erworben wird. Daher erklärt es sich, daß wir vielmal viele Bösewichte Vernunft annehmen und Vernünftige der Bosheit verfallen sehen; daß wir Schamlose zu ehrbarem Wandel sich wenden, Ehrbare der Schamlosigkeit sich ergeben sehen. So der, welcher auf Seiten der Vernünftigen steht.

1: Nach dem Zusammenhang sollte es hier wohl heißen: der Sohn Ormizds.
2: Nach Bayard (s. Schmid S. 112) nicht aus Zend Avesta, sondern dem späteren Zerduscht-Nameh.
3: Nämlich Ormizd (?) (Schmid).
4: Langlois: die unermeßliche Truppen zählen.
5: Wort unsicheren Textes nach Kalemkiar, s. Schmid S. 113. Nahapetean ändert in erekharmatean (Vd) aus drei Wurzeln (sprossend) vgl. Eznik S. 297.
6: Sofern die Auferstehung in drei nacheinander folgenden Gruppen erfolgt, zuerst Gayamart, dann Maschiamah, dann die anderen Menschen. Windischmann Zorastr. Studien, Berlin 1863, S. 115.
7: Aharman = Angro Mainyus.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger