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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

23.

Wenn dem so ist, weshalb, sagen sie, hat Gott ihn zum Versuchen erschaffen 1? Doch wir haben oben [S. 120] durch viele Zeugnisse aus der Heiligen Schrift bewiesen, daß Gott ihn nicht erschaffen hat zum Bedrängen und zum Versuchen, sondern auch durch ihn, der zum Bösen abgefallen ist, wirkt Gott das gute Werk, obwohl der Böse nicht in dieser Absicht zur Versuchung schreitet, sondern auf den Sieg rechnet und dann als überwältigt erfunden wird. Er lässt ihn nach seinem bösen Willen die Tugendhaften versuchen. Indem diese in die Versuchung geraten wie in einen Schmelzofen, werden sie geläutert und erprobt wie reines Gold, das aus dem Feuerofen gekommen ist.

Wenn ihn also Gott zum Diener des Bösen erschaffen hätte, dann würde er nicht in den Tagen des Achab als falscher Geist im Munde der falschen Propheten gewesen sein, sondern es wäre seine Pflicht gewesen, diesen Dienst zu verrichten. Und warum wäre der Geist, der den Herrn Jesus nicht bekennt, nicht von Gott (1. Joh. 4, 3), welcher den Dienst Gottes nicht aufhebt? Und warum würde er Menschenmörder genannt, der durch die Versuchung zum Leben anregt? Und warum würden diejenigen, welche nicht an den Herrn Jesus glauben, Söhne des Bösen genannt, wenn er nach dem Worte Gottes der Versucher wäre? Und wenn die Israeliten Kinder des Bösen wären, welcher gegen Gott willfährig ist, weshalb wird dann auch nicht Abraham so genannt? Und warum wurde der Böse Lügner und Menschenmörder genannt, wenn er auf dem Boden der Wahrheit stände und nicht dem der Lüge?

Und laßt uns einmal schreiben (= annehmen), daß der Jude von sich aus Lügen spreche, warum wird er dann der Vater des Juden genannt (Joh. 8, 44), der seine Natur nicht fälscht, sondern so spricht, wie er geworden ist? Und weshalb sagte der Apostel: „Gehorsam wird unserem Erlöser samt dem Tode auch der Satan sein, und er wird stürzen von seiner Macht und Herrschaft, der von sich selbst sich zu Gott machen wollte“ (3 Kor. 16 meint er 1. Kor. 15, 23-28?). Und weshalb wurde er gebunden und in die Pein überliefert [Offenb. 20, 10]? Nicht deshalb wahrlich, weil er nach eigenem Willen den Dienst Gottes von den Menschen zu empfangen verlangte und den Götzendienst verbreitete und mit [S. 121] Zauberei, Wahrsagerei und Sterndeuterei die Menschen von der Wahrheit Gottes wegführte in den Irrtum.

Und Feind heißt er, weil er den Lolch in den Weizen [Matth. 13, 25] sät. Daher zeigt sich, daß er nicht von Natur, sondern nach seinem Willen Feind ist. Und wenn es zu seiner Natur gehörte, Gott, den Vater, nicht zu erkennen, wieso konnte er den Sohn erkennen und schreien: „Du bist der Sohn Gottes?“ (Mark. 3, 12) [= Markus 3, 11]. Und wiederum mit Bezug auf die Apostel: „Diese Männer sind Diener Gottes des Höchsten“? (Apg. 16, 17.)

Aus all dem ergibt sich klar, daß er nicht von Natur böse ist, sondern durch den Willen. Und Gott hat ihn nicht als Bösen und als Bedränger geschaffen, sondern durch die bösen Sitten seines Willens macht er die Gerechten tugendhaft, und es kommt ihm dafür gar kein Verdienst zu.

1: Anklang an Aitillâha a. a .O.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger