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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

25.

Aber noch den Streit darüber aufnehmend, bleiben sie bei ihren Behauptungen. Der eine sagt: In unserem Dorf hat ein Meeresstier eine Kuh gemacht und das Geschrei hören wir alle beständig und ein anderer sagt: Ich habe die Fee mit eigenen Augen gesehen. Kann auch vom Lecktier einer behaupten, daß jemand es gesehen habe? Und wenn in den ersten Zeiten die Lecktiere die Verwundeten geleckt und gesund gemacht haben, warum lecken sie jetzt nicht mehr und bringen die Gesundheit nicht zurück? Gibt es nicht ebenso Kriege und fallen nicht ebenso Verwundete? und keinen machen sie mehr mit ihrem Lecken gesund.

[S. 76] Aber zu jener Zeit gab es, sagen sie, Heroen.

So wollen wir sie über die Götter befragen: Waren etwa die Götter körperlich oder waren sie unkörperlich? Waren sie körperlich, so ist es klar, daß sie Menschen waren, und man hat die Bilder 1 der Menschen zum Gegenstand der Verehrung gemacht und Götter genannt. Waren sie aber unkörperlich, so konnten sie als unkörperliche Wesen sich nicht mit körperlichen Weibern vermählen 2. Denn wenn dieses möglich wäre, so hätte der Satan nie aufgehört, mit den Weibern Satanssprößlinge zu erzeugen. Denn ist jemand ohne Körper, so ist er auch ohne Samen. Denn der Same ist dem Körperwesen eigen, nicht den Körperlosen. Ohne Samen aber vom Weibe zu zeugen, das ist nur einem möglich gewesen, der der Schöpfer der Natur des Leibes ist. Nach seinem Willen war er imstande, aus der Jungfrau ohne Verehelichung zu zeugen.

Daher haben im Hinblick auf die Schwachheit ihrer Götter alle die Weisen draußen nicht gewagt zu sagen, daß einer von einer Jungfrau ohne Vermischung geboren worden sei. Und wie es bei den Dämonen keine Geburten gibt, so auch keinen Tod. Obwohl von Natur allein die Gottheit unsterblich, welche ewig ist und nicht von jemandem den Anfang des Seins empfangen hat, so hat sie doch in ihrer Güte auch dem einem Anfang unterworfenen und vernünftigen Wesen die Unsterblichkeit geschenkt 3, nämlich den Engeln und den Dämonen und den Seelen der Menschen. Von diesen entstehen die Menschen, da sie aus zwei Naturen bestehen, einer körperlichen und einer unkörperlichen, passend aus dem Samen durch die Geburt und kommen zur Vermehrung durch die Ehe, und sterben dem Leibe nach, nicht aber nach der Seele, wegen der Übertretung des Gebotes.

Die Engel aber und die Dämonen gewinnen keine Vermehrung durch Geburt und erleiden keinen Abgang durch den Tod, sondern in derselben Zahl, in welcher sie [S. 77] erschaffen worden sind, beharren sie ohne Vermehrung und ohne Verminderung. Und es gibt kein anderes Geschöpf, welches in verschiedenen Gestalten auftreten könnte, wie es die Sage von den Drachen und den Meeresungeheuern 4 behauptet, als allein die Engel und die Dämonen, welche imstande sind, die Luft zusammenzuballen und auszudehnen und Gestalten verschiedener Art erscheinen zu lassen.

Aber die Drachen, sagen sie, und die Meeresungeheuer treten in verschiedenen Gestalten auf, von welchen die eine ihnen eigentümlich ist, die andere nicht.

Der Drache, welcher körperlich ist, kann seine Gestalt nicht ändern. Denn wenn es körperlichen Wesen möglich wäre, die Gestalt abzuändern, so würde doch zuerst der Mensch, welcher mehr ist als sie, die Gestalt ändern, wie er wollte. Allein, wie es dem Menschen nicht möglich ist, seine Gestalt abzuändern, wozu er will, so ist es auch dem Drachen nicht möglich. Ja, auch die Wasserungeheuer existieren nicht für sich, sondern sofern ein Dämon an den Orten sich aufhält und bald die Gestalt annimmt und bald Schaden anrichtet. Auch tragen die Drachen nicht die Ernte der Früchte, noch haben sie ein Lasttier, daß sie die Früchte aus den Tennen irgendwohin verschleppen, und es ist vergeblich, in den Tennen zu sagen: Leg, leg, und nicht: Nimm, nimm! Denn der Drache, der selbst ein (Last-)Tier ist, sofern er unvernünftig und sprachlos ist, wie sollte er, der selbst ein Tier ist, ein anderes Tier leiten? Denn dem Drachen kommt keine andere Natur zu, als die der Schlange. Das ist offenbar. Und ein Schlangenungeheuer oder ein meergeborenes Untier nennt die Heilige Schrift den Drachen; wie sie einen Menschen von ungeheurer Größe Riesen nennt, so nennt sie die ungeheure Schlange des Festlandes und das berggestaltige Meerestier, die Walfische sage ich, und Delphine Drachen, gemäß dem Wort: du hast zermalmt das Haupt der Drachen über den Wassern und sie zur Speise gegeben den Völkern Äthiopiens.

[S. 78] Siehst du, daß die Schrift die größten, im Meer geborenen Fische Drachen nennt? Und es ist daraus klar, daß sie Fische meint, weil er sie den Völkern Äthiopiens zur Speise gab, obschon hier andere auch den Ausdruck Drachen parabolisch auf Satan bezogen, gleich jenem Wort, das Job geschrieben hat. Und etwas anderes sind die Drachen nicht, als entweder große Schlangen des Festlandes oder riesenhafte Meerfische, von denen man sagt, daß sie bergeshoch und sehr groß sind, und deren Nahrung die kleinen Fische sind, wie auch der großen Schlangen verschiedene kleine Schlangen oder Tiere. Und niemals haben die Drachen Jagden veranstaltet wie die Menschen oder werden sie veranstalten, noch haben sie Paläste wie die Menschen zur Wohnung, noch haben sie irgendeinen königlichen Sproß oder Herren bei sich lebendig gebunden. Denn von den im Leibe einst Lebenden sind nur zwei im Leben geblieben, Henoch, Elias.

Von Alexander haben die Dämonen die Täuschung aufgebracht, daß er lebe. Nach ägyptischer Kunst banden sie einen Dämon durch Zauberei und warfen ihn gefesselt in eine Flasche und machten glauben, daß Alexander noch lebe und den Tod verlange. Die Ankunft Christi machte diesen Betrug zuschanden und schaffte das Ärgernis hinweg. In gleicher Weise hat auch die Verführung der Dämonen die armenischen Götzendiener getäuscht, daß einer namens Artawazd 5 von den Dämonen festgehalten sei und noch lebe, und daß er kommen werde und das Land an sich reißen werde. In dieser leeren Hoffnung sind die Ungläubigen befangen, wie auch die Juden, welche die vergebliche Erwartung hegen, daß David kommen werde und Jerusalem erbaue und die Juden sammele und dann über sie herrsche.

So bemüht sich Satan, jedermann an guten Erwartungen irrezumachen und an eitle Hoffnungen zu ketten. Er übertreibt in den Augen der Menschen die Größe der Drachen, damit sie manchen furchtbar erscheinen und sie ihnen Anbetung leisten. Er verleitet zum Glauben, [S. 79] daß auch in den Flüssen irgendwelche Ungeheuer seien und Schutzherrn der Felder. Und hat er solchen Glauben gefunden, dann verwandelt er sich selbst entweder in die Gestalt eines Drachen oder eines Wasserungeheuers oder eines solchen Schutzherrn, um so den Menschen von seinem Schöpfer abwendig zu machen. Denn wenn das Wasserungeheuer als solches etwas Wirkliches wäre, dann erschiene es nicht bald in der Gestalt eines Weibes und wäre nicht bald ein Seehund und würde nicht den Schwimmenden sich zwischen die Füße werfen und sie ertränken. Denn entweder würde es als Weib ein Weib bleiben oder als Seehund ein Seehund.

In gleicher Weise würde das Wesen, welches sie Schutzherrn der Felder nennen, nicht bald als Mensch erscheinen, bald als Schlange, wodurch es ihm möglich war, auch die Anbetung der Schlangen in die Welt zu bringen. Ebenso würde der Drache nicht das eine Mal in Schlangengestalt erscheinen und das andere Mal in Menschengestalt, wie schon oben hervorgehoben wurde, weil, was etwas Körperliches ist, sich nicht in andere Gestalten verwandeln kann.

Wenn dann auf den Tennen Maulesel und Kamele erscheinen, so sind das Dämonengestalten und nicht solche von Drachen. Und wenn auf den Feldern rasche Tiere 6 dahineilen und Reiter wie Menschen hinter dem Wilde nachsetzen, so sind das dämonische Truggestalten, nicht aber Wahrheit und Wirklichkeit. Und wenn in den Flüssen sich etwas zeigt in Gestalt von Weibern, so sind das Satansgestalten. Denn die Wasserungeheuer sind nicht etwas Wirkliches und der Drache dringt nicht ein in den Menschen wie der Dämon, wie einige aus dem Zischen von Besessenen erschlossen, denn es ist für ein Körperwesen nicht möglich, in ein anderes Körperwesen einzugehen. Und wenn ein Drache 7 emporgehoben würde, so (würde es) nicht etwa durch sogenannte Ochsen [S. 80] geschehen, sondern durch eine gewisse verborgene Kraft auf Befehl Gottes, damit sein Hauch nicht Menschen oder Tieren schade; wie der sogenannte Basilisk, eine Schlangenart, durch den Blick allein Menschen und Tiere hinrafft. Wenn daher in einem Brunnen ein solcher sich befindet, dann steigen sie mit einem Licht hinab, ihn zu fangen, damit die Schlange auf das Licht hinblicke und dem Menschen nicht schade.

1: Schmid: Gespenster (ohne: der Menschen).
2: Vgl. Aitillâha a. a. O.
3: Ebenso.
4: Fabelhafte Tiere nach Art der Pferde (s. Eusebius) und Krokodile (?); der armenische Name nhang, im Neupersischen: Krokodil.
5: Vgl. Weber, die kath. Kirche in Armenien S. 42. Vetter, in theol. Quartalschrift 1894, S. 52.
6: Die Bedeutung ist strittig (Vd). Obige Übersetzung schließt sich an Kalemkiar-Schmid an. Nach Byzantion 1904², 2347 wäre der Sinn: Wenn auf dem Feld Trugfallen ausgespannt sind usw. Vgl. Masis 1900, S. 371, 403, 435, 473.
7: Bei E. fehlt: ein Drache empor.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger