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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

17.

Das Gute zu wollen und nicht das Böse, das war die Betätigung der Güte seiner menschenfreundlichen Natur. Im Vorausblick auf die Verstockung Pharaos sagt er: Ich werde das Herz Pharaos verhärten (Exod. 7, 3; 10, 3).

Und wenn er ihn verhärtete, sagen sie 1, weshalb verhängte er die Plagen über ihn und das Land der Ägypter? Doch der Apostel tritt als Verteidiger seines Herrn auf. Nicht er hat Pharao verstockt, sondern jener selbst sich selbst. Und das Wort Gottes: „Ich habe verhärtet“ (Röm. 9, 17), ist so zu verstehen, wie wenn jemand seinen Nebenmenschen oder seinen Knecht ehrte, dieser aber stolz den verachtet, der ihm Ehre antat, und dann der erstere sagt: Weshalb gebe ich ihm die Schuld? Ich selbst habe mir die Beleidigungen bereitet, weil ich einem Unwürdigen Ehre antat. So ist auch das Wort Gottes zu verstehen: Ich bin durch meine Güte die Ursache der Verhärtung desselben geworden, weil ich nicht schon anfangs seinen Erstgeborenen 2 getötet habe.

Aber Gott wollte, sagt (d)er (Apostel), seinen Zorn zeigen und seine Macht kundtun, welche er mit großer Langmut über die zum Untergang bestimmten Gefäße ausübte. Daraus erhellt, daß die Langmut Gottes die [S. 112] Ursache der Herzensverhärtung des Pharao wurde, sofern er die letzten Plagen nicht am Anfang über ihn verhängte.

Daß jedoch Gott das Herz des Pharao nicht versteinert hatte, ist daraus zu erkennen, daß er bald einwilligte, das V olk zu entlassen, bald nicht einwilligte. Und die zum Untergang bereiten Gefäße haben sich selbst (dazu) gemacht, und nicht Gott, von dem der Apostel sagt: Er 3 will, daß alle Menschen leben und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen [1. Tim 2, 4]; (Joh. 3, 15). Fürwahr, gehören diese nicht auch zu allen Menschen?

Und nicht, wie die gegnerische Seite sagt, daß es nicht auf das Wollen noch auf das Laufen ankommt, sondern auf das Erbarmen Gottes (Röm. 9, 16). „Denn er erbarmt sich, wessen er will, und verhärtet, wen er will.“ Der Heilige bringt seinen Gegner zum Schweigen, indem er sagt: „Wer bist du, o Mensch, daß du Rechenschaft verlangst von Gott? Auch wenn es so wäre, wer wärest du, daß du Rechenschaft von Gott verlangtest? Sagt denn der Ton zum Töpfer, weshalb hast du so mich gebildet?" (Römer 9, 20.) Aber daß es nicht so ist, sagt derselbe im gleichen Briefe: „Wenn ihr wollt, unterwerft ihr euch selbst im Gehorsam, sei es der Gerechtigkeit, sei es im Gehorsam der Sünde“ (Römer 6, 12) [und Römer 6, 16]. Und an Timotheus schreibend, sagt er: „Wenn jemand sich selbst reinigt, wird er ein nützliches Gefäß, zubereitet zum Dienst seines Herrn“ (3 Tim. 2, 27) [= 2. Tim. 2, 21]. Und der Prophet sagt: „Wenn ihr willig seid und mich höret, werdet ihr das Gut der Erde genießen“ (Is. 1, 19).

Aus all diesen und vielen andern Stellen erhellt, daß nicht er Gefäße des Zornes bildet für den Untergang und nicht Gefäße der Erbarmung zur Ehre, sondern sie selbst (bilden) sich selbst, sei es für den Untergang, sei es zur Ehre. Daß bei Gott keine Parteilichkeit ist, sagt er (mit den Worten): „Ist etwa Gott nur (der Gott) der Juden und nicht auch der Heiden? Ja, auch der Heiden. Denn es ist derselbe Gott, der die Beschneidung rechtfertigt durch den Glauben und die Unbeschnittenheit durch denselben [S. 113] Glauben“ (Apg. 10, 24; Röm. 2, 11; Kol. 3, 25; Röm. 3, 20) [und Römer 3, 29 f.]. Und wiederum (sagt) der (Apostel): „Welche er gerufen hat nicht nur aus den Juden, sondern auch aus den Heiden“ (Röm. 9, 24). Und an einem andern Ort: „Es ist ein Herr und ein Glaube und eine Taufe und ein Gott über alle und mit allen und durch alles“ (Eph. 4, 5 f.).

Als er ferner den Juden zum voraus die Gefangenschaft angedroht hatte, da gelobte er: „Ich habe gesprochen, nun werde ich handeln und nicht umkehren“ (Ezech. 22, 14; 36, 36). Nicht als wäre dies sein eigener Wille gewesen, sondern ihre Gottlosigkeit führte ihn zu dem, was er nicht wollte. Wenn sie nicht noch nach seinen Drohungen sich ihm in derselben Hartnäckigkeit widersetzt hätten, hätte er sie nicht in die Hände der Feinde überliefert. Er hielt es für besser, seine Worte zu übergehen, als sie in die Hände fremder Völker zu übergeben. In dieser Weise hat er in Ansehung der Buße der Niniviten die Stadt nicht zerstört (Jon. 3, 10).

Ebenso spricht er wiederum aus seiner Voraussicht von Jeremias: „Ehe du im Mutterleib gebildet wurdest, kannte ich dich“ (Jer. 1, 5). „Ich kannte dich“, sagt er, um zu zeigen, daß er zum voraus wußte, wie einer werden würde, und er bezeichnete ihn als Heiligen dadurch, daß er sagte: „Bevor du aus dem Mutterleib gekommen warest, kannte ich dich und reinigte ich dich und gab dich den Völkern als Propheten“ (Jer. 1, 5).

Ähnlich ist es mit Samuel (1 Kön. 1, 20) [= 1. Samuel 1, 20], Johannes (Luk. 1, 41) und Paulus. Wie auch dieser 4 sagt: „Er hat mich auserwählt vom Leibe meiner Mutter an, zu verkünden (im Evangelium) seinen Sohn durch mich“ (Gal. 1, 15. 16). So auch mit allen Heiligen, wie der Apostel sagt: „Die er zum voraus kannte, hat er auch zum voraus bestimmt, gleichförmig zu werden dem Bilde seines Sohnes“ (Röm. 8, 20) [= Römer 8, 29 f]. Und wiederum: „Er hat uns auserwählt, ehedem die Welt war“ (Eph. 1, 4).

Und daß Gott das Gute will, lehrt unser Herr mit den Worten: „Das ist der Wille meines Vaters, der im Himmel ist, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn [S. 114] glaubt, das ewige Leben empfange“ (Joh. 6, 40). Und dazu; „Meine Speise ist die, daß ich den Willen meines Vaters tue“ (Joh. 4, 34); und „Das ist der Wille meines Vaters, daß von allen, welche mir der Vater übergeben hat, keines verloren gehe, sondern, daß ich sie auferwecke am Jüngsten Tage“ (Joh. 6, 39).

Er 5 will also, daß alle, welche an den Sohn glauben, nicht verloren gehen, sondern daß sie auferstehen am Tage der Auferstehung. Und das Werk der Auferstehung wird geschehen nach vielen Geschlechtern. Aber Gott hatte den guten Willen von Natur und hat ihn; der Wille ist nicht erst (nachträglich) über ihn gekommen, sondern (er ist) naturhaft entsprechend der unsäglichen Güte. Und wie wir im vorstehenden gesagt haben, sein Wille liebt immer das Gute und er will, daß seine vernunftbegabten Geschöpfe nach dem Guten voll Sehnsucht verlangen und Vollführer der Gerechtigkeit werden sollen.

Allein, da er weiß, daß ein Teil nach seinem Willen wandelt, der andere Teil aber nicht, deshalb hat er die Tugend der einen, um die andern zum guten Eifer anzutreiben, schon vom Mutterleibe an verkündigt, ebenso die Nichtswürdigkeit der andern; nicht als ob er den einen schon im Mutterleibe als nichtswürdig erschaffen habe, den andern als trefflich. Und wenn es so wäre, was wäre es dann angebracht, den Trefflichen zu loben und den Nichtswürdigen zu tadeln, da er selbst der Urheber sowohl der Würdigkeit als der Nichtswürdigkeit wäre 6? Ja es dürfte derselbe nicht einmal der Nichtswürdigkeit beschuldigt werden, wenn er ihn so im Mutterleib gebildet hätte.

Und nun ist deutlich, daß, wenn Gott spricht: „Den Jakob habe ich geliebt, den Esau aber gehaßt“, dies der Ausdruck dafür ist, daß er voraus wußte, daß jener liebenswürdig sein werde infolge seiner Sitten, dieser aber hassenswert. Und daß Esau infolge seiner Sitten hassenswert wurde, sagt der Apostel: „Kein Unkeuscher oder Unreiner wie Esau und keiner möge wie eine bittere [S. 115] Wurzel in der Höhe erscheinen und die andern bedrücken“ (Hebräer 12, 15). Auch daß Esau durch eigenen Willen, nicht durch Gottes Schöpfung, so wurde, hat er kundgetan 7, wie er auch anderswo sagt: „Gott hat den Menschen recht erschaffen und sie haben die Gedanken des Bösen ersonnen.“ Und durch den Propheten erklärt er: „Ich habe dich gepflanzt als lieblichen Weinstock, weshalb nun hast du dich mir zur Bitterkeit verkehrt als unfruchtbarer Weinstock?“ (Jer. 2, 21).

1: Die Marcioniten.
2: V. Mehrzahl bei S.
3: S.: Gott.
4: S.: Paulus.
5: S.: der Vater.
6: So S. K. ist V.
7: Anklang an Aitillâha a. a. O.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger