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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

9.

Verlassen wir jetzt die Untersuchung über die Materie, welche sie als Grundstoff von allem bezeichnen, und gehen wir zur Untersuchung des Übels, welches sie von jener herleiten. Denn wenn es klar ist, daß die Übel nicht etwas Substanzielles sind, so wird auch die Materie zurückgewiesen, weil sie einst nicht war und weil sie [S. 41] keine Substanz ist. Fragen wir zunächst nach dem Bösen bei den Menschen. Ist hier das Böse Eigenschaft einer Substanz oder selbst Substanz? Die Bewegungen, welche im Leib und in der Seele des Menschen verlaufen, kann man nicht als den Menschen selbst ansprechen, sondern nur als freiwillige Bewegungen. Denn der Mensch ist eine Substanz, aber die Sitten sind keine Substanzen wie der Mord oder der Ehebruch, welche von den Sitten bewirkt werden.

Wenn diese also substanzielle Geschöpfe wären, dann wäre es auch nötig, die Ursache, die sie aufstellen, für eine geschöpfliche Substanz zu halten 1. Denn wenn von einer Sache ein Teil geschöpflich ist, dann ist offenbar das Ganze geschöpflich. Und wo ein Teil unerschaffen ist, da ist auch das Ganze nicht geschöpflich. Nun aber gab es doch eine Zeit 2, da überhaupt ein Schöpfer (des Bösen) gar nicht da war, bevor Gott den Menschen erschaffen hatte, aus dem das Böse entstanden ist. Da der Mensch sich als den Schöpfer eines Teiles des Bösen erweist, so zeigte sich, daß vom ganzen Bösen, wenn es nämlich Substanz wäre, Gott der Schöpfer wäre 3, was aber durchaus niemals gesagt werden kann, so daß also von einer substanziellen ewigen Ursache des Bösen neben Gott nicht die Rede sein kann, daß nämlich Gott die Ursache des Bösen sei, sondern jener ist sie, der mit seinem Willen das Werk des Bösen vollführt. Und der, von dem das Böse bewirkt wird, erhält auch mit Recht den Namen der Bosheit, wie wir es auch schon oben gesagt haben.

1: Das Folgende führt den indirekten Beweis, daß das Böse nicht Substanz ist. Denn dann müßte es einen Schöpfer haben. Dieser könnte nur Gott sein. Das aber ist unmöglich. Also ist das Böse nicht Substanz.
2: Das ist im Früheren gezeigt und ergibt sich in Natur und Geschichte, sofern auf Erden das moralisch Böse erst durch den Menschen auftritt, dieses aber das physische Übel nach sich zieht.
3: Nach obigem folgt der Teil dem Ganzen. Da der Mensch als Gottes Geschöpf Ursache eines Teiles des Bösen ist, müßte Gott indirekt als Schöpfer dieses, folglich des ganzen Bösen gelten.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger