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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

3.

Lassen wir nun jene, und fragen wir diese: War Zerwan, der nach ihrer Behauptung vor allen Dingen war, vollkommen oder unvollkommen? Sagen sie, daß er vollkommen war, so mögen sie hören: Wenn er vollkommen war, wieso war er dann genötigt, um einen Sohn zu bitten, der käme und Himmel und Erde schaffen würde? Denn war er vollkommen, so war er selbst imstande, Himmel und Ende zu erschaffen. War er aber unvollkommen, dann ist offenbar, daß jemand war, der [S. 86] über ihm stand und der seinen Mängeln abhelfen konnte. Und wenn jemand über ihm stand, dann kam es diesem zu, Himmel und Erde und alles, was in ihnen ist, zu erschaffen, um seine Gütigkeit und seine Macht zu zeigen; nicht aber dem Zerwan einen Sohn zu schenken, daß er Himmel und Erde und alles, was in ihnen ist, erschaffe.

Allein er brachte, so behaupten sie, das Opfer dem Ruhm. Da wollen wir fragen: Woher war der Ruhm ihm zugekommen, wurde er verherrlicht, weil er ewig war? Wenn ihm der Ruhm von irgend jemand geschenkt war, so muß man glauben, daß ein Höherer als er war, reicher an Macht und Herrlichkeit, von dem ihm der Ruhm zugekommen ist. War aber kein Höherer, so war es eitel, das tausendjährige Opfer zu bringen. Denn der Ruhm ist nichts, was für sich besteht, sondern vom günstigen Gelingen wird etwas Ruhm benannt, wie vom Mißlingen etwas als Mißglück bezeichnet wird. Beides sind aus dem Zutreffen sich ergebende Verhältnisse, aber nicht selbstbeständige Wesenheiten.

Überdies, wenn die Sonne und der Mond noch nicht waren, durch welche die Stunden, Tage, Monate und Jahre geordnet werden, woher zeigt sich das Jahrtausend? Denn es waren doch die Lichtgestirne noch nicht vorhanden, nach welchen die Zahl der Tage und Monate und Jahre aneinandergereiht wird. So ist es klar, daß (diese Erzählung) sinnlose Torheit ist.

Sodann, wenn Himmel und Erde und was in ihnen ist, noch nicht war, wo verrichtete er (Zerwan) das Opfer und womit? Als die Erde noch nicht war und nicht die Pflanzen, die aus ihr sprossen, woher kam der Fund der Barsomszweige in seine Hände? Oder vollends, was schlachtete er nur zum Opfer, da die Tiere noch nicht geschaffen waren? Was aber das Törichtste von allem ist, sie sagen: Tausend Jahre brachte er ein Opfer und nach tausend Jahren zweifelte er und sprach: Wird mir wohl ein Sohn Ormizd sein; und wenn er mir nicht werden sollte, und ich vergeblich mich bemüht hätte! Dadurch zeigt sich, daß Zerwan schwach war und bedürftig und ohne Wissen. Ja, er war die Ursache des Bösen und nicht Ahriman. Denn wenn er nicht gezweifelt hätte, wie [S. 87] sie erzählen, so wäre Ahriman nicht geworden, den sie als den Schöpfer des Bösen erniedrigen. Aber er zweifelte, was unglaublich ist und voll Ungereimtheit.

Niemals kommen aus einer Quelle zwei Bäche, der eine süß, der andere bitter, nie wachsen an einem Baum zweierlei Früchte, die eine wohlschmeckend, die andere herb. Wenn sie also wissen, daß Zerwan gütig ist, dann dürfen sie die bittere Frucht, den Ahriman, nicht von ihm herleiten. Und wenn sie ihn für mißgünstig betrachten, dann fehlt der Grund, die süße Frucht, den Ormizd, ihm zuzuschreiben. Und es paßt auf sie das göttliche Wort, welches lautet: „Entweder macht ihr den Baum süß und seine Früchte süß, oder ihr macht den Baum bitter und auch seine Früchte bitter, denn am Baume wird seine Frucht erkannt“ (Matth.12, 33 [korrekt: an der Frucht erkennt man den Baum].).

Wenn schon die Geschöpfe alle in ihren Verhältnissen stehen, und keines jemals die ihm gesetzten Grenzen überschreitet, um wieviel mehr müßte Zerwan, wenn er etwas Ewiges wäre, und wenn er die Möglichkeit gesucht hätte, die Geschöpfe zu erschaffen, sei es durch sich, sei es durch jemand anders, sei es auch durch einen Sohn, wie sie sagen, Ordnung gezeigt haben und nicht Ordnungslosigkeit.

Denn wir haben niemals gesehen, daß eine Kuh einen Esel geboren hat und der Esel einen Ochsen und Wölfe Schafe und Schafe Füchse, und nicht Löwen Pferde und Pferde Schlangen. Nur eine Zuchtart gibt es, welche die Menschen außerhalb der Ordnung der Natur erfunden haben, nämlich daß sie aus Pferden und Eseln Maulesel erzielen. Aber diese sind ohne Samen und unfruchtbar. Denn sie sind nicht nach der Ordnung Gottes, sondern stammen aus menschlicher Erfindung. Wenn nun Zerwan ein Stier war, wie gebar er den Skorpion Ahriman? Und wenn er ein Wolf war, wie gebar er das Lamm Ormizd? Sind das nicht wahrhaft Torheiten im menschlichen Denken?

Denn auch Zerwan war ein Mensch, ein Gewaltiger unter den Titanen. Und wie die Griechen und die Arier und alle heidnischen Völker die Herren für [S. 88] Göttersprossen zu halten pflegen, so will der Religionsstoppler der Perser, weil die Leute im Lande ihn (Zerwan) für einen Gott hielten, die Schöpfung des Himmels und der Erde und aller Geschöpfe ihm zuschreiben.

Daß das ein wahres Wort ist, geht auch daraus hervor, daß er die Religion mit menschlichen Sitten zusammenstoppelt und durch Empfängnis und Geburt die religiöse Ordnung zusammengliedert. Denn zuvörderst lehrt er die Geburt der beiden Schöpfer, des Guten und des Bösen, aus einem Vater. Hernach führt er die lichten Geschöpfe auf mütterliche und schwesterliche Vermischung zurück und das aus keinem anderen Grunde als aus fleischlicher Liebe und sinnlicher Begierlichkeit. Denn da er sah, daß das arische Volk der Weiberliebe ergeben war, hat er ihnen in Anpassung an diese weichlichen Sitten die Gesetze zusammengestellt. Wenn sie von ihren Göttern hörten, daß sie unwürdigen Vermischungen hingegeben waren, so sollten auch sie nach ihrem Vorbild denselben Ausschweifungen sich unterschiedslos ergeben. Davon ist aber die Gottheit ferne, die in der Höhe ist! Denn einen Sohn zu haben, geziemt Gott nicht durch Vermählung, sondern von Ewigkeit her wie der Gedanke das Wort, die Quelle den Fluß, das Feuer die Wärme, die Sonne das Licht. Nicht aber ist dies so (zu denken), wie jene sich erkühnen, daß er das Bedürfnis fühlte, daß ihm ein Sohn werde, dessen Name Ormizd wäre.

O Torheit! Noch ist kein Sohn da, und den noch nicht Empfangenen und nicht Geborenen gibt er schon den Namen. Alle Geborenen erhalten nach der Geburt den Namen. Er aber, wieso gab er schon vor der Geburt ihm den Namen Ormizd, als weil er glaubte, daß er sicher einen Sohn bekomme? Und wenn er das sicher glaubte, weshalb zweifelte er dann und wurde durch seinen Zweifel die Ursache der Geburt Ahrimans, durch den das Böse in die Welt kam? Auch das ist zu verwundern, daß der eine nach einem tausendjährigen Opfer kaum wurde und der andere schon nach einem augenblicklichen Zweifel.

[S. 89] Ferner, warum kannte der, der wußte, daß zwei Söhne im Leibe da sind, nicht, daß der eine gut, der andere böse ist? Wenn er das wußte und den Bösen nicht zerstörte, so ist er schuld am Bösen. Und wenn er diesen nicht kannte, wie wäre es glaubhaft, daß er den andern kannte? Und wenn er es dort nicht einsah, hat er ihn auch jetzt, als er ihn finster und übelriechend sah, nicht erkannt? Allein er kannte den Finstern, sah ihn und machte ihn zum König. So ist er die Ursache des Bösen deshalb, weil er den Bösen nicht vernichtete, sondern ihm auch noch die Herrschaft auf neuntausend Jahre übergab. Und über wen erhob er ihn zum König als über die guten Geschöpfe, die durch Ormizd wurden, um sie zu quälen, indem er seine bösen Geschöpfe unter sie mischte.

Doch auch den Ormizd hat er, wie sie behaupten, zum König über ihn gesetzt.

Wenn Ormizd König über ihn wäre, weshalb hat er ihm dann seine guten Geschöpfe zum Quälen überlassen? Wenn der Vater die Geschöpfe des Sohnes nicht schonte, indem er sie den Händen des Bösen überlieferte, wie sollte der Sohn die seinen nicht schonen? Aus Schwäche etwa oder aus bösem Willen? Wenn er sie aus Schwäche nicht schonte 1, dann hat er jetzt keine Herrschaft und auch nicht am Ende gelangt er, wie sie behaupten, zum Siege. War es aber aus Böswilligkeit, dann ergibt sich, daß nicht allein der Vater, welcher den Bösen zum König erhob, schuld ist an den Übeln, sondern auch der Sohn, der sich dem Willen seines Vaters anschloß und Förderer des Bösen wurde.

Wiederum, wenn er die Herrschaft den Söhnen gab, dem einen auf neuntausend Jahre, dem andern auf unbegrenzte Zeit, auf welcher Stufe stand er selbst? Denn so lange nichts dagewesen war, war er König über nichts, denn er war ja auch nicht Schöpfer von etwas. Und als die Söhne wurden, da wurden sie die Schöpfer, der eine des [S. 90] Guten, der andere des Bösen, sie wurden die Könige, der eine eine Zeitlang, der andere für immer. Zerwan blieb seinerseits ohne Teilnahme an der Schöpfung und ohne Teilnahme an der Herrschaft. Denn Schöpfer ist er nicht, da es nichts gibt, was er geschaffen hatte; König wurde er auch nicht, denn über welches der Geschöpfe wurde er Herrscher? Da dieser nun weder Schöpfer ist noch Geschöpf, so war er auch niemals Gott und ist es nicht und wird es nicht.

1: Norayr a. a. O. S. 16 (Vd): vertauscht das Zeitwort tschzemeghithse mit tschzkterithse nicht begründete, aufstellte oder befestigte.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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