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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

4.

Auf solche wahre Sätze bringen sie nun wieder unpassende Fragen vor. Woher kommen überhaupt, so sagen sie, diese Unstimmigkeiten? Wenn Gott der Schöpfer des Guten ist, und nicht der Schöpfer der bösen Dinge, woher stammt die Finsternis, woher kommen die bösen Sachen, woher die Mühsale, woher die Bedrängnisse bald von Seiten der Kälte, bald von Seiten der Wärme? Oder woher stammen die Verkehrtheiten 1, denn wir sehen doch, wie Männer eines Stammes gegeneinander sich aufreizen lassen und einer nach Tod und Blut 2 des anderen dürstet. Andere wühlen die Gräber auf und entblößen den im Staub begrabenen Leichnam und entehren ihn im Lichte der Sonne, ja geehrte Leichname berauben sie absichtlich ihrer Hülle und werfen sie vielleicht den Hunden und Geiern vor. Manchmal flieht der eine und sucht, irgendwohin sich flüchtend, sein Leben zu erhalten, der andere aber, voll glühenden Zornes, folgt mit dem Schwert hintendrein und lässt nicht nach, bis er seinen Groll gesättigt hat. Woher kommt dieser unersättliche Zorn? Ein anderer zieht dem Nächsten die Kleider vom Leib, und kehrt er sich gegen ihn, dann schafft er ihn aus dem Lichte der Sonne. Ein anderer hat es sich in den Kopf gesetzt, den Nächsten um sein eheliches Recht zu hintergehen. Er naht sich ungerechterweise dem Bette [S. 33] desselben und hindert denjenigen, Vater an Söhnen zu werden, der nach dem Gesetze vermählt ist. Bald werden Kriege heraufbeschworen, wo der Sünder und der Gerechte miteinander hingeschlachtet werden und frühzeitiger Tod und bittere Schmerzen zu kosten sind. Und wozu wäre es nötig, eines um das andere herzuzählen, statt kurz zu sagen: Woher ist das alles, wer ist der Urheber und Bringer all dieses Widerwärtigen, wenn es nicht eine böse Macht gibt, welche alle diese Störungen eintreten lässt und selbst Urheberin davon ist. Denn Gott den Schöpfer davon zu nennen, gehört sich nicht, auch nicht, von ihm das Sein des Bösen herzuleiten. Wie wäre es möglich, solches von Gott zu denken, denn Gott ist gütig und Schöpfer aller Güte. Das Böse berührt ihn nicht einmal, es gelüstet ihn nicht, daran sich zu weiden, sondern er verabscheut dessen Tat und Täter. Denn das Böse ist mit seiner Natur unvereinbar.

Daher kommt die Meinung, daß es etwas außer ihm gebe, wofür sie den Namen ὕλη [hylē] haben, was Stoff heißt, daraus habe er alle Geschöpfe gemacht und sie mit allweiser Kunst unterschieden und mit Schönheit geschmückt. Diesem Stoffe sei das Böse zuzuschreiben, da er an sich unwirklich und gestaltlos und in ungeordneter Menge zerstreut umhertrieb und der göttlichen Kunstordnung entbehrte. Diesen Stoff habe nun Gott nicht immer im Zustande der Unordnung gelassen, sondern er habe sich angeschickt, die Geschöpfe zu schaffen. Und er wollte aus dem schlecht Beschaffenen daran das Edlere ausscheiden. Und so schuf Gott aus ihm, wie es ihm gefiel, die Geschöpfe zu erschaffen. Und was an ihm Unreines war und ungeeignet zur Schöpfung, das ließ er beiseite. Und aus diesem Bodensatze stamme das Böse unter den Menschen.

1: Hier beginnt die Entlehnung aus Methodius: Über den freien Willen. Vgl. arm. 19 mit N. Bonwetsch Methodius a. a. O., I Erlangen u. Leipzig 1891 S. 7 ff. Handes 1893 S. 347 ff.
2: V. hat Instrumentalis. Nahapetean a. a. O. S. 283 setzt dafür den Genitiv. (Vd).

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger