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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.

11.

Aber auch in Hinsicht auf die vernunftlosen Tiere darf man wegen der verschiedenen Charaktereigenschaften nicht zwei Schöpfer annehmen, so wie jene in ihrer Torheit gemeint haben, daß Ormizd an den Tieren die Vierfüßler, die Vögel, die Fische und alles, was gut und schön ist, geschaffen habe, hingegen Ahriman die bösen Raubtiere, die unreinen Vögel, die Kriechtiere und Schlangen, die Skorpionen und alles Ungeziefer. Wenn Himmel und Erde und Luft und Wasser Geschöpfe des Ormizd sind, wieso wohnen dann die schädlichen Geschöpfe des Ahriman auf derselben Erde, und atmen dieselbe Luft, und nähren sich von derselben Nahrung, die auf der Erde sich findet, und findet in denselben Gewässern das häßliche Ungeziefer neben den reinen Fischen seinen Unterhalt, und sind in denselben Lüften aasfressende Vögel mit den edleren Vögeln zu sehen? Diese müßte Ormizd, der gute Schöpfer 1, ausrotten, nicht aber ernähren, denn sein ist die Erde, das Wasser und die Luft.

[S. 101] Und will man die wilden Tiere wegen ihrer Schädlichkeit von einem bösen Schöpfer glauben, dann wäre es passender, den Menschen vom bösen Schöpfer (stammend) anzunehmen, als dieselben. Denn diese sind den wilden Tieren viel schädlicher, als die wilden Tiere ihnen. Aus Städten und Dörfern kommen sie, die wilden Tiere zu töten, während diese eilig auf die Berge und in die Höhlen fliehen und sich zu bergen suchen. Die Verstecke mancher derselben sind ganz außerhalb des Umganges der Menschen.

Ähnlich verkriechen sich die Reptilien, wenn sie ein Geräusch von Menschen vernommen haben, die einen in Löcher, andere in Gräben und andere in Erdhöhlen, um sich zu verbergen. Und wenn sie, heftig bedrängt, einen Menschen verletzen, so ist das nicht ihre, sondern die Schuld des Menschen 2. Man darf daher die Raubtiere und das Ungeziefer nicht als Werke des Bösen betrachten, sondern als solche des einen guten Schöpfers. (Er hat die) einen für die Bedürfnisse, die andern zur Verschönerung, andere zum Schrecken (erschaffen), um den grundlosen Stolz des Menschen zu beugen. Und bleiben wir beim Hinblick auf ihre Schädlichkeit, so schaden sie doch einander nicht 3. Wenn es dann recht ist, ihre Schädlichkeit, welche nicht aus Überlegung sich äußert, zu hassen, wieviel mehr ist das am Platze gegenüber der Schädlichkeit des Menschen, die planmäßig und mit Hinterlist sich betätigt.

Auch mit nichtigen Wesen belästigt er uns, wie mit dem Floh und der Fliege, der Mücke, der Wespe, der Stechmücke, der Maus und vielen anderen derartigen Wesen, welche unbedeutend, aber uns doch Last machen können. Denn es sind darunter, welche uns Mühe machen, und auch solche, welche uns schaden, wie die Maus, die Motte und der Wurm und derartige Tiere. Durch diese demütigt und beugt er unsere Sinne. Denn wenn wir finden, daß selbst kleine Wesen uns schädlich sein können, [S. 102] da werden wir ablassen von dem eitlen Stolze und uns nicht mehr für hochwertig halten.

Überdies sollte Gottes Vorsehung uns zu Gemüt geführt werden. Wenn schon die kleinen Tiere uns schaden können, wie könnten wir (leben), wenn er uns unter die Schlangen und wilden Tiere als Mitbewohner geschaffen hätte. Auch darauf müssen wir noch schauen, wie er die Tiere wegen unserer Bedürfnisse uns untertänig machte, die Pferde, die Kamele, Elefanten, das Rind und Schaf, und auf den Bergen und in den Ebenen die Rehe und die Hirsche und die Steinböcke 4. Die einen von diesen dienen als Lasttiere, die anderen zur Nahrung.

Auch gab er uns dann zu wissen, daß wir diejenigen überwältigen können, die er will; diejenigen aber, die er nicht will, können wir nicht bezwingen. Das gilt nicht bloß von den bedeutenden, sondern auch von den unbedeutenden. Was ist nichtiger als der Floh und die Maus. Und wir können sie nicht ausrotten und nicht von der Welt vertreiben. In den Gewässern gibt es noch einige andere, die nicht unseren Bedürfnissen dienen, sondern nur zur Belästigung. Sehen wir, daß wir unvermögend sind, sie auszurotten, da mögen wir unsere eigene Schwachheit erkennen und vom eiteln Stolz ablassen; jenem allein sollen wir den Sieg zuerkennen, welcher mit dem Geringfügigen uns Last macht und die großen uns untertan macht z. B. den Elefanten, das Kamel, den Löwen, den Leoparden und Panther, von denen man die einen zum Lasttragen, die andern zum Vergnügen abrichtet und zähmt.

1: Nach S. K. gegen V. wo araratsothsn steht.
2: S.: so sind dafür die Menschen die Ursache, nicht sie.
3: Schmid: Hinblickend auf ihre Schädlichkeit möchte man nicht sich gegenseitig schaden.
4: Das armenische Wort ist unsicherer Deutung.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger