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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

23.

Aber auch das müssen wir wissen, daß die Engel, die Teufel und die Menschenseelen unkörperlich sind. Denn von den Engeln heißt es: „Er hat seine Engel zu Geistern gemacht und seine Diener zu Feuerflammen“ (Ps. 103, 4; Hebr. 1, 7) [= Psalm 104, 4; Hebr. 1, 7]. Geister nennt er sie wegen ihrer Geschwindigkeit, gleich als wollte er sagen, daß sie schnell sind wie der Wind. Denn im Hebräischen, Griechischen 1 und Syrischen gibt es für Seele und Wind das gleiche Wort. Auch im Armenischen findet es sich so, wenn jemand genau zusieht. Wenn jemand von einem geängstigt worden ist, heißt es: er ließ ihn keinen (Atem) [S. 71] Geist schöpfen, er ließ ihn keinen (Atem) Geist holen, und spricht von der Luft, die wir immer einatmen. Und feurig nennt er sie wegen ihrer Gewalt 2, wie es anderswo heißt: sie sind gewaltig an Kraft, zu tun seinen Willen. Nicht aber als wären sie ihrer Natur nach von Wind oder Feuer. Denn bestände ihre Natur aus Wind oder Feuer, dann würden sie mit Recht körperlich genannt, nicht aber unkörperlich. Denn was körperlich ist, ist aus den vier Elementen zusammengesetzt wie die Leiber der Menschen und aller Tiere. Und was immer unkörperlich ist, das ist von einfacher Natur, wie die der Engel, der Teufel und der Menschenseelen.

Wie also unterständen sich jene zu schwätzen, die behaupten, daß Engel mit Menschen sich vermählt hätten; denn jene werden feurig genannt, die Menschen aber wie Heu 3. Denn es ist ja klar, daß es zwischen Feuer und Heu zu keiner Vermählung kommt, sondern zum Hinraffen. Und diese drei Gruppen werden, weil sie gleiche Natur haben, auch in gleicher Weise mit demselben Namen benannt. Der Engel heißt: Geist (ogi), aber dienender Geist, weil er gehorsam und voll guten Willens ist. Auch der Teufel heißt Geist, aber böser Geist, wegen seines Ungehorsams und Abfalls. Denselben nennen wir gleichwohl in unserer Sprache „bösen“ (ais) Geist, wie es durch die Unterscheidungen unserer ersteren Väter bei uns Gewohnheit wurde, aber wir wissen, daß Geist (ais) Wind ist und Wind Geist (ogi) nach dem, was oben gesagt wurde. Denn wenn wir sagen, der „milde Wind“ weht, sagen die Syrer der ais (=Wind) weht. Und wegen der ausgedehnten Ortsbeherrschung und der Schnelligkeit allein werden die Engel, die Teufel und die Menschenseelen geistig, d. h. windig genannt. Wie die Engel wegen ihrer Gewalt feurig genannt werden, ebenso wegen der Schnelligkeit und ausgedehnten Ortsbeherrschung geistig, das ist windig; aber ihre Natur ist eine höhere als die des Windes und des Feuers, feiner und schneller als der Verstand 4.

[S. 72] Und es ist nicht zu verwundern, daß sie mit den Namen der uns nahestehenden Geschöpfe bezeichnet werden. Denn auch ihr Schöpfer verschmäht es nicht, aus mancherlei Rücksichten solche Namen anzunehmen. Gott wird Geist genannt. Jedoch besteht hiebei ein Unterschied. Es heißt: Gott ist ein lebendiger Geist (Joh.4, 24), d. h. lebendigmachend. Er wird auch Feuer genannt gemäß jenem (Ausspruch): „Dein Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (Deut.4, 24). Wir wollen nun sehen, ob Gott nur ein verzehrendes Feuer ist. Siehe da, durch einen anderen Propheten desselben Geistes ist uns kundgetan worden, daß er „Licht“ ist (Micha 7, 8) gemäß dem Worte: „Der Herr ist mein Licht und mein Leben, vor was soll ich bangen?“ (Ps. 26,1) [= Psalm 27, 1]. Wenn er nur ein verzehrendes Feuer wäre, wie würde er dann auch lebendigmachendes Licht genannt? Ist es also nicht klar, daß er dort Feuer genannt wird, wo es der Strenge bedarf, und wo Milde am Platz ist, belebendes Licht. Er selbst ist erhaben über Feuer und Licht. Und er nimmt noch viele andere Namen an sich wegen verschiedener Vorteile.

Und wenn er seinen Heiligen erscheinen wollte, so zeigte er sich in keiner anderen Gestalt als in der Gestalt des Menschen, den er nach seinem Bilde erschaffen hatte. Und das geschah nicht ohne Grund, sondern damit er die Liebe, die er zu den Menschen trägt, besser zeige, und damit er zum voraus Sorge trage, um die Menschen zur Erkenntnis zu führen. Sie sollten, wenn er seinen Sohn als Mensch in die Welt senden werde, diese Veranstaltung nicht für etwas Fremdes halten, zumal sie wüßten, daß er selbst in solcher Gestalt sich offenbarte. So machte er z. B., als er zu Adam ins Paradies herniederstieg, ein Schrittgeräusch nach Art des Menschen (Gen.3, 8-11). Und als der Sohn mit zwei Engeln zu Abraham kam (Gen. 18, 8) [= Gen.18, 2], da würdigte er ihn, das Mahl in seinem Zelte zu essen. Und als er mit Abraham auf dem Berge sich in ein Gespräch einließ, da schickte er seine beiden Jünglinge, die menschengestaltigen Engel, zu Lot, dem schönen Gastfreund. Den Engel im Dornbusch, der brannte und doch nicht verbrannte, ließ er menschliche Stimme annehmen, und so mit dem zuerst Gott geweihten Manne, mit Moses, reden (Exodus 3, 2). Und seinen Heerführer [S. 73] Michael zeigte er in Mannesgestalt seinem Heerführer Josua in der Ebene (Josua 5, 13 f.). Der Engel, welcher in das Haus des Manoach gesendet worden war, um mit ihm zu sprechen, stellte sich ihm in Menschenart dar (Richter 13, 3). Und oftmals redete er, gleichsam Mensch geworden, von Mund zu Mund und von Hand zu Hand mit seinem Freunde Moses (Exodus 33, 11). Und dem Könige, den er nach seinem Herzen erfunden hatte, da er trauerte über die Heimsuchungen, zeigte er den Engel in Menschengestalt, das Schwert in der Hand. (2 Kön. 24, 16. 17) [= 2. Samuel 24, 16 f.]. Und dem Ezechiel ließ er in Feuerschein und Flammenzungen auf einem aus mannigfachen Gestalten zusammengesetzten Wagen auch einen Wagenführer in menschlicher Gestalt erscheinen, und Cherubim, mit verschiedenen Tieren verbunden, und die Hand des Cherubs zeigte er ausgestreckt wie die Hand eines Menschen, inmitten der Cherubim 5 (Ezech. 10, 7 ff.). Und sich selbst zeigte er bald als Alten der Tage, bald als Jüngling an Jahren dem Manne seines Wohlgefallens (Daniel). Und indem er so sich und seine Diener in gleicher Weise zeigte, offenbarte er den Reichtum seiner Liebe, die er zu den Menschen trug.

Alles dieses wurde gesagt, um zu zeigen, daß, was sichtbar ist, körperlich, und was unsichtbar ist, unkörperlich ist. Und unter dem Körperlichen gibt es solche Wesen, welche dichten Körpers sind, und solche, welche feinen Körpers sind. In diesem Sinn sagt der Apostel, daß anders sind die Leiber der Himmlischen und anders die Leiber der Irdischen; der Irdischen, nämlich der Menschen und der Tiere, der Vögel und der Kriechtiere, der Himmlischen, nämlich der Sonne, des Mondes und der Sterne. daß er von diesen spricht und nicht von den Engeln, das bemerkt er, indem er dazu beifügt: anders ist der Glanz der Sonne, anders der Glanz des Mondes [1 Kor. 15, 40 f].

Überhaupt was von unsern Sinnen berührt wird, beobachtet oder wahrgenommen wird, ist körperlich, und was von den Sinnen nicht erfaßt werden kann, das ist unkörperlich. Fein ist das Element des Lichtes, aber es [S. 74] wird durch die Sinne wahrgenommen und daher ist es körperlich. Fein ist das Element der Luft, aber weil es als Kälte dem Körper zur Empfindung kommt, ist es körperlich. Fein ist das Element des Feuers, aber weil es als Wärme am Körper empfunden wird, ist es körperlich. Ebenso verhält es sich mit dem Wasser, welches feiner ist als das Schwerkörperliche 6 und dichter als das Feinkörperliche.

1: Fehlt bei Schmid.
2: Aitillâhâ a. a. O.
3: E. fügt bei: wie der Prophet sagt, daß jeder Leib Heu ist.
4: Vgl. Aitillâhâ.
5: Anklang an Aitillâhâ a. a. O.
6: Fehlt bei E., dafür steht zkēsn als manches, als das übrige ?

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger