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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

14.

Des weiteren halten sie die Sterne für die Ursachen von Glück und Unglück. Als wären die Sternbilder etwas, und als würden gemäß dem Zusammentreffen der verursachenden Sterne 1 mit den Sternbildern die Geburten geschehen.

Wenn jemand geboren wird, solange der Löwe im Sternbild ist, sagen sie, der ist bestimmt, König zu werden. Wird jemand geboren, während der Stier (darin) ist, so wird er stark und glücklich 2 sein; wird jemand geboren, während der Widder (darin) ist, so wird er reich werden und wie dieser dichthaarig und wollig; wird jemand geboren, während der Skorpion (darin) ist, so wird er schlecht und schädlich werden. Und andere (Sternbilder) werden die Ursachen verschiedener anderer Dinge. So stirbt, wenn Kronos in das Sternbild eintritt, ein König. Das trat zweimal ein, wie sie sagen, unter Kaiser Theodosius, und die Chaldäer behaupteten fest, daß der König stirbt. Er aber ist nicht gestorben, damit die lügnerische Wahrsagerei zuschanden werde.

Nun sollen sie uns zuerst darüber Aufschluß geben: Wer hat diese irdischen Namen, Aasfresser und Pflanzenfresser, zum Himmel erhoben, daß sie dort die Ursachen für die Geburt der Menschen werden sollten? Denn wer die Ursache der Geburt für jemand soll sein können, der muß durch Weisheit größer sein als der, dessen Ursache er ist. So wollen wir mit dem gemeinen Verstande schauen und sehen, wer höher steht, der Mensch, welcher über das Tier gebietet, oder das Tier, welches unter dem Joch des Menschen steht. Nicht allein unter seinem Joch steht es ja, sondern ist auch seine Nahrung. Nun sehen wir, daß von den wilden Tieren die einen fliehen, die anderen in dichten Wäldern sich bergen, wenn sie nur die Stimme des Menschen hören. Denn Gott hat Angst und Schrecken vor [S. 107] dem Menschen über die wilden Tiere, die Reptilien, über Vieh und Vögel kommen lassen, um ihn mit Ehre auszuzeichnen. Er hat auch seine Erschaffung in neuer Weise ausgeführt, indem er ihn bildete, gleichsam wie mit Händen, und ihm den Lebensodem einblies, gleichsam wie mit dem Munde. Dadurch hat er geoffenbart, daß er ihn höherer Ehre würdig erweisen will.

Daß aber Gott erhaben ist über die zusammengesetzten Körperwesen, das ist denen, die die Wahrheit haben, offenbar. Und wenn seinetwegen das Wild und das Vieh geworden ist, wie die Erfahrung zeigt, wie kam es, daß sie in den Himmel hinauf gelangten und die Ursachen der Geburt des Menschen wurden? Sie sind doch soweit entfernt vom Leben, wie ein Licht, das von Menschen gemacht ist, um das Haus in der Nacht zu erleuchten. Wie aber könnten leblose Wesen die Ursache für die Geburt lebendiger Wesen sein?

Freilich machen jene geltend, wenn sie nicht lebendig wären, würden sie auch keine Bewegung haben. Da sie sich aber bewegen, so ist klar, daß sie lebendig sind.

Nun mögen sie sich sagen lassen: Wenn alles, was sich bewegt, lebendig wäre, dann wäre auch das Wasser, das fließt, für lebendig zu halten. Auch das Feuer, das in Bewegung ist, müßte für lebendig angesehen werden. Licht und Wind müßten wegen des Wehens zum Lebenden gerechnet werden, auch Pflanzen und Kräuter, wiewohl sie nur langsam sich bewegen, aber doch durch ihr Wachstum erkennen lassen, daß sie Bewegung haben. Wie nun nicht alles, was in Bewegung ist, geistiges und vernünftiges Leben hat, so haben es auch nicht Sonne, Mond und Sterne. Noch auch der Himmel, um welchen jene kreisen, hat geistiges und vernünftiges Leben. Himmel und Erde sind vielmehr als die ruhenden Gefäße vom Schöpfer hingestellt worden, um in sich alles beschlossen zu halten, was in ihnen ist; und die Lichtgestirne als erhellende Leuchten, die Finsternis im großen Hause (der Schöpfung) zu verscheuchen. Sie sind von Natur Diener gemäß dem Willen ihres Schöpfers, zum Besten aller Lebewesen. Sie sind nicht für sich bestehende Wesen, denn sie wissen nicht, ob sie sind oder nicht sind. In gleicher [S. 108] Weise sind Himmel und Erde, Wasser, Holz und Felsen wegen derer, für die sie geworden sind, aber nicht für sich seiende Dinge. Denn sie wissen nicht, ob sie sind, oder ob sie nicht sind, deshalb, weil sie weder Vernunft noch Verstand haben.

Was ferner ihre Behauptung betrifft, wenn der Löwe im Sternbild sei, werde ein König geboren, so müßten, wenn dem so wäre, vielmals viele Könige geboren werden; denn es kommt nicht nur ein Mensch auf die Welt, wenn der Löwe im Sternbild ist, sondern viele.

Und wenn in Wahrheit der Löwe die Ursache für die Geburt der Könige wäre, dann würde nicht der Sohn des Königs König werden, sondern irgendein(es beliebigen Mannes Sohn), dessen Geburt gerade mit dem Eintritt des Löwen in das Sternbild zusammentraf. Aber sehen wir zu, so wird der Sohn des Königs König, wie Salomo, der Sohn Davids, den Thron seines Vaters bestieg und dessen Sohn wieder den Thron jenes, und so ist, einer nach dem andern, die Reihe der Könige von Juda fortgeführt worden bis zu den Makkabäern. In ähnlicher Weise empfängt bei den Assyrern und Babyloniern der Sohn vom Vater der Reihe nach die Königsherrschaft. Ebenso haben die Sassaniden, von einem gewissen Sassan, Sohn auf Vater der Reihe nach folgend, bis heute die Herrschaft der Sassaniden erhalten. Und es hat sich nicht gefunden, daß, (wenn) am Himmel der Löwe in das Sternbild eingetreten, im Orient das Königtum auf ein anderes Geschlecht übergegangen wäre.

1: Indem der Stern (eines Volkes oder Geschlechtes) in ein bestimmtes Sternbild eintritt.
2: Schmid: anmutig. Im Armenischen statt Stier: Ochse.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger