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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

19.

Die Tiere besitzen die natürlichen Instinkte auch nicht allein, sondern auch die sprach- und vernunftbegabten Menschen (haben solche). Wenn z. B. das Auge blinkt, so ist das, wie diejenigen sagen, welche oft darauf achten, ein vom naturhaften Instinkt herrührendes Zeichen, daß man jemand Neuen sieht. Wenn in den Weichen oder an anderen Gliedern das Fleisch sich regt, so ist das, wie sie sagen, das Zeichen, daß jemand reitet, oder kostbare Kleider anzieht, oder daß er mit einem Freunde zusammentrifft, oder daß er Schläge empfängt. Ähnlich ist ein Kitzel am Fuß oder an der Hand das Zeichen, daß man eine Reise macht oder des Regens, und das andere ein Zeichen, daß man von jemand etwas erhalten oder etwas geben wird. Desgleichen ist das Niesen und das Kitzeln 1 auf der Zunge und das Sausen in den Ohren und das Kitzeln des Halses nicht von irgendeinem bösen Geist, sondern von naturhaften Instinkten, die vom Schöpfer in die Glieder gelegt sind, damit, wenn die verständige Vorsicht mangelt, man durch naturhafte Instinkte Bewahrung finde.

Und das Gähnen und Sich-Strecken rührt nicht, wie manche glauben, vom Dämon her, sondern von der körperlichen Erlahmung und Erschlaffung. Daher führen [S. 117] kundige Ärzte das häufige Gähnen und Sich-Strecken auf eine Ansammlung von Schleim zurück, und die Erfahrung bestätigt dies. Denn wenn jemand häufig gähnt, so geht ein Zittern durch die Gebeine und ein Schauer überläuft die Glieder.

Und auch das Niesen entsteht nicht durch einen Engel, sondern entweder von der Kälte oder aus anderen natürlichen Reizen. Auch das Seufzen stellt sich bald durch eine Erinnerung, bald ohne die Erinnerung an jemand ein. Und daß sie von natürlichen Reizen und nicht von Dämonen herrühren, zeigt sich darin, daß sie auch in der Natur der Tiere sich finden. Das Seufzen, auch wenn es nicht herrührt von der Erinnerung an jemand oder an etwas Gutes oder Schweres, kommt von einem natürlichen Reiz, um einen zur Furcht gegen den Schöpfer anzutreiben oder um einen die Schwachheit seiner Natur erkennen zu lassen. Und wenn es mit einer Erinnerung eintritt, so ist es entweder aus Liebe zum Geliebten oder aus dem Weinen über etwas Unwürdiges und Schädliches, wie wer im wachen Zustand müßig geht, in nächtlichen Traumbildern mit Furcht erfüllt wird.

1: Arm lezuin ktsel in der Volkssprache soviel als jemandes gedenken.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger