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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

12.

Andere haben über den Satan allerdings eine andere Meinung aufgestellt, nämlich, daß Gott ihn böse erschaffen habe.

Aber wenn Gott ihn als böse geschaffen hätte, weshalb treibt dann die Kirche Teufel aus? Wenn die Teufel als Rächer des Bösen aufgestellt sind, dann tut die Kirche denjenigen schaden, welche durch dieselben ermahnt werden sollen, und stellt sich dem Willen [S. 103] Gottes entgegen. Denn dieser hat sie zur Warnung erschaffen, und jene treibt sie aus. Allein, daß sie die Gewalt zum Austreiben nicht von sich besitzt, sondern von Gott, ist daher offenbar, daß, wenn der Herr nicht den Zwölfen den Geist eingehaucht hätte (Joh. 20, 22) und den Siebzig die Gewalt gegeben hätte (Matth. 10, 8; Mark. 6, 7; Luk. 10, 17), hätten sie die Teufel nicht austreiben können. Und auch er selbst hätte sie nicht gescholten, wenn er sie als Ermahner erachtet hätte, noch hätte er seinen Jüngern befohlen, sie auszutreiben, wenn jene auf seinen Befehl in den Menschen hineingefahren wären.

Wie käme es auch, daß die Engel sich freuen, wenn sie den Namen Gottes hören, die Teufel aber niemals, sondern vielmehr erschaudern (Jak. 2, 19), wenn sie ihn hören? Wenn die Dämonen Verminderer der Sünden wären, dann hätten sie die Menschen niemals zum Götzendienst verleitet und zu den verschiedenen Sekten der Philosophen und Häretiker, zu den Losewerfern, zu den Fatalisten und zu den gebundenen Bestimmungen, zum Aufschauen zu den Gestirnen, als wären sie die Ursachen des Glückes und des Verhängnisses.

Daß nun der Götzendienst eine Erfindung der Dämonen ist, bezeugt uns David: „Alle Götter der Heiden sind Dämonen“ (Ps. 95, 5) [=Psalm 96, 5]. Und der heilige Paulus sagt: „Welche Gemeinschaft besteht zwischen Christus und Beliar?“ (2 Kor. 6, 15). Nun siehe, nach ihrer Lehre bestände zwischen ihnen eine gegenseitige Gemeinschaft. Denn wenn er (der Dämon Beliar) deshalb, weil Gott ihn bös erschuf, Böses wirkte, bestände kein Recht, ihn böse zu nennen, sondern bloß Rächer. Böse wäre er vielmehr dann, wenn er seinen Auftrag nicht vollführte.

Warum hat aber nicht er, sondern der Engel Gottes die Erstgeburt der Ägypter geschlagen (Ex. 17, 29) [= Exodus 12, 29] und vielmals dann die Juden in der Wüste? Denn wenn er dazu bestellt war, warum hat nicht er diese geschlagen, sondern der Engel? Und in den Tagen Davids die siebzigtausend aus den zwölf Stämmen Israels (2 Kön. 24, 15) [= 2 Samuel 24, 15), in dem Lager der Assyrer die hundertfünfundsiebzigtausend 1 (4 Kön. 19, 35; Is. 37, 36) [= 2. Könige 19, 35; Is 37, 36) Krieger 2? Diese [S. 104] erschlug der Engel Gottes und nicht die Dämonen. Warum auch sagte in den Tagen des Josua, des Sohnes des Josedek [Esra 3, 8; Haggai 1, 1], der Engel zum Verleumdergeist, der ihm entgegengetreten war: Es schelte dich der Herr, Satan (Zach. 3, 2). Weshalb werden die Juden Kinder Satans genannt um ihrer Gesetzesübertretungen willen, wenn dieser dem Befehle treu wäre, den er erhalten hätte, und jene die Gebote übertreten? Und überhaupt, wie würde er sogar „Lügner“ genannt (Joh. 8, 44), wenn er gerecht in der Ordnung sich hielte? Denn nicht von ihm wäre das Böse, sondern von dem, der ihn so beschaffen erschuf. Und weshalb wurde er hinausgestoßen in die Finsternis draußen?

Sie ihrerseits behaupten wohl, die Finsternis ist für ihn Ruhe. Aber fürwahr, das war nicht das Geschrei der Legion Teufel (Luk. 8, 31), sondern daß ihnen Qualen bereitet seien. Was ist zwischen uns und dir, sagte er, Sohn Gottes, daß du vor der Zeit kommst, uns zu quälen? (Matth. 8, 29) Und um seine Nichtswürdigkeit zu offenbaren, sagt er (Christus): Niemand kann die Waffenrüstung des Starken nehmen, wenn er nicht zuvor den Starken gefesselt hat (Mark. 3, 27). Aber warum fesselte er ihn, wenn nicht deshalb, weil er wußte, daß er mit seinem Wollen böse ist, und, wenn er will, imstande ist, gut zu werden.

Wenn er (Gott) ihn durch seine Natur zum Bösen bestimmt hätte, weshalb gab er ihm dann tadelnd den Namen des Bösen, da er doch nur die Natur so bewahrte, wie sie geworden war? Auch der Bestrafung wäre er nicht würdig, weil er seine Natur erprobte. Niemand straft doch auch das Feuer (mit der Anklage): Warum brennst du, und das Wasser: Warum ertränkst du? In gleichem Sinne aber lösen sich die Fragen wegen der Schicksalsbestimmung zugleich.

1: Bei E. hundertfünfundachtzigtausend.
2: Fehlt bei E.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger