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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

10.

[S. 42] Jetzt wollen wir an die Untersuchung der Dinge selbst herantreten, denn wenn die Auseinandersetzung mit Sorgfalt geschieht, wird die Klarheit der Betrachtung leicht zutage treten.

Wollen sie denn nun Gott gut und wohltätig nennen? Gewiss müssen sie ihn als gut und wohltätig anerkennen und daß keinerlei Bosheit an ihn herankommt. Ist dem nun also, so wollen wir zunächst über den Ehebruch und die Unkeuschheit fragen und hernach über andere verwandte Erscheinungen. Wenn solche Missetaten mit Gottes Willen geschehen würden, weshalb fordert er dann Rache von denen, welche das Böse getan haben. Dadurch, daß er für böse Taten Rache nimmt, wird es im Gegenteil klar, daß er das Böse nicht liebt, sondern es haßt und ernste Strafe über die Täter verhängt. Diesen erscheinen wohl, gemäß ihrer Geistesverwirrung, seine Maßnahmen als böse. Auch heute rufen die Mörder, wenn sie der Bestrafung überliefert werden 1, die Vollzieher ihrer Strafe nicht Wohltäter, sondern Übeltäter. Denn so ist es Sitte bei den Verbrechern, daß sie das Recht Unrecht nennen. Ferne sei es aber, uns derartiges zu sagen, sondern statt das Böse für etwas Selbständiges zu halten, erachten wir es als Ausgeburt des Willens.

In der Tat besteht die Unkeuschheit und der Ehebruch in der gegenseitigen Verbindung eines Mannes mit einer Frau. Wenn jemand der Frau sich naht, mit welcher er gesetzlich verheiratet ist, um Kinder zu erzeugen und Nachkommenschaft zu pflanzen, so ist die Verbindung ein gutes Werk. Jedoch wenn einer seine Frau verlässt und den Ehebund eines andern feindlich stört, so verübt er eine Missetat. Obwohl die Verbindung (materiell) dieselbe ist, so ist doch das Rechtsverhältnis der Verbindung nicht dasselbe, denn der erstere wird der gerechte Vater der Kinder, der andere aber als Dieb. Ebenso liegt die Sache bei der Unzucht. Naht jemand mit der Absicht der Fortpflanzung seiner eigenen Frau, so tut er recht; aber wenn jemand aus Wollust der Begierde nach den Leibern anderer nachgibt, so tut er schweres Unrecht. [S. 43] Und so ist es klar, daß die Dinge dann böse werden, wenn die Bedürfnisse nicht in gesetzmäßiger Weise gestillt werden.

In der gleichen Weise verhält es sich mit dem Mord. Wenn jemand einen auf dem Ehebruch ertappt und ihn tötet zur Strafe für seine Frechheit, so tut er nichts Böses 2. Tötet aber jemand einen Unschuldigen, der sich nichts Verdammenswertes hat zu Schulden kommen lassen, sei es nun, um ihm (seine) Mittel zu entreißen, sei es, um ihn seines Besitzes zu berauben, so verübt er ein Verbrechen. Die Tat ist bei beiden (materiell) die gleiche, aber das Rechtsverhältnis ist nicht eben dasselbe.

Gleiches ist wieder zu sagen bezüglich der Wegnahme von Sachen. Wer von einem Herrn eine Gabe oder ein Geschenk von einem Freunde annimmt, der tut nichts Böses. Wer aber gewalttätig den Schwachen beraubt, der begeht ein Verbrechen. Das Nehmen ist bei beiden dasselbe, aber deren Umstände beim Nehmen sind nicht die gleichen.

In gleicher Weise zeigt sich in der Art des Gottesdienstes das Böse. Wenn jemand dem wahren Gott dient, so vollbringt er ein edles Werk; wenn hingegen jemand den wahren Gott verläßt und Stein und Holz wie Gott dient, dann begeht er ein unsägliches Unrecht. Denn er überträgt das Verhältnis der Abhängigkeit 3 auf die unvernünftigen Geschöpfe. Stellt jemand ein Bild her und zwar nicht aus Liebe zu einem Teuern, der ihm durch den Tod entrissen wurde, oder um seine Kunst zu zeigen, sondern weiht ihm Dienst und betet es an als Gott, so tut er ein Werk der Bosheit.

Und so wirkt, welcher Art die Dinge an sich auch sein mögen, die Absicht des Täters das Böse, wie auch das Eisen bald zum Guten dient und bald zum Bösen; denn wenn jemand daraus eine Pflugschar oder eine Sense oder eine Sichel macht, so wird es zum Guten verwendet; [S. 44] wenn aber jemand daraus ein Schwert oder eine Lanze oder ein (Wurf-)Geschoß oder sonst irgendeine Waffe macht, die den Menschen schadet, so vollbringt er ein Werk des Bösen. Und die Ursache des Bösen ist der Vorarbeiter, nicht das Eisen.

1: Nahapetean a. a. O. S. 284 ließ statt mtania (V) matnin (Vd).
2: Dies ist natürlich nur vom Standpunkt der Rechtsverhältnisse in der Heimat des Schriftstellers und zu seiner Zeit zu verstehen. Allgemein richtig kann diese Aussage nicht genannt werden.
3: Von denen er sich als abhängig bekennt, ohne es zu sein.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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