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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

15.

Wie nun offenbar kein Stern die Ursache für die Königsherrschaft ist, so ist es auch keiner für die Gewalt und für das Erlangen von Reichtum, ganz besonders, da wir sehen, wie Reiche verarmen und Arme reich werden. Werden sie etwa auch noch behaupten können, daß ein und derselbe Stern die Ursache von Reichtum und Armut, von Kraft und Schwäche sei? Denn wir sehen ja, daß bisweilen Starke schwach werden und Schwache erstarken, Verkehrte Vernunft annehmen und Kluge sich der Bosheit ergeben. Wo hätte dann das Bestand, daß es dem, was im Schicksalsbuch der Bestimmungen geschrieben, [S. 109] ganz unmöglich ist, sich zu entziehen 1, sondern daß derjenige, welcher einmal als ehrenvoll eingeschrieben ist, auch ehrenvoll ist, und wer als elend, elend ist, und daß, wo und von was die Bestimmungen sind, gemäß dem (die Menschen) auch sterben; und daß ein Entrinnen aus dem bestimmten Schicksal unmöglich sei.

O schwaches Schicksal, o kraftlose Bestimmung, welche Diebe und Räuber durchbrechen können, wenn sie über einen herfallen und ihn der Güter und des Lebenslichtes berauben! Wenn die Dinge nach einem vorausbestimmten Schicksalsspruch bewirkt würden, dann wäre es nicht mehr nötig, daß Könige einen Todesbefehl geben, noch daß die Richter einen Menschenmörder entfernen und töten lassen. Indem diese aber ihre Strafe walten lassen, zeigen sie, daß die Vergehungen der Übeltäter nicht nach einem vorausbestimmten Schicksal geschehen, sondern durch die Gewaltmacht der Bosheit.

Und wenn dann Räuber in ein Land einbrechen, um die Leute auszuplündern und zu morden, dann sollten sie keine Soldaten zusammenrufen, nicht Schar um Schar sammeln, um die Räuber aus dem Lande zu treiben; sondern sie müßten ein Gesetz geben, daß das Land die Bestimmung hat, von den Räubern verwüstet zu werden, und wie sollten wir uns gegen das Geschick wenden? Indem sie aber Truppen sammeln und den Feind aus dem Land werfen, zeigen sie, daß die Verwüstungen nicht kraft eines fest bestimmten Schicksals angerichtet werden, sondern von der Gewaltmacht der Räuber, der von Habsucht getrieben kommt, das Land verwüstet und es seiner Güter und Besitzungen beraubt.

1: Vgl. dazu Casartelli, la philosophie religieuse de Mazdeisme sous les Sassanides, Paris 1884, S. 140. Schmid S. 125.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger