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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

16.

Das müssen wir allerdings wissen, daß alle Schädigungen, welche von Missetätern zugefügt werden, Gott zum voraus weiß.

Wenn er den Schaden, der über einen Menschen kommen wird, weiß, sagen sie, weshalb wehrt er ihn nicht ab?

[S. 110] Wieviel Schädigungen Gott von den Menschen abwehrt, das ist nicht allen bekannt, sondern ihm allein, der seine Fürsorge über alle nach ihren Bedürfnissen walten läßt. Er verhindert bisweilen den Schaden der Unheilstifter, damit es nicht scheine, als vermöchte er nicht, das Unheil abzuhalten. Dann aber läßt er auch zu, daß ein Übeltäter seinen Willen am Nächsten 1 erfüllt, damit es nicht scheine, als ob er die Vernunftwesen mit Notwendigkeit leite, sondern damit in dem Werke eines jeden seine Erprobung kund würde. Er weiß alles im voraus und das Vorauswissen ist nicht die Ursache der Übel. Denn wenn jemand sieht, wie sein Nebenmensch über eine schlüpfrige Stelle geht und da sagt, daß er ausgleiten wird, dann ist er doch nicht Ursache für das Ausgleiten des Nächsten geworden. Auch wenn er den Nächsten nach einer von Räubern erfüllten Gegend gehen sieht und sagt, daß er Unheil findet, ist er nicht Ursache des Nachteils. Und wenn er sieht, daß der Sohn eines Edelmanns sich Ausschweifungen ergibt 2, und er sagt, daß derselbe die väterlichen Güter vergeuden wird, so ist er nicht Ursache der Verschwendung des Vermögens. So ist auch das Vorherwissen Gottes nicht Ursache des Guten oder Bösen.

Gott weiß alles zum voraus. Aber es gibt Dinge, die er will, und gibt Dinge, die er nicht will. Er wollte die Sintflut herbeiführen, aber das war nicht sein Wille, daß die Sintflut Mensch und Tier zusammen hinraffe, sondern die Verwegenheit der unwürdigen Verbindung des Geschlechtes vermochte ihn zu dem, was er nicht tun wollte. Er gelobt in dieser Weise selbst durch den Propheten: Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe.

Er wollte, daß Adam nicht sündigte. Aber da er dessen Sünde vorauswußte, befahl er ihm, nicht von der Frucht des Baumes zu essen (Gen. 2, 7) [= Genesis 2, 17]. Und weil er dem Befehl nicht gehorchte, wurde er mit Recht bestraft. Zum voraus wußte Gott von Jakob, daß er tugendhaft sein [S. 111] werde, und von Esau, daß er sich in Verkehrtheiten stürzen werde. Daher sprach er, bevor sie geboren waren, und ehe sie etwas Gutes oder Böses getan hatten, Jakob liebe ich, Esau aber hasse ich (Röm. 9, 11. 13) und [Mal. 1, 2 f.]. Und im Vorausblick auf den Eifer des Königs Josias von Juda tat er durch den Propheten zum voraus kund, daß aus ihnen sich ein König erheben werde, der dem Götzendienst der Söhne Israels ein Ende machen werde (3 Kön. 13, 2; 1 Esdr. 1) [= 1. Kön. 13, 2;]. Da er auch den Edelmut des Persers Cyrus voraussah, verkündigte er vorher, daß derselbe die Gefangenen des Volkes befreien werde [Jer. 29, 10]; (2 Chron. 36, 22) [Esra 1]. Und es ist klar, daß das Vorauswissen ein Vorzug des wunderbaren Wesens ist.

1: So V. am Schaden des Nächsten S.
2: Norayr ändert haseal in: hateal (von Ausschweifungen) fortgerissen sieht (Vd).

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger