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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

22.

Doch die Zauberer, sagen sie, schicken Dämonen und vertreiben Dämonen.

Daß die Zauberer keine Dämonen austreiben können, dafür ist uns das Wort unseres Herrn ein überzeugender Beweis, wo er erklärt, daß Satan den Satan nicht austreibt (Matth. 12, 26). Denn wenn der Zauberer ihn austriebe, so würde er es doch nur durch einen Dämon tun. Christus sagt aber, daß ein Dämon einen Dämon nicht austreibt. Also ist es klar, daß die Dinge auf andere Weise verlaufen, als wie von ihnen das Wort ausgegangen ist, nicht von uns. Sie gestehen nun, austreiben können sie nicht, aber zu binden vermögen sie, daß der Dämon zur dauernden Fessel der Freiheit der menschlichen Seele wird. Und dies geschieht durch Gott mit Recht nach Würdigkeit. Denn ein solcher hat Gott verlassen, die Heiligen und das Fasten und Gebet, und seine Zuflucht zu dem Zauberer genommen, der sich nicht helfen kann; ist denn je einer von den Zauberern leidlos, ohne Dämon und unsterblich? Auch sehen wir, daß die Zauberer immer überwältigt werden von den Dämonen, insbesondere die Wahnsinnigen. Denn sie werden zuerst von den Dämonen befallen, und dann versprechen sie, andere zu geben, was weder in ihrer noch der Dämonen Gewalt ist, durch deren Wort sie etwas zu geben aussagen, sondern allein in Gottes Hand, der Schöpfer und Gebieter ist.

Es wäre also besser, statt den Teufel sofort zu binden, wie die Zauberer sagen, und die Freiheit der menschlichen Seele in Fesseln zu schlagen, ihn zu zeigen, und [S. 69] mit Hilfe der Heiligen Gott anzuflehen, und die Hilfe dessen zu finden, der vom Bösen befreit.

Wir behaupten jedoch, daß (der Dämon) auch keine Macht hat, in einen Menschen einzugehen, außer durch Zulassung Gottes. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, wie er allein weiß. Es geht dies daraus hervor, daß sie, als sie in die Herde der Schweine eindringen wollten, dies nicht konnten, ehe sie zuvor von Christus die Erlaubnis erhalten hatten. Und als der Satan Job versuchen wollte, da konnte er es nicht unternehmen, ehe er von Gott die Erlaubnis zur Versuchung erhalten hatte. Und bezüglich Judas heißt es, daß mit dem Bissen der Satan in ihn fuhr. Hätte Christus es nicht zugelassen, so wäre es für Satan, der anstachelte, und für Judas, der aus Geiz dahin kam, nicht möglich gewesen, in ihn einzudringen. Um aber die Freiheit beider zu zeigen, ließ er es zu nach dem Willen der beiden.

Ja, wenn nicht Gottes Vorsehung den Dämon zurückhielte, so würde er manche, die von ihm gequält werden, mit bitterem Tode hinraffen. Wenn nicht Gottes Drohungen schützten, so würden sie selbst ihre eigenen Diener mit verschiedenen Verletzungen zerfleischen und mit schrecklichem Tod vernichten. Aber weil ihnen die Macht gebricht, können sie solche Dinge nicht ausführen. Und dies erhellt daraus, daß Gott, obschon er vorausweiß, daß einer ein Götzendiener sein werde, ein anderer ein Zauberer, wieder ein anderer ein Mörder, er es doch nicht hindert, daß sie zum Leben erstehen und beseelt werden, um seine Güte zu offenbaren und damit jene gemäß ihrer freien Entscheidung verurteilt würden.

Und es ist klar, daß, wie er der Herr ist, der bestimmt, was er schafft, so auch der Herr ist, der über den Genuß der Dinge verfügt und über die Rettung von den Bedrängnissen des Bösen. Denn was jemand gehört, dessen schont er und trägt Nachsicht. Was ihm aber nicht gehört, das Fremde, das zerstreut und zersplittert er (der Dämon). So heißt es ja im Evangelium, daß der Wolf wegen nichts anderem kommt, als um zu rauben und um zu zerstören (Joh.10, 10. 12). Jedoch die wahrhaft Gläubigen kann der Satan durch seine Versuchung nicht [S. 70] beschädigen, noch der Zauberer durch Dämonen. So hat es der Herr selbst zu seinen Jüngern gesagt: „Siehe, ich habe euch die Gewalt gegeben, Schlangen zu zertreten und Skorpione und alle Macht des Feindes“ (Markus 16, 18). Und wiederum: Die Zeichen für jene, welche glauben werden, sind folgende: sie werden die Teufel austreiben und Schlangen mit der Hand erfassen und tödliches Gift trinken, und es wird ihnen nicht schaden. Überhaupt ist zu sagen, daß dem Unschuldigen weder die Dämonen schaden können, noch wagen ihn die wilden Tiere zu töten, wie auch dem Daniel die wilden Tiere kein Leid getan haben 1 und den drei Jünglingen das Feuer des Ofens.

In gleicher Weise sind sie ja auch dem ersten Menschen, bevor er gesündigt hatte, gehorsam gewesen und schadeten ihm nicht. Und zu den Zeiten der Apostel war der Satan so um seine Macht gekommen, daß die Zauberer, erschreckt durch die Wunder, welche die Apostel taten, die kostbaren Zauberbücher herbeibrachten und vor den Aposteln verbrannten; und die Teufel schrien: „Diese sind die Diener Gottes, des Allerhöchsten“ (Apg. 19, 19; 16, 17). Noch heute sieht man die verbliebene Kraft dieser Wunder wirksam in heiligen Bischöfen und wahren Mönchen. Und die Erprobungen derselben sind nicht allein den Christen, sondern auch den Heiden und Magiern bekannt.

1: meghantschithse[n] geschadet haben.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger